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Angela Römer-Zeibig kontrolliert die Hochstamm-Apfelbäume, die auf ihren Einsatz auf der Streuobstwiese warten.

Corona

Erst Lockdown, dann Kälte: Baumschulen in Heuchelheim und der Rabenau ausgebremst

  • vonPatrick Dehnhardt
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Zunächst durften die Baumschulen nicht öffnen, dann kam der Dauerfrost. Dabei ist der Winter der perfekte Zeitpunkt, um Obstbäume und Sträucher zu setzen. Nun wächst die Hoffnung.

Eine zarte Schneedecke liegt zwischen den Hochstämmen, die in der Baumschule auf ihren Einsatz warten. Angela Römer-Zeibig geht zufrieden durch die Baumreihen, schaut sich einen Heuchelheimer Schneeapfel genauer an. »Gott sei Dank gibt es auch noch den Winter«, sagt die Geschäftsführerin der Baumschule Rinn in Heuchelheim. Zwar kommt niemand auf die Idee, einen Strauch oder Baum zu pflanzen, wenn der Boden hart wie Beton gefroren ist. Viele Pflanzen brauchen jedoch den Kältereiz, um gut ins Frühjahr zu starten.

Zudem sind die harten Frosttage nun erst einmal wieder vorüber - was man von der Corona-Pandemie leider nicht sagen kann. Und das ist derzeit das Hauptproblem der heimischen Baumschulen.

Am Ortsrand von Kesselbach steht die Baumschule Rabenau. »Wir haben zuletzt Weihnachtsbäume verkauft«, berichtet Berthold Becker von den letzten Geschäftstagen des Familienbetriebs 2020. Die Adventsausstellung sei ausgefallen. »Im Januar wäre eine gute Pflanzzeit gewesen, doch da hatten wir noch zu.« Denn zunächst mussten auch die Baumschulen in den Lockdown.

Nach Weihnachtsbäumen war erst Mal Schicht im Schacht

Die Baumschule Rinn in Heuchelheim hatte das gleiche Problem, musste nach dem Weihnachtsbaumverkauf für den Publikumsverkehr schließen. Während Floristen in einem geschlossenen Ladengeschäft öffnen durften, war es der Branche, die ihre Pflanzen an der frischen Luft anbietet, nicht gestattet. Römer-Zeibig konnte diese Regelung nicht nachvollziehen, »ich verstehe den Unterschied zwischen Floristen und einer Baumschule nicht«. Sie führte Gespräche mit dem Ordnungsamt - und bekam vor ein paar Tagen grünes Licht, wieder öffnen zu dürfen.

Zuvor konnten die Kunden nur telefonisch Pflanzen bestellen und abholen, auch Beratung fand ausschließlich via Telefon statt. Dabei habe man sich sehr ins Zeug gelegt. »Lieber nur die Hälfte Umsatz als gar keinen«, sagt Römer-Zeibig. Jedoch stoßen Telefonate auch an ihre Grenzen. »Gerade bei Obstgehölzen wollen die Kunden eine intensive Beratung.«

Dies sieht Becker in der Rabenau genauso: »Die Leute wollen sich eine Pflanze aussuchen. Individuelle Beratung wird groß geschrieben.« Nun ist diese wieder mit Abstand möglich.

Die Baumschule Rabenau hatte in den vergangenen Tagen noch geschlossen: »Bei den Minusgraden wäre kein Mensch gekommen«, sagt Becker. »Da kriegst du kein Loch in den Boden. Bei uns lagen 20 Zentimeter Schnee.« Mit den nun steigenden Temperaturen öffnen sich die Tore wieder.

Hoffen auf langsamen Frühlingsanfang

Becker hofft auf einen sich sanft anbahnenden Frühling, sodass nun genügend Zeit bleibt, um noch Sträucher und Bäume zu setzen - und sich damit das desaströse Wintergeschäft noch ein wenig auffangen lässt.

Auch bei Rinn will man von 20 Grad plus zunächst einmal nichts hören. Obstbäume pflanzt man am besten im Winter in den feuchten Boden, erklärt Römer-Zeibig. Denn bereits ab fünf Grad plus fangen die Pflanzen an, erste feine Wurzeln zu schlagen. Da die Bäume derzeit noch keine Blätter mit Wasser versorgen müssen, können sie sich erst einmal stressfrei eingewöhnen. »Dieser Vorsprung ist in trockenen Sommern unbezahlbar.« Hätten die Bäume im Dezember oder Januar gesetzt werden können, hätten sie diese Zeit voll ausnutzen können.

Doch egal ob erst jetzt oder schon vor zwei Monaten gepflanzt: Gießen ist im Sommer zum Dauerthema geworden. »Ein Baum braucht mittlerweile mehr Pflege«, sagt die Gärtnermeisterin. »Früher hat man gesagt, man muss den ersten Sommer wässern. Mittlerweile sind daraus drei geworden.«

Insbesondere Zwergbäume haben mit der Trockenheit zu kämpfen. Da ihre Äste sehr tief hängen, lassen sie sich bequem fast ohne Leiter ernten, sind daher beliebt. Der Nachteil ist, dass sie nicht sehr tief verwurzelt sind, darum das Wasser in tiefen Bodenschichten für sie unerreichbar bleibt. Sie müssen über viele Jahre gewässert werden. »Hochstämme sind da die Gewinner.«

Hobbygärtner brauchen Geduld

Insgesamt profitieren die Baumschulen vom Trend, sich mehr selbstversorgen zu wollen, sagt Römer-Zeibig. Die Nachfrage nach Obst- und Gemüsepflanzen ist erheblich gestiegen. Diesbezüglich rät die Gärtnermeisterin jedoch, noch ein paar Tage Geduld zu haben: »Kräuter gibt es erst ab Mitte/Ende März«, bei einigen Gemüsesorten kann auch noch ein späterer Pflanzzeitpunkt sinnvoll sein. Wer jetzt schon Tomaten ins Freiland pflanzt, pflanzt zweimal.

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