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Am heutigen Mittag soll feststehen, wo die rund 150 Kinder der zerstörten "Rappelkiste" bis auf weiteres betreut werden.

Brennende Mülltonne war die Ursache

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"Totalschaden. Alles ist hin", sagt Bürgermeister Steinz. Doch nach dem ersten Schrecken angesichts der niedergebrannten Kita "Rappelkiste" ist man in Heuchelheim zur Arbeit übergegangen und organisiert für 150 Kinder eine neue Betreuung. Die Ermittler geben mehr Details zur Brandursache bekannt.

Zwei Schaukeln wiegen sich sanft im Wind, sie pendeln lautlos vor und zurück. Am Freitag noch ließen sich hier Kinder lachend und johlend anschubsen. Nun, zwei Tage nach dem verheerenden Feuer, herrscht Stille auf dem Gelände der Kita "Rappelkiste" in Heuchelheim. Bisweilen ist das Kratzen von Schaufeln zu hören, Ermittler kehren den Schutt des Brands vom Pfingstsonntag zusammen. Drei Meter hinter den Schaukeln bietet sich dem Betrachter indes ein Bild der Zerstörung unter rußschwarzem Gebälk.

Die Polizei ist inzwischen der Ursache des Feuers nähergekommen. Der Brandherd war demnach in einer Mülltonne. Das Feuer griff dann auf eine Sitzbank und schließlich auf das Gebäude der Kita über. Der Kindergarten brannte teilweise ab. Doch auch die Räume, die von Feuer oder Löschwasser verschont blieben, sind nicht mehr nutzbar. Rauch und Ruß haben sich überall niedergeschlagen. Da ist nichts mehr zu retten.

Bürgermeister Lars Burkhard Steinz spricht von einem "Totalschaden". Er appelliert an Eltern und auch Mitarbeiter, nicht zu versuchen, dort noch irgendetwas bergen zu wollen. Weil unter anderem durch verschmorte Kunststoffe alles mit Schadstoffen belastet ist. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Die Polizei beziffert den Sachschaden auf mehr als vier Millionen Euro.

Wie die Mülltonne in Brand geraten ist, kann die Polizei am Dienstag noch nicht sagen. Die Ermittler schließen Brandstiftung nicht aus. Möglicherweise brach das Feuer aber auch aus Nachlässigkeit aus. Am Dienstag machen jedenfalls Gerüchte die Runde, dass an der Kita gegrillt und die glimmende Kohle in die Tonne geworfen wurde. Das Gelände der Einrichtung ist an der Rückseite, von den Gärten her, frei zugänglich.

Am heutigen Mittwochmittag soll feststehen, wo die rund 150 Kinder in den sieben Gruppen der "Rappelkiste" bis auf weiteres untergebracht werden. So wie es aussieht, wird in den kommenden Wochen keine gemeinsame Betreuung möglich sein. Die Gruppen werden auf mehrere Standorte verteilt. Diskutiert werden die gemeindlichen Gebäude und Hallen und die alte Schule in Kinzenbach. Entschieden wird darüber gemeinsam mit der Kita-Fachaufsicht beim Landkreis. Die Eltern werden heute Abend um 18 Uhr in der Verwaltung am Linnpfad informiert.

Was sich bei all dem Unglück auch festhalten lässt: Die "Rappelkiste" erfährt eine Welle der Hilfsbereitschaft - von den Bürgern, aber auch Heuchelheimer Unternehmen und Nachbarkommunen haben ihre Unterstützung angeboten. Wenn die Raumfrage geklärt ist, sagt Bürgermeister Steinz, werde man auf die befreundeten Gemeinden zugehen, um Ausstattung auszuleihen. Steinz sagt, er sei froh und dankbar, dass das Miteinander so gut funktioniert.

Menschentrauben bilden sich am Dienstag vor der Kita, die Anteilnahme ist groß. Georg Bode, ein Anwohner, rätselt darüber, wie das Feuer ausbrechen konnte. "An einem Feiertag sind hier sehr viele Spaziergänger unterwegs", die Kita habe kaum unbeobachtet sein können. Seine Frau blickt unterdessen auf die Trümmer. "Da kommen einem fast die Tränen", sagt sie. "Unser Sohn hat den Kindergarten vor 24 Jahren besucht."

Polizei sucht Zeugen

Im angrenzenden Kindergarten "Sonnenhaus", der von dem Brand nicht betroffen war, herrscht der alltägliche Betrieb. Esther Boucsein holt am frühen Nachmittag ihre Tochter ab. "Da fehlen einem die Worte", sagt sie, als sie zu den Trümmern hinüberblickt. "Ich denke an die Gemälde und Basteleien, die durch das Feuer zerstört worden sind. Das ist für die Kinder das Schlimmste." Gleichzeitig verlieren die Kinder vertraute Räumlichkeiten. "Das war für die Mädchen und Jungen eine zweite Heimat."

Hanne Briegel zupft währenddessen in ihrem Kleingarten, der direkt gegenüber der Ruine liegt, Unkraut und schüttelt den Kopf. "Die werden die Kita schon wieder aufbauen", sagt sie. "Aber was passiert jetzt mit den Kindern?" Zumindest in diesem Punkt wird heute nun Gewissheit einkehren.

Die Polizei sucht Zeugen: Wem sind am Sonntag gegen 15.40 Uhr Personen im Bereich der Kita aufgefallen? Hinweise unter der Rufnummer 06 41/ 70 06 25 55.

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