Die Poststelle und der Vorwurf

  • Guido Tamme
    VonGuido Tamme
    schließen

Lebhaft ging es am vergangenen Dienstagvormittag in der Heuchelheimer Poststelle zu. Deren Leiterin bekam von mehreren Kunden und sogar bei einem Anruf aus der Gemeindeverwaltung den Vorwurf zu hören, bei ihr werde nicht ordentlich gearbeitet.

Was war geschehen? An diesem Tag stand in der GAZ auf der ersten Kreis-Seite der Bericht über eine einheimische Seniorin, die auf Betrüger hereingefallen war und so 149 Euro eingebüßt hatte. Diesen Betrag hatte die 75-Jährige bei der Poststelle in bar eingezahlt, um einen Nachnahme-Brief von der »Kasse Lotto Bremen« ausgehändigt zu bekommen. Dabei handelt es sich allerdings um eine Scheinfirma, die nur auf das Geld von Gutgläubigen aus ist.

In dem GAZ-Exklusivbeitrag stand ausdrücklich zu lesen, dass der Beschäftigte in der Heuchel-heimer Poststelle keinen Anlass zum Misstrauen sah. Denn dort werden regelmäßig und oft noch mit höheren Beträgen Bareinzahlungen für Nachnahmesendungen getätigt.

Die ältere Dame hatte am Schalter noch erklärt, dass sie sich an keine Bestellung erinnern könne. Daraufhin war ihr gesagt worden, dass sie die Annahme des Briefs verweigern könne. Doch die Kundin bestand auf der Bareinzahlung - und bekam einen Umschlag mit der freundlich formulierten Storno-Bestätigung für ihren gar nicht existenten Lotto-Dauerspielvertrag.

Aus Sicht der Poststellenleiterin ist also nichts schiefgelaufen: Es gab keinen Anhaltspunkt, die 75-Jährige vor Schaden bewahren zu können. Dass ihr und ihrem Kollegen trotzdem von Einheimischen angelastet wird, sie habe nicht aufgepasst, kann die gelernte Bürokauffrau nicht verstehen.

Die junge Frau ordnet das der Einfachheit halber als »Dorfklatsch« ein. Und da werden ja bekanntlich nicht nur Tatsachen verbreitet. ta

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare