Firmengründer Ludwig Rinn im Jahr 1954. ARCHIVFOTO: KULTURRING
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Firmengründer Ludwig Rinn im Jahr 1954. ARCHIVFOTO: KULTURRING

Edler Rauch aus Heuchelheim

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Heuchelheim(pm). Im Gießener Land hatte die Tabakindustrie einst eine große Bedeutung. Am 8. Juni 1895 gründete Ludwig Rinn unter dem Namen Rinn & Cloos einen Betrieb zur Herstellung von Zigarren. Teilhaber war Commerzienrat Heinrich Cloos, der jedoch keinerlei Einfluss auf die Leitung des Unternehmens nahm und bereits 1917 wieder ausschied.

Die offene Handelsgesellschaft wurde im Jahre 1920 in eine Familien-Aktiengesellschaft umgewandelt. Alle Aktien blieben im Familienbesitz. Ludwig Rinn, geboren am 17. März 1870, war der Sohn eines Heuchelheimer Landwirts und Holzhändlers. Das Zigarrenmachen hatte er bei der Firma Busch und Mylius gelernt, die sich 1877 in Heuchelheim niedergelassen hatte. 1899 übernahm Ludwig Rinn seinen Lehrbetrieb.

5000 Arbeiter

Erfolgte der Startschuss mit 60 Mitarbeitern, waren es 1927 bereits rund 3200. Verarbeitet wurden vornehmlich Sandblattdecken, die untersten Blätter der Tabakpflanze, die als Erste reifen und besonders gut im Geschmack und bekömmlich sind. 1907 kam eine Fabrik im thüringischen Treffurt dazu. Neben Zigarren wurden Zigarillos hergestellt. 1933 hatte die Firma in 43 Herstellungsbetrieben und fünf Sortierfabriken annähernd 5000 Arbeiter, ein Jahr drauf waren es 6000 Betriebsangehörige.

Anfangs wurden in erster Linie Männer beschäftigt, die später beim Bau weiterer Filialen in den Nachbardörfern als Aufseher eingesetzt wurden. Das änderte sich jedoch alsbald, nachdem die Verantwortlichen merkten, dass die Frauen für die Zigarrenproduktion mehr Fingerfertigkeit besaßen. Zudem arbeiteten sie oft in Heimarbeit.

Als der Zweite Weltkrieg zu Ende war, lag ein großer Teil von Rinns Lebenswerk in Trümmern. Neben einigen Filialfabriken wurde der Zentralbetrieb in Heuchelheim durch Fliegerangriffe im Dezember 1944 zu 80 Prozent zerstört. Zweigbetriebe in der Sowjetzone gingen verloren.

Unter der Leitung von Ludwig Rinn begann nach Kriegsende sofort der Wiederaufbau. Anfang der 1960er waren wieder mehrere Tausend Arbeitskräfte beschäftigt.

Ludwig Rinn wurde 1950 zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt. Die Universität Gießen, der er als Förderer und langjähriger Präsident der Hochschulgesellschaft stets verbunden war, berief ihn als höchste Auszeichnung zum Ehrensenator. Verdient gemacht hat er sich außerdem um den Bau der vereinseigenen Heuchelheimer Turnhalle. Ludwig Rinn starb am 30. Oktober 1958 im Alter von 88 Jahren.

Seine Nachfolger in der Geschäftsführung, sein Sohn Hans, und dessen Söhne fanden im Laufe der Zeit sehr viel schlechtere Bedingungen vor. Der Zigarrenkonsum war seit den 1960er Jahren einer ständigen Talfahrt ausgesetzt, die Zigarre kam aus der Mode.

1991 wurde das Heuchelheimer Unternehmen an die Dannemann-Gruppe verkauft. Diese fertigte noch bis Ende März 1993 in Heuchelheim Zigarren und verlegte danach die Produktion nach Treffurt an der Werra in Thüringen.

Zurück blieb das ausgedehnte Firmengelände mitten in Heuchelheim in der Ludwig-Rinn-Straße, das von den Firmenerben zunächst an zahlreiche Gewerbetreibende vermietet wurde.

Ganz ist die Zigarrentradition aus Heuchelheim nicht verschwunden: Ein Teil der ehemaligen Rinn & Cloos-Gebäude wird noch heute zur Produktion genutzt. Seit der Produktionseinstellung bei Rinn & Cloos war kein Jahr vergangen, als Steffen Rinn, der Sohn von Hans Rinn und Enkel des Firmengründers Ludwig Rinn, unter dem Namen "Don Stefano" 1994 Zigarren und Zigarillos herzustellen begann.

Das Geschäft hat sich gut entwickelt und Steffen Rinn, ehemals Vorstandsmitglied der Firma R&C, bietet wieder zahlreichen Arbeitnehmern Lohn und Brot. Bereits im Jahre 2001 konnte sich die neue Firma mit der Auszeichnung "Jahressieger der Europäischen Zigarren" schmücken. Mit dem Sohn von Steffen Rinn ist auch bereits die nächste Generation in die Geschäftsführung eingebunden.

Zudem hat das Heimatmuseum die Geschichte der Zigarrenproduktion in Heuchelheim dokumentiert.

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