Von Ängsten, Avancen und Attacken mit dem Messer

  • Rüdiger Soßdorf
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Heuchelheim/Gießen(so). Insgesamt sieben Zeugen hatte Richterin Regine Enders-Kunze ins Landgericht gebeten, um zu erhellen, was Mitte März in Heuchelheim geschehen ist: Warum hat ein junger Familienvater mit Nachbarn Dissonanzen gehabt? Warum war der Syrer vor Ladenöffnung in den nahegelegenen Aldi eingedrungen? Und vor allem: Warum hat er mit einem Messer auf seine Frau eingestochen ? Sie hatte sich lebensgefährlich verletzt in einen Imbiss in der Nähe gerettet. Der Mann hatte sich danach mit seinen drei kleinen Kindern in der gemeinsamen Wohnung in der Rodheimer Straße verschanzt.

Erst ein Sondereinsatzkommando der Polizei beendete am Abend des 17. März die dramatische Situation. Die Beamten stürmten die Wohnung und nahmen den Mann fest. Die Kinder blieben körperlich unversehrt.

Ein Nachbar aus dem gleichen Wohn- und Geschäftshaus berichtete von Reibereien: Der junge Vater aus der Wohnung nebenan habe sich mehrfach beschwert, dass es ihm zu laut sei. Man habe aber versucht, dies friedlich beizulegen. Konflikte soll es auch gegeben haben, weil jener Nachbar angeblich die Frau des nun beschuldigten Syrers angeschaut habe. Andererseits stand auch im Raum, ob der Syrer seinerseits einer jungen Frau aus der Nachbarsfamilie Avancen gemacht habe - oder sie ihm? Beide Versionen wurden dargelegt. Was nun war, blieb offen. Fakt ist, dass die Polizei wegen Ruhestörung hinzugezogen wurde, um die Situation zu befrieden. Fakt ist auch, dass der junge Mann in den Tagen vor der dramatischen Tat dreimal in ein psychiatrisches Krankenhaus in Gießen gebracht wurde; sowohl von der Polizei als auch von einem Freund. Doch eine freiwillige stationäre Aufnahme lehnte er ab.

Polizisten im Zeugenstand schilderten den jungen Vater als teils aggressiv, teils sehr still. Andere Zeugen sprachen von einem verwirrten Eindruck. Bereits am zweiten Verhandlungstag war vor Gericht erörtert worden, dass der Mann vielfach von Ängsten gesprochen hatte. Die Menschen in seiner Umgebung wollten ihm etwas antun. Auch vor dem Arzt in der Psychiatrie hatte er Angst, lehnte angebotene Medikamente ab.

Der Beschuldigte vernahm diese Aussagen vor Gericht zumeist regungslos: Erst als ein Freund als Zeuge den Saal betrat, lebte er sichtlich auf.

Seit der Tat ist er in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Ein Arzt im Zeugenstand berichtete von der Behandlung. Er sagte aber auch, dass der junge Mann sehr einsilbig sei. Von Ängsten und vermeintlichen Bedrohungen, von den Dissonanzen mit den Nachbarn habe er nichts erzählt. Sehr wohl aber mache er sich große Sorgen um seine Frau und seine Kinder. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

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