Auftritte - wie hier 2016 beim Generationen-Café - sind derzeit für die Nachwuchsensembles nicht möglich. Geprobt wird via Internet. 		ARCHIVFOTOS. SRS/VK
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Auftritte - wie hier 2016 beim Generationen-Café - sind derzeit für die Nachwuchsensembles nicht möglich. Geprobt wird via Internet. ARCHIVFOTOS. SRS/VK

Von Abgesang weit entfernt

  • vonPatrick Dehnhardt
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Aufgrund der Pandemie und nicht zuletzt des Lockdowns sind viele Chöre seit Monaten verstummt. Anders bei der Liederbrücke Heuchelheim. Im Gegenteil: Das Ensemble freut sich derzeit sogar über Zuwachs.

Als die Heuchelheimer Gesangvereine am 24. November 1989 ihre Nachwuchsarbeit in einem gemeinsamen Kinder- und Jugendchor zusammenführten, war das große Ziel, den Sängernachwuchs zu fördern. Derzeit können aufgrund von Covid-19 viele Chöre seit Monaten nicht proben, andere haben seit Beginn der Pandemie ihren Betrieb eingestellt. Da dürfte das Bild bei der Nachwuchsarbeit doch erst recht düster aussehen...

Zumindest bei der Heuchel-heimer Liederbrücke und ihren drei Nachwuchsensembles ist man von Frustration weit entfernt. Chorleiter Andreas Stein will nichts beschönigen: Die »Minis« haben zum letzten Mal im vergangenen März geprobt, seitdem war für die jüngste Gruppe kein Angebot mehr möglich. Was ihn positiv für einen Neustart irgendwann stimmt: »Viele fragen ihre Eltern regelmäßig, wann es wieder stattfindet.« Zudem rosten die jüngsten Sänger nicht so schnell ein wie Erwachsene. »Die wollen einfach gerne singen«, sagt Stein. Ein paar Kinder werde man vermutlich verlieren, jedoch sich auch gleichzeitig bemühen, neue Sänger zu finden. »Das wird Arbeit.«

Etwas besser sieht die Lage bereits bei den Maxis aus. Dort singen die Kinder zwischen der dritten Klasse und dem 14. Lebensjahr. Mit den knapp 15 Nachwuchssängern konnten den Sommer über bis in den Oktober hinein Proben unter freiem Himmel stattfinden. »Draußen singen ist allerdings immer schwer«, sagt der Chorleiter. Zum einen ist da der Hygieneabstand einzuhalten, der beim Singen noch einmal deutlich größer als in nor- malen Alltagsbegegnungen ist. Zum anderen ist die Akustik schlechter. »Manche haben eine kräftige, andere eine zarte Stimme, da hört man dann nicht unbedingt alles«, sagt Stein.

Jedoch gehe es derzeit sowieso nicht um sängerische Höchstleistungen - zumal es keine Auftritte vor Publikum gibt. »Das Gemeinschaftsgefühl ist viel wichtiger.« Zudem könne man jetzt neue Lieder einstudieren, »sodass das Ganze nicht stehen bleibt«.

Beim Jugendchor der Liederbrücke ist die Entwicklung gänzlich gegen den Trend: Er ist in der Pandemiezeit sogar gewachsen. Im Sommer wurde ebenfalls draußen geprobt, mit den kälteren Tagen dann auf Online-Proben umgestellt. Und just die wurden zum Renner. »Es kamen junge Frauen dazu, die vorher nicht dabei waren«, berichtet Stein. Einige waren vor Jahren Mitglied in der Liederbrücke, sind dann aber aufgrund von Studium und Beruf weggezogen und mussten ihren Engagement aufgeben. Als sie von den Proben via Internet hörten, wollten sie nun wieder mitmachen.

Ende des vergangenen Jahres hatte der Chorleiter ein besonderes Projekt vorbereitet: Er hatte Weihnachtslieder für einzelne Stimmen mit dem Klavier eingespielt, diese Aufnahmen dann den entsprechenden Stimmen zugesandt. »Sie haben sich die Audiospur auf den Kopfhörer gelegt und das Lied ins Handy eingesungen.« Aus diesen Aufnahmen schnitt Stein einen Chor- gesang zusammen, unterlegte ihn mit Bass, Schlagzeug und Trompete.

»Das klingt überraschend gut«, war die Reaktion des Jugendchors. Stein sieht darin auch ein Stück bleibende Erinnerung: »Dass sind Sachen, die man sich in 20 Jahren nochmal anhört und dann denkt: Ach, das war damals in den Corona-Jahren.«

Das Mischen sei zwar viel Arbeit gewesen, die Online-Proben in der Vorbereitung intensiv. »Ich werde aber so weitermachen«, sagt Stein. Er will das Projekt nun ausbauen, ein Online-Jugendchorprojekt auf den Weg bringen. Aktuelle Stücke und populäre Songs sollen dabei gemeinsam gesungen werden. Die Proben finden mittwochs von 18.15 bis 19.30 Uhr statt, mitmachen können alle zwischen 14 und 25 Jahren, die Spaß am Singen haben. Anmeldung unter Tel. 01 76/20 54 87 22 (auch WhatsApp und SMS) sowie via E-Mail an ashes4711@aol.com.

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