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Eine Innung für ganz Mittelhessen?

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Von: Franz Ewert

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Frank Kreiling © Franz Ewert

Heuchelheim/Gießen (sel). Die Veränderung an der Spitze der Raumausstatter- und Sattlerinnung Gießen/Lahn-Dill lässt sich ganz gut auf folgenden Nenner bringen: Wechsel in Kontinuität. Nach 20 Jahren im Amt wurde Gerhard Arnold als Obermeister verabschiedet. Satzungsgemäß konnte der mittlerweile 70-Jährige nicht mehr zur Wahl antreten, da er altersbedingt seinen Betrieb in Lützellinden aufgegeben hat.

Einstimmig zum neuen Obermeister der 24 Mitglieder großen Handwerksinnung wurde daher jüngst Frank Kreiling (Heuchelheim) gewählt, der zuvor wiederum in jenen 20 Jahren als Stellvertreter an Arnolds Seite stand.

Zur stellvertretenden Obermeisterin berief die Versammlung ebenfalls einstimmig Dörte Gast aus Heuchelheim. Den Vorstand vervollständigen Roger Spieß und Tobias Schmidt aus Gießen, Thomas Morbitzer (Langgöns) sowie Sebastian Balzer (Dillenburg).

Der 61 Jahre alte neue Obermeister Kreiling setzt auf die Ideen und das Engagement junger Mitglieder seiner Organisation, die durch den vor einigen Jahren erfolgten Anschluss der Innung Lahn-Dill an räumlicher Größe und Zuständigkeit gewonnen hat. Diese Strukturveränderung soll nach Überzeugung Kreilings nicht die letzte gewesen sein. Um die Kräfte der meist kleineren Betriebe auf der Ebene der Innungen zu bündeln und effektiver zu machen, schaut er über die eigenen Innungsgrenzen hinaus.

Ihm schweben noch größere Einheiten vor, zum Beispiel eine Raumausstatterinnung, die die komplette Region Mittelhessen umfassen könnte. »Sinnvollerweise sollten wir auf dieses Ziel hinarbeiten und dabei auch auf die Einsicht der benachbarten Innungen in diese Notwendigkeiten bauen«, sagte Kreiling.

Wie auch viele andere Handwerksinnungen, so stehen auch die Raumausstatter vor zwei große Problembereichen: die sinkende Zahl der Mitgliedsbetriebe und der Fachkräftemangel. Björn Hendrischke, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Gießen und in dieser Funktion auch Geschäftsführer der Raumausstatterinnung Gießen/Lahn-Dill, sieht in Beantwortung der Frage, wie der Rückgang der Mitgliederzahlen gestoppt und sogar umgekehrt werden könnte, »großes Potenzial nicht organisierter Raumausstatterbetriebe gerade auch im Lahn-Dill-Kreis«.

Dazu startet noch in diesem, spätestens aber Anfang nächsten Jahres eine längerfristig angelegte Aktion, bei der auf der Basis eines in anderen Bundesländern bereits sehr erfolgreich praktizierten Konzeptes auf Handwerksbetriebe, die nicht Mitglied in einer Innung sind, zugegangen wird. Und zwar durch einen externen Fachmann.

Die Aufgabe, den Fachkräftemangel zu reduzieren, kann in ihrer Größe und Bedeutung für die Zukunft des Handwerks allgemein gar nicht überschätzt werden. »Das Handwerk braucht Fachkräfte«, sagte Hendrischke, zumal sich deren Fehlen nicht nur negativ auf Kunden auswirkt, die zeitliche Verzögerungen bei Handwerkerleistungen hinnehmen müssten, sondern auch auf den Großhandel, der die Handwerker mit Material beliefert und letztlich auch auf die Industrie, die diese Materialien herstellt, die am Ende der Kette beim Kunden verarbeitet werden. Die Sicherung des Fachkräftebedarfs ist laut Hendrischke also »eine ganz große Hausnummer im Handwerk«.

Um Lehrlinge für das Handwerk zu gewinnen, startet die Kreishandwerkerschaft Gießen deswegen mit den sogenannten »Azubi-Guides«. Junge Auszubildende oder Gesellen sollen in den Schulen für ihr Handwerk werben und so für eine »authentische Berufsorientierung« sorgen. FOTO :SEL

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