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Wenn die Kinder groß sind, können sie von den Bäumen ernten, die sie heute pflanzen.

Die »Wildnis« nebenan

  • Rüdiger Soßdorf
    VonRüdiger Soßdorf
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Heuchelheim (so). »… dass sich meine Zehen den Arsch abgefroren haben«, kommentierte das junge Mädchen aus Heuchelheim die Frage, was denn blöd war an dem Vormittag. Und was war toll? »Alles!«, strahlte einer ihrer Klassenkameraden.

Grundschüler aus Heuchelheim und Kinzenbach waren dieser Tage in den Hardtgärten an der Gemeindegrenze zu Gießen aktiv. Ihr Projekt: Bäume zu pflanzen. Genauer gesagt: Obstbäume. Um mitzuhelfen, dass auf dem einstigen Bauschuttlager eines Heuchelheimer Unternehmens oberhalb des Steinbruchs wieder Äpfel und Birnen gedeihen sowie Zwetschgen und vielleicht auch Kastanien oder Walnüsse.

Angebote quasi vor der Haustür

Gemeinsam mit ihren Lehrerinnen waren in den vergangenen Wochen mehrere Klassen der Wilhelm-Leuschner-Schule auf dem Areal im Osten des Dorfes. Und genossen es sichtlich, dort zu arbeiten. Etwa auch beim Aufsetzen einer Trockenmauer zu helfen, die dann auf dem Areal Heimstatt zum Beispiel für Eidechsen sein kann.

Die IJB Gießen (gemeinnützige Gesellschaft für Integration, Jugend und Berufsbildung) betreut und bewirtschaftet das Gelände. Die aktuell gepflanzten Obstbaum-Hochstämme stammen aus der Baumschule Rinn. Teils werden die Bäume erworben, teils stiftet diese das Unternehmen. Rund 400 Walnussbäume sind auch selbst gezogen, sollen dort und andernorts für »blühende Landschaften« sorgen.

Projektpartner Waldakademie

Rund 70 verschiedene Möglichkeiten für Projekte werden in den Hardtgärten angeboten. Das Spektrum ist breit, reicht von der Arbeit mit Senioren oder Geflüchteten bis hin zu Erlebnistagen mit Kindern.

»Gemeinschaftlich leben, arbeiten und Spaß an der Natur haben«, beschreibt Jörg Schmidt das Konzept. Der Gründer und Geschäftsführer der »Waldakademie Hessen« setzt da auf breit angelegte Umweltbildung durch Naturschutz- und Mitmachprogramme sowie Fortbildungen rund um die Schulen, also für Schüler wie für Lehrer, unterbreitet zudem Angebote für Firmen, Azubis und andere Gruppen.

Projektpartner der Hardtgärten sind neben der Waldakademie viele andere: Beispielsweise die Lebenshilfe Gießen, die Gemeinwesenarbeit an der Margarethenhütte und am Eulenkopf, lokale Agendagruppen, der Imkerverein - und die direkte Nachbarschaft: Der Wohnpark alter Steinbruch. Immer wieder ertönt das Motto: »Wildnis wagen«. Und zwar quasi vor der Haustür.

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