Frank Balsers Spielezimmer: etwa 2100 Spiele und 900 Erweiterungen besitzt der 48-Jährige mittlerweile. FOTO: LKL
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Frank Balsers Spielezimmer: etwa 2100 Spiele und 900 Erweiterungen besitzt der 48-Jährige mittlerweile. FOTO: LKL

Der Herr der Spiele

  • vonLena Karber
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Angefangen hat alles in den 1990er Jahren mit "Die Siedler von Catan". Mittlerweile besitzt Frank Balser aus Pohlheim mehr als 2000 Spiele - Erweiterungen nicht mitgerechnet. Doch was macht den Reiz von Brettspielen aus? Und welche Spiele kann der 48-Jährige empfehlen?

Wenn Frank Balser spielt, will er gewinnen. Dabei ist das Mittel seiner Wahl häufig die "Jammertaktik": Gegenüber seinen Mitspielern stellt der 48-Jährige seine Ausgangslage bewusst schlechter dar als sie in Wahrheit ist. "Jeder hat so seine Art und Weise, wie er spielt", sagt der Brettspiel-Fan aus Watzenborn und lacht. "Und ich kann mich eben sehr gut schlecht präsenteren."

Das Miteinander und die Kommunikation sind es, die Balser an seinem Hobby faszinieren. "Das Interessanteste ist die Interaktion mit den Leuten", betont er. Fragen wie: Gelingt es vorherzusehen, was passieren wird? Und wie erreicht er, dass Mitspieler in seinem Sinne handeln? "Die letzte Frage ist ein Punkt, der mich sehr reizt."

Ein klassisches Beispiel für ein solches Spiel ist "Die Siedler von Catan", das 1996 erschien und bei dem die Teilnehmer untereinander handeln können. Catan, wie das Spiel mittlerweile heißt, gilt nach Monopoly als die erfolgreichste Bettspielmarke überhaupt. "Aber wenn man ehrlich ist, ist Monopoly kein gutes Spiel", sagt Balser. Wenn man Geld habe, kaufe man das Grundstück, sonst kaufe man es nicht. Viel Zufall, wenig Entscheidungen - bis in die 1990er war das laut Balser auf dem Spiele-Markt fast immer so. "Catan geht einen Schritt weiter", sagt der 48-Jährige. Das Spiel markierte einen Wendepunkt auf dem Spielemarkt und wurde für ihn und für viele andere zum Eingangstor in die Welt der Brettspiele. Mittlerweile besitzt Balser etwa 2100 Spiele und 900 Erweiterungen.

Zudem ist Balser Vorsitzender des Spieleclubs Gießen, der eine Datenbank führt und regelmäßig zu Spieletreffen zusammenkommt. Dabei geht es um das gemeinsame Spielen, aber auch um den Austausch und das Kennenlernen anderer Spiele, die man nicht selbst besitzt. "Jedes Jahr erscheinen 800 bis 1300 neue Spiele, bei den meisten liegt die Auflage bei nur etwa 5000 bis 10000 Stück", erklärt Balser. Da könne man nicht alle Spiele kaufen, sondern müsse Prioritäten setzen.

In Balsers Fall sind die Prioriäten vielschichtig: Nicht alle Spiele in den Regalen seines Spielezimmers, die mittlerweile mehrreihig eingeräumt sind, hat er sich wegen des spielerischen Mehrwerts gekauft - schließlich ist er auch Sammler. Als Spieler hat er jedoch eine Vorliebe für Worker-Placement-Spiele. Das ist ein Spielmechanismus, bei dem die Teilnehmer durch das Platzieren von Spielfiguren Aktionen auswählen. Dabei darf es nach Balsers Geschmack gerne auch etwas komplexer zugehen - und im Idealfall spielt das Ganze an einem Science-Ficton-Schauplatz. Wikinger mag er hingegen weniger. Und auch die meisten Party-Spiele sorgen bei ihm für wenig Erheiterung. "Da gehe ich in die Küche und kümmere mich um das Abendessen."

Trotz der großen Auswahl auf dem Spiele-Markt zählt Catan nach wie vor zu Balsers absoluten Favoriten. "Das sollte meiner Meinung nach jeder zu Hause haben", betont er. Doch auch Carcassonne, Dominion, Ganz schön clever und Der Kartograph kann Balser allen, die auf der Suche nach guten Spielen sind, empfehlen. Hinzu kommen kooperative Spiele wie Die Crew, Swich & Signal und die derzeit sehr bliebten Exit-Spiele, die in der Regel nur einmal gespielt werden können, nach Meinung von Balser jedoch alle sehr gut sind. "Da fühlt man sich wirklich wie im Escape Room."

In Zeiten der Pandemie haben sich Brettspiele als krisenfestes Hobby bewiesen. Große Treffen seien zwar nicht möglich, sagt Balser, doch für viele Spiele gibt es Solo-Varianten. Hier habe sich der Markt in den vergangenen Monaten verändert.

Zum Teil haben die Firmen Varianten online zur Verfügung gestellt, zum Teil wurden Spiele für eine geringe Teilnehmerzahl konzipiert. Balser selbst spielt nun häufiger im Familienkreis. Denn seine Frau, seine Tochter und deren Freund haben ebenfalls eine Vorliebe für Brettspiele. "Sonst würde das nicht gut gehen", sagt Balser uns lacht.

Als Sammler und Familienvater kennt sich Balser auch mit Kinderspielen aus und hat den ein oder anderen Tipp für das Christkind oder den Weihnachtsmann auf Lager: Funkelschatz, Go Geck Go, Dodo, Die Schule der magischen Tiere, Honeycombs und Können Schweine fliegen? gehören dazu. Bei letzterem Spiel könne man auch als Erwachsener noch was lernen, erzählt er. "Aber generell finde ich, dass Spiele nicht immer pädagogisch sein müssen."

Grundsätzlich empfiehlt Balser, dass die Erwachsenen mit den Kindern gemeinsam spielen. Denn gerade das Miteinander sei ein wesentlicher Unterschied zur Konsole. Besonders gut klappt das bei Kooperationsspielen. "Die sind bei Kindern natürlich gut, weil der Frustfaktor nicht so hoch ist", erklärt Balser.

Das klingt als wüsste der 48-Jährige genau wovon er spricht. Ist er etwa ein schlechter Verlierer? Balser zögert. "Naja, ich mache hinterher nicht das Spiel kaputt oder so", sagt er und lacht. "Ich kann schon eingestehen, wenn ich verloren habe. Aber das Ziel ist es natürlich nicht."

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