"Herzlichen Glückwunsch, Harbach"

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Grünberg (tb). CDU-Fraktionschefin Birgit Otto nannte als Beispiel die Spiegel über den Waschbecken: Je kleiner die ausfielen, desto günstiger komme eine Ersatzbeschaffung. Im Appell an alle Beteiligten, noch das kleinste Einsparpotenzial zu nutzen, war sie sich mit allen Kolleginnen und Kollegen des Grünberger Stadtparlamentes einig. Und nicht nur darin: Am Ende machte das Plenum einstimmig den Weg frei für den Neubau des Bürgerhauses Harbach.

Und das, obwohl dafür zuvor eine Mehrausgabe von 1,5 Millionen Euro zu bewilligen war, die Kosten jetzt 3,5 Millionen Euro betragen sollen (die GAZ berichtete). Stadtverordnetenvorsteher Karlheinz Erdmann an die Adresse der Zuhörer aus dem westlichsten "Vorposten" Grünbergs: "Herzlichen Glückwunsch, Harbach!"

Die 3,5 Millionen für das Bürgerhaus, die 1,5 Millionen Euro Mehrkosten im Vergleich zum Architektenwettbewerb vor drei Jahren - "das ist schon ein dicker Brocken", räumte Otto doch ein. Dennoch sei auch ihre Fraktion froh, dass das von den Harbachern langersehnte Projekt endlich auf dem Weg sei. Aber nochmals, und im Blick auf die 69 000 Euro, die zusätzlich für die Ausstattung gebraucht würden, mahnte sie zu strengsten Sparanstrengungen.

Erinnerungen an Michael Ende

An die "Unendliche Geschichte" Michael Endes fühlte sich Jürgen Schmidt (SPD) erinnert, die doch auch hier zum guten Schluss gelange. Freilich ignoriere seine Fraktion nicht die Kostenexplosion: Hätte man schon 2017 die aktuelle Berechnung auf dem Tisch gehabt, "ich hätte meine Zweifel, dass es heute zu dieser Abstimmung gekommen wäre". Auch dem Ältestenrat sei schließlich die Luft weggeblieben, als er erfahren habe, dass die beim Architektenwettbewerb kommunizierte grobe Kostenschätzung am Ende so was von überholt war. Neben den bekannten Ursachen - ob nun Preissteigerungen im Baugewerbe oder neu hinzugekommene Positionen wie Abriss- oder Gründungskosten - bat er eines doch zu beachten: "Das ist nun mal ein Entwurfs-DGH". Womit Schmidt die Entscheidung für und das sehr ansprechende Ergebnis des Architektenwettbewerbs ansprach. "Es sollte ja was sein, keine Halle. Am Ende können wir stolz darauf sein."

Fabian Schück (FW) erinnerte an den Anfang der "unendlichen Geschichte", an die seit vielen Jahren beklagten Mängel des Harbacher Bürgerhauses: zu klein, nicht barrierefrei (Saal im Obergeschoss), zu wenige Parkplätze, ungünstiger Standort mitten im Dorf ("ab 22 Uhr Zimmerlautstärke!"). Er verwies auch auf den hohen Bedarf, die tägliche Nutzung, den Zwang einiger Gruppen, auf andere Dörfer auszuweichen.

Sicher, die 3,5 Millionen bereiteten schon ein schlechtes Gewissen. Jedoch, was den enormen Preisanstieg betrifft, dafür könne keiner was. "Mal abgesehen von der EZB". Nicht vergessen aber sollte man, dass es 2016 die Hessenkasse noch nicht gab. Mit den daraus entnommenen 1,5 Millionen bleibe es beim Eigenanteil von zwei Millionen Euro. Am Ende gab der Harbacher dem Plenum die Garantie, man werde ganz genau auf die Kosten achten. Der Ortsbeirat mit Ortsvorsteher Oliver Schäfer an der Spitze habe dafür bereits die ersten Beweise erbracht und bereits erste fünfstellige Einsparungen erzielt.

Auch wenn die FDP für den Nachschlag stimmte, deren Sprecher Jürgen Trüller rügte doch "große Defizite im Projektmanagement". Schon gar wenn es zutreffen sollte, dass das Architekturbüro nichts vom ursprünglichen Kostenrahmen in Höhe von zwei Millionen gewusst habe. Als einen "allzu sorglosen Umgang mit Steuergeldern" erachtete er überdies die Aussage, wonach Grünberg ja dank der Hessenkasse weiter mit zwei Millionen Euro belastet werde.

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