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»Wunder gibt es immer wieder«: »Erna & Die Berts« alias (v. l.) Robert Haberditzl, Robert Kraft, Anja Naumann, Sandro Schwertfeger jr., Frank Jöckel und Uli Haensse sind heiß auf deutschen Schlager.

»Hello again«

  • Gabriele Krämer
    VonGabriele Krämer
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Sie brennen für Schlager. Ihre Fangemeinde ist gierig danach: Die Tickets zum Konzert von »Erna & Die Berts« am Freitagabend auf dem Schiffenberg sind längst vergriffen. Für die sechs Hobbymusiker aus dem Gießener Land kommt dieser Auftritt einem Befreiungsschlag gleich.

Es ist ein bisschen wie damals nach den großen Ferien: Man hat sich viel zu erzählen, die Worte sprudeln wie ein Wasserfall, und irgendwie lässt es sich quasi aus dem Stand heraus gemeinsam so weitermachen, als hätte man sich gestern noch gesehen. Für sechs glühende Verfechter des deutschen Schlagers der Sechziger und Siebziger liegen allerdings mittlerweile knapp 18 Monate zwischen ihrem letzten Auftritt und ihrer ersten Band-Probe »nach Corona«.

Als sich »Erna & Die Berts« an einem lauen Sommerabend in einer Hofreite mitten in Watzenborn-Steinberg nun endlich wieder als Kapelle (auf den Begriff legen sie besonderen Wert) formieren, scheint nach wenigen Minuten alles wie von selbst zu laufen. »Hello again«, Howard Carpendales Top-Ten-Schlager aus den Siebzigern, haben sie bewusst als Auftakt für ihren lang herbei gesehnten Auftritt gewählt.

Am kommenden Freitag um 20 Uhr eröffnen »Erna« und Co. den »Musikalischen Sommer« auf dem Hausberg der Gießener. Dies sei für sie alle eine ganz besondere Ehre, wie die sechs Akteure übereinstimmend versichern. »Wir dachten schon, dieser Konzertsommer fällt komplett aus«, sagt Bandgründer und »dienstältester Bert« Frank Jöckel (Großen-Linden/Keyboards) erleichtert.

»Ich hatte seit anderthalb Jahren kein Mikrofon mehr in der Hand«, gesteht Frontfrau Anja »Erna« Naumann (Annerod) in einer Probenpause. Na und? Gelernt ist gelernt. Übermorgen wird sie mit »Sing-Bert« und Moderator Roger Haberditzl (Steinbach) ganz vorne auf der Bühne stehen. Die Duette der beiden dürften diesmal aber ungewohnt kühl ausfallen.

»1,5 Meter Abstand« gilt auf dem Schiffenberg nicht nur für das Publikum im eigens vor der Bühne abgegrenzten und bestuhlten Areal. Auch die Akteure in den quietschbunten Outfits unter den bunten Lichtstrahlern müssen sich daran halten. Dabei können sie ganz anders. Im »normalen Leben« sind sie als Angestellte, Lehrer, Krankenpfleger oder Werbegestalter unterwegs. »Privat« haben sie sich dem Gros der Schlagerhits verschrieben, die den Deutschen seit Dieter Thomas Hecks ZDF-Hitparade ins kollektive Gedächtnis eingebrannt sind. Die haben sie aus dem Effeff drauf. »Hier wird alles im Originalarrangement gespielt. Wir könnten leicht Bata Illic live begleiten«, frotzelt »Bass-Bert« Robert Kraft (Hüttenberg).

Wer »Erna & Die Berts« etwa bei den »Golden Oldies« in Wettenberg und dem Gießener Stadtfest erlebt oder ihren Auftritt bei der Landesgartenschau in Gießen verfolgt hat, zitiert bisweilen Schiller: »Wehe, wenn sie losgelassen.« Bei allen Auftritten seit Gründung der Kapelle vor zwölf Jahren ging es stets hoch her.

Schlagzeuger Sandro Schwertfeger jr. (Watzenborn-Steinberg) weiß, dass auf das »Erna«-Publikum (»von 8 bis 88«) Verlass ist: »Das ist textsicher. Und die wollen alle mitmachen.« Schwierig wird das allerdings, wenn einem fröhlichen Treiben »in front of stage« ein behördlich verordneter Riegel vorgeschoben wird. Das eigens zum »Musikalischen Sommer« eingerichtete Areal im Bühnenbereich wird nach den gültigen Abstandsregeln maximal 200 Besucher fassen. Da die online buchbaren Gratis-Tickets alle längst vergriffen sind, ist im weitläufigen Areal mit Zaungästen in Gestalt von Rad- und Wanderausflüglern sowie Besuchern der Gastronomie zu rechnen. »Hauptsache, es geht wieder was«, sagt Gitarrist Uli Haensse (Garbenteich); man lasse die Dinge eben auf sich zukommen. »Erna« setzt dabei ganz auf den »Sing-Bert«: »Unser Roger wird am Freitag so was wie ’nen Sitz-Foxtrott erfinden.« Bei aller Bühnenroutine kann Anja Naumann ein gewisses Lampenfieber im Hinblick auf die sprichwörtlich anderen Umstände dieser Konzertreihe nicht verhehlen. »Das ist wie beim ersten Kind.«

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