Die verdurstete Eiche - ein trauriger Anblick. FOTO: SEL
+
Die verdurstete Eiche - ein trauriger Anblick. FOTO: SEL

Das Ende der dicken Eiche

  • vonFranz Ewert
    schließen

Heuchelheim/Lahnau(sel). Seit fast sieben Jahrzehnten schon wird der kleine Waldanteil, über den die Gemeinde Heuchelheim in ihren Gemarkungen Kinzenbach und Heuchelheim verfügt, von der Revierförsterei Lahnau forstwirtschaftlich betreut. Dort ist nun die alte Eiche, die eine Fällaktion Anfang der 1970er Jahre überlebt hat, augenscheinlich abgestorben, weil ihr Wasser fehlt.

Lahnau beschäftigt vier Waldarbeiter, die auch in der Nachbargemeinde zum Einsatz kommen. Das erspart der Gemeinde Heuchelheim bares Geld, muss sie doch keine eigenen Bediensteten anstellen. Für diesen nachbarschaftlichen Dienst zahlt Heuchelheim pro Arbeitseinsatz natürlich einen Obolus. Theoretisch generiert die Gemeinde aus ihrem Waldbesitz Einnahmen. Nennenswerte Gewinne, die mit der Waldwirtschaft erzielt werden könnten, liegen aber schon länger zurück, meist ist der Wald mittlerweile ein Zuschussbetrieb.

Dick und kräftig

Heuchelheim aber hätte durchaus die Chance, mit einem einzigen Baum einen Gewinn im vierstelligen Bereich zu erzielen. Allerdings sind die Begleitumstände eher sehr traurig. Es geht um die etwa 200 Jahre alte Eiche im Kinzenbacher Wald. Der dicke Baum ist seit Jahrzehnten ein Unikat im Kinzenbacher Wald. Als im Jahr 1972 die umgebende gesamte Fläche mit den damals rund 150 Jahre alten Eichen gefällt wurde, um eine neue Kultur zu begründen, durfte nur dieser eine Eichenbaum stehen bleiben, weil er schon in jenen Tagen der dickste und kräftigste und zugleich wohlgewachsen im Kreise seiner vielen Artgenossen auf dieser Fläche war.

Nahezu ein halbes Jahrhundert trotzte das Kinzenbacher Unikat allen Widrigkeiten. Es hat vielen Stürmen standgehalten, Orkanen ohne und mit Namen, von denen viele noch in Erinnerung sind. Die Eiche hat die Hitzesommer 1947, 1959, 1976 und 2003 überlebt. Auch Frost und Schneelasten konnten ihr nichts anhaben. Dann aber kam der Hitzesommer 2018 und mit ihm der fehlende Wassernachschub in der Vegetationszeit.

Auf steinigem Untergrund

Der Standort des Baumriesen auf einem Plateau mit steinigem Untergrund tat ein Übriges. Obwohl die Wurzeln von Eichen bis zu zwölf Meter tief ins Erdreich eindringen können, fehlte aufgrund des milden Winters mit wenig Niederschlag das so lebensnotwendige Wasser.

Davon braucht der Baum aber viel, denn seine riesige Krone verdunstet pro Tag mehr als 500 Liter. Da diese der Untergrund nicht mehr hergab, ist der stattliche Baum augenscheinlich verdurstet.

Nun steht er traurig und offenbar sich selbst überlassen da, wo er 200 Jahre lang in jedem neuen Frühjahr zu neuem Leben erwacht und aufgeblüht ist, Blätter ausgetrieben hat und dabei langsam und stetig wuchs. Das ist ein für alle Mal vorbei. Dennoch könnte er seinem Besitzer, der Gemeinde Heuchelheim, noch einen letzten Dienst erweisen und ein paar Tausend Euro in die kommunale Kasse spülen. Denn für hochwertiges Eichenholz lässt sich eine gute Verwendung finden. Bleibt der Baum aber dort stehen und fault zwangsläufig vor sich hin, ist es absehbar vorbei mit dieser finalen Chance, doch noch einen Nutzen zu haben.

Zu finden ist der Baum in der Abteilung 456 im Kinzenbacher Wald.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare