1. Gießener Allgemeine
  2. Kreis Gießen
  3. Heuchelheim

»Ein Systemwechsel wird nötig sein«

Erstellt: Aktualisiert:

Von: red Redaktion

Kommentare

Heuchelheim (pm). Das Heuchelheimer Energie-Effizienz-Forum (HENEF) hatte erstmals wieder zu einem Präsenz-Vortrag eingeladen. In seiner Einleitung ging Prof. Dr.-Ing. Stefan Lechner auf die in der Wissenschaft anerkannten Fakten ein, dass der Temperaturanstieg von mehr als einem Grad auf das menschliche Handeln zurückgehe. Das klinge erstmal nicht viel, sagten die rechnerischen Modelle jedoch einschneidende Konsequenzen voraus, wenn der Anstieg 1,5 bis zwei Grad erreiche.

Alleiniger Steuerungsfaktor des Klimas sei eine Null-Emission des Treibhausgases CO2 und deren Äquivalente. Die Bundesregierung habe sich darauf bis 2045 entschieden, und der Weg dahin werde fast ausschließlich über eine CO 2-Abgabe gesteuert, die derzeit bei 25 Euro pro Tonne liege und in fünf Jahren auf rund 60 Euro pro Tonne ansteige. »Es würde nicht verwundern, wenn erheblich höhere Werte aufgerufen werden«, so der Referent. 60 Euro pro Tonne führten bei 2000 Liter Heizöl (oder 27 000 Kilowattstunden Gas) zu einer Mehrbelastung von rund 350 Euro pro Jahr. Die Konsequenz von »Null-CO2« sei der Einstieg in eine regenerative Stromwirtschaft, in Wärmenetze für Gebäude, ergänzt durch Wärmepumpen-Lösungen sowie strombasierten Verkehr mit Batteriefahrzeugen und künstlichen Kraftstoffen. »Es reicht nicht, nur sparsamer zu werden, ein Systemwechsel wird notwendig sein«, betonte Lechner.

Kleinwindanlagen wenig sinnvoll

Den Strommarkt mit seinen Produktionsquellen könne man schon jetzt gut beobachten. Bei guten Bedingungen erreiche man einen regenerativen Anteil von über 50 Prozent, im schlechtesten Fall nur 25 Prozent. Folglich müsse der regenerative Strom mit Windkraft auf See und an Land sowie der Fotovoltaikanteil sehr kräftig ausgebaut, ja mehr als verdreifacht werden, so der Experte. Von Kleinwindanlagen rät er ab, ebenso von den momentan noch sinnvollen Blockheizkraftwerken, die aber in Zukunft zu teuer würden. »PV-Aufdachanlagen sind interessant für den Strom-Eigenverbrauch. Für Kleinanlagen ist die lästige Besteuerung entfallen. Wenn man sie mit Batteriespeicher kombiniert, ist die Rentabilität allerdings nahe Null« weiß der Wissenschaftler. Im Mobilitätssegment seien Benzin- und Diesel-Fahrzeuge zukünftig ein Auslaufmodell. Keine Vorteile sieht der Referent bei Hybridfahrzeugen: »Das sind nur sparsame Verbrenner.« Etwas besser seien Plug-In-Hybride, aber nur dann, wenn die tägliche Pendelstrecke elektrisch gefahren würde.

Auch interessant

Kommentare