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Förster Jacob Thomaka wird sich nun auch um diese Fläche im Bereich »Hoher Berg« (Großen-Buseck) kümmern müssen.

Hessen Forst verteidigt Fällungen

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Bei einem Ortstermin im Busecker Gemeindewald sind Bürgermeister Dirk Haas und Forstamtsleiter Ralf Jäkel kürzlich Gerüchten entgegengetreten, im Wald werde Kahlschlag betrieben. Einschläge seien teils nicht vermeidbar. Zugleich stellte sich der neue Revierförster Jacob Thomaka vor - auf ihn wartet viel Arbeit.

Wer kürzlich im Großen-Busecker Wald nahe »Steins Hütte« unterwegs war, dem dürften am Wegesrand lagernde Baumstämme aufgefallen sein - und vielleicht auch die einen Steinwurf entfernte kahl erscheinende Fläche nahe des »Kimmel-Turms«. Was hat es damit auf sich?

Gerüchten, die unter anderem bei Facebook kursierten, trat en Bürgermeister Dirk Haas und Ralf Jäkel, kommissarischer Leiter des Forstamts Wettenberg, bei einem Pressetermin vor Ort vor einigen Tagen entschieden entgegen: Keineswegs habe man hier einfach »Bäume niedergemacht«, wie teils behauptet worden sei, betonte Haas.

Stattdessen zeige sich an dieser Stelle der teils besorgniserregende Zustand des Waldes. Unter anderem bereiteten die Buchen Probleme, sagte Jäkel. »Die Blätter werden kleiner, die Kronen bilden sich zurück.« Auch böten von »Sonnenbrand« befallene Bäume »Eintrittspforten« für Pilze und Schadinsekten. »Der Klimawandel vor der Haustür wird hier deutlich«, erläuterte der Forstamtsleiter.

Für die Fällungen habe einerseits die Pflicht zur Verkehrssicherung den Ausschlag gegeben: »Die Sicherheit der Waldbesucher hat Vorrang«. Daher, so Jäkel, würden schadhafte Bäume an Wegen, Bebauungsrändern oder auch Grillplätzen herausgenommen. Jäkel weiter: »Als zweites haben wir den Ehrgeiz, das Holz einer Vermarktung zuzuführen« - wobei man aufgrund der Situation auf dem Holzmarkt »weit weg von hohen Einnahmen« sei. Wenngleich die Polder am Wegesrand für Laien wie einwandfreies Holz erscheinen mögen, sei dies bei genauer Betrachtung oft nicht der Fall. Mitunter sei ein Teil der Stämme noch in gutem Zustand - und werde dann getrennt gelagert. Die schadhaften, etwa von Pilzen befallenen Teile der Bäumen seien dagegen teils nicht einmal als Brennholz wirklich geeignet, kämen aber zum Beispiel für die Produktion von Toilettenpapier infrage.

Mit Blick auf Kritik, man solle erkrankten Bäumen statt Fällung mehr Zeit geben, sich zu erholen, betonte Jäkel: »Wir haben abgewartet.« Man greife auf forstwissenschaftliche Erkenntnisse zurück, jeder Baum werde einzeln und »mit Augenmaß« bewertet - doch in etlichen Fällen sei der Einschlag unausweichlich, etwa bei Befall durch den Buchen-Borkenkäfer: »Wenn der Buchenschleimfluss eingesetzt hat, wissen wir, dass dieser Baum in wenigen Wochen tot ist.« Nicht zuletzt diene der gezielte Einschlag absterbender Bäume auch einem Generationenwandel, also der Verjüngung des Waldes. Denn so könnten nachwachsende Bäume Raum erhalten, sich zu entfalten. Dies zeige sich nun etwa auf der kahl erscheinenden Fläche im Bereich »Hoher Berg« nahe des »Kimmel-Turms«. Für die »klimastabile Wiederbewaldung« würden auch gezielt Baumarten gepflanzt, die sich an veränderte Bedingungen gut anpassen können, erläuterte Jäkel.

An Arbeit mangelt es im Gemeindewald aktuell also sicher nicht. Die Herausforderungen sind vielfältig, und sie werden den Arbeitsalltag von Jacob Thomaka in den kommenden Jahren maßgeblich prägen: Der 24-Jährige ist seit November neuer Förster für das Revier Alten-Buseck - und nahm beim Ortstermin die Gelegenheit wahr, sich der Presse vorzustellen.

Thomaka ist für den Busecker Gemeindewald (knapp 1000 Hektar) sowie ferner den Staufenberger Stadtwald zuständig. »Man sagt, dass es zwei Jahre dauert, bis man sich in ein Revier richtig eingearbeitet hat«, sagte der neue Förster bei dem Termin - der Anfang sei schwierig. Doch er sei von seinem kommissarischen Vorgänger und den Forstarbeitern im Revier gut vorbereitet und eingearbeitet worden. Aktuell gibt es laut Thomaka rund 60 Hektar an Freiflächen im Gemeindewald, auch deren Aufforstung ist ein Thema. Sein Fazit: »Es gibt viel zu tun.«

Bürgermeister Haas zeigte sich beim Ortstermin froh darüber, dass Hessen Forst die Försterstelle »kurzfristig besetzen konnte«. Schon seit Jahren gebe es große Probleme im Wald, die ohne eine langfristige Stellenbesetzung schwer zu bewältigen seien. Noch vor knapp einem Jahr hatte Haas gemeinsam mit seinen Amtskollegen in Staufenberg und Lollar einen Vorstoß unternommen, um sich aus der Vertragsbindung mit Hessen Forst zu lösen. Die Umsetzung scheiterte. Nun habe sich das Thema »zum Guten gefügt«, versicherte Haas.

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