Letzter Arbeitstag: Horst Balser geht in den Ruhestand. FOTO: IK
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Letzter Arbeitstag: Horst Balser geht in den Ruhestand. FOTO: IK

Herr über 2200 Wasseruhren

  • Gabriele Krämer
    vonGabriele Krämer
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In ganz Fernwald ist er der sprichwörtlich bekannte "bunte Hund". Eigentlich bekam es jeder Haushalt irgendwann mit ihm zu tun: Nach 46 Dienstjahren in der Gemeindeverwaltung Fernwald geht der Albacher Horst Balser nun in den Ruhestand.

Rund zwei Jahre seiner Dienstzeit wirkte er im Einwohnermeldeamt, doch seine eigentliche Leidenschaft waren nach eigenem Bekunden die Liegenschaften: Vorrangig zuständig für Wasser- und Abwassergebühren, könnte man Horst Balser mit Fug und Recht als einstigen "Herr über 2200 Wasseruhren" bezeichnen.

Zweifellos hatten sich alle Beteiligten die kleine Verabschiedungsrunde bei Häppchen und einem Glas Sekt am Montagmittag in der Gemeindeverwaltung in Steinbach etwas anders vorgestellt. Doch jenseits des Corona-Krisenmanagements fand Bürgermeister Stefan Bechthold dann doch noch die Zeit, den altgedienten Mitarbeiter Horst Balser persönlich in den Ruhestand zu verabschieden.

Der Albacher hatte am 1. Juli 1974 mit seiner Ausbildung begonnen, in der Folge die Prüfung zum Mittleren Dienst absolviert und sich zwischenzeitlich auch bis zum Abteilungsleiter hochgearbeitet. Der heute 62-Jährige ist einer der wenigen Mitarbeiter in der Gemeindeverwaltung Fernwald, der dort unter insgesamt drei Bürgermeistern gearbeitet hat. "Du bist länger hier, als einige unserer aktuellen Mitarbeiter überhaupt auf der Welt sind", schmunzelte Beate Gronefeld, die Grüße und ein Geschenk des Personalrates überbrachte.

Eine der langjährigen Wegbegleiterinnen in Balsers Arbeitsleben ist Ellen Starke, die Sekretärin des Bürgermeisters. Sie konnte dann auch zum Abschied das ein oder andere Tränchen der Rührung nicht unterdrücken: Die Kollegialität untereinander sei ihnen stets wichtig gewesen - "auch wenn wir uns so manches Mal gekabbelt haben."

"Ein ganzes Buch" könne er sicherlich über seine einerseits alltäglichen, andererseits aber manchmal auch kuriosen Begegnungen schreiben, mutmaßte Balser, um sich dann aber sogleich vielsagend lächelnd in den Mantel des vornehmen Schweigens zu hüllen. Der persönliche Kontakt zu den Bürgern (und Gebührenzahlern) sei nicht hoch genug zu bewerten, pflichtete ihm auch der Bürgermeister bei. "Früher stand der Bürger an erster Stelle, heute ist das alles viel technischer geworden", resümierte der künftige (Un-)Ruheständler, der nach Resturlaub- und Überstunden-Abfeiern offiziell am 1. Juli sein Rentnerdasein antritt.

Man kennt Horst Balser in Albach, Annerod und Steinbach - und auch seinen speziellen Humor: "Ich hab’ immer zu den Leuten gesagt: ›Wenn was ist, dann rufen sie an - aber bitte nicht mich!‹" gab er in der kleinen Abschiedsrunde zum Besten. Und auch mit seiner Aussage "Es muss nicht viel Rente sein, aber lange..." hatte er die Lacher auf seiner Seite. Auch von Bettina Grodd, die sich in den vergangenen Monaten in das Balser’sche Aufgabengebiet eingearbeitet hat und ihm im Falle möglicher Rückfragen versicherte: "Ab nächsten Montag steht die Standleitung zu dir!" Der Pensionär in spe nahm die besten Wünsche seiner Nachfolgerin ebenso an wie jene von Schwerbehindertenvertreter Norbert Wiegand.

Für seinen neuen Lebensabschnitt hat Horst Balser ("verheiratet, eine Tochter, ein Enkelkind") relativ genaue Vorstellungen. Gemeinsam mit Ehefrau Silke wird er ausgiebig frühstücken und dabei ausführlich "seine" Gießener Allgemeine Zeitung lesen.

Zeitvertreib gibt es reichlich. Nicht nur daheim in Haus und Garten, sondern auch bei den "Montagsmalern" und den "Alten Herren" des FSV Fernwald. Und natürlich in Steinwurfnähe zu seinem bisherigen Arbeitsplatz: auf dem Platz der Boule-Freunde Fernwald, die der 62-Jährige einst mit aus der Taufe gehoben hat.

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