Von Hallelujah bis Helene

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Nicole Trunt hat es sich in einer Bäckerei in Großen-Linden gemütlich gemacht. Während sie ihren Kaffee trinkt, ertönt aus den Lautsprechern Popmusik. Dann klirrt es, eine Tasse ist zu Boden gefallen. Nicht weiter schlimm, schließlich bringen Scherben Glück. Sagt zumindest der Volksmund. So wie er auch sagt: Die Hochzeit ist der schönste Tag im Leben. Auch Trunt schwärmt davon, wie sich zwei Menschen das Jawort geben, sich entscheiden, für immer zusammenbleiben zu wollen. "Es ist ein sehr romantisches Ereignis", sagt die 33-Jährige und greift zum Kaffeebecher. Dabei fällt auf: Sie trägt keinen Ehering. Trunt ist nicht verheiratet – und trotzdem weiß sie über Hochzeiten mehr als manche Braut.

Nicole Trunt hat es sich in einer Bäckerei in Großen-Linden gemütlich gemacht. Während sie ihren Kaffee trinkt, ertönt aus den Lautsprechern Popmusik. Dann klirrt es, eine Tasse ist zu Boden gefallen. Nicht weiter schlimm, schließlich bringen Scherben Glück. Sagt zumindest der Volksmund. So wie er auch sagt: Die Hochzeit ist der schönste Tag im Leben. Auch Trunt schwärmt davon, wie sich zwei Menschen das Jawort geben, sich entscheiden, für immer zusammenbleiben zu wollen. "Es ist ein sehr romantisches Ereignis", sagt die 33-Jährige und greift zum Kaffeebecher. Dabei fällt auf: Sie trägt keinen Ehering. Trunt ist nicht verheiratet – und trotzdem weiß sie über Hochzeiten mehr als manche Braut.

Die Leihgesternerin ist eine gut gebuchte Hochzeitssängerin. Ihr Arrangement reicht von "Hallelujah" über "All you need is love" bis hin zum besonders passenden "Sag einfach Ja" von Tim Bendzko. Brautpaare buchen sie für Auftritte in der Kirche, Ständchen beim Sektempfang sowie zur Dinnerbegleitung und abendlichen Tanzmusik. Sie mache das gerne, betont Trunt. Sie sagt aber auch: "Eigentlich ist das Singen auf Hochzeiten aus der Not heraus geboren." Anders gesagt: Das Trällern bei der Trauung ist die Folge eines geplatzten Traums.

Musik sei schon immer ein großer Bestandteil ihres Lebens gewesen, sagt Trunt. "Ich habe bereits als Achtjährige gesungen. Später habe ich viel ausprobiert, zum Beispiel Pop- und Discomusik. Ich hatte auch mehrere Projekte und Bands." 2012 sollte er dann kommen, der ganz große Durchbruch. Trunt nahm eine eigene CD auf. "Mystic Pop", wie sie sagt, "das Album war auch gar nicht so schlecht." Aber auch nicht gut genug. Trunt musste sich eingestehen, dass es mit der Karriere als Popstar wohl nichts wird. Eine bittere Erkenntnis, wie sie sagt. "Die Enttäuschung war sehr groß. Ich wollte es unbedingt."

Um sich über Wasser zu halten, ging Trunt auf eine Hochzeitsmesse – und fand ihr Glück auf den kleinen Bühnen des Landes. Innerhalb von fünf Jahren hat sie es zu einer gefragten Hochzeitssängerin gebracht. Wie häufig sie schon bei Vermählungen gesungen habe, könne sie gar nicht mehr sagen, einige seien ihr aber ganz besonders in Erinnerung geblieben. "Einmal hat die Braut in der Kirche einen solchen Lachanfall bekommen, dass sie das Gelübde nicht mehr aufsagen konnte." Auch von den unzähligen Spielen gebe es eins, das sie noch heute zum lachen bringe. Nur so viel: Zwei Gummipuppen spielten dabei die Hauptrollen. Ohnmachtsanfälle oder gar ein Nein vorm Altar habe sie – toi, toi, toi – aber noch nie erlebt.

Doch so schön Hochzeiten auch sind, für Trunt bleiben sie Arbeit. Besonders die abendliche Tanzmusik sei sehr kräftezehrend. Kein Wunder, schließlich soll es vorkommen, dass auf Hochzeiten das eine oder andere Glas Alkohol getrunken wird. Und wenn dann zum achten Mal Helene Fischers "Atemlos" gefordert wird, kann eine ambitionierte Sängerin schon mal verzweifeln. "Wobei man ›Atemlos‹ auch in einer schönen Variante singen kann", sagt Trunt und stimmt "Land of Dreams" von Rosanne Cash an. Ein schönes Lied. Ob es nachts um halb zwei Helene Fischer ausstechen kann, ist eine andere Frage. "Irgendwann macht es dann auch keinen Unterschied mehr, ob die Musik live gesungen wird oder aus der Dose kommt", sagt Trunt. Inzwischen habe sie die nächtliche Partymusik aber auch weitgehend aufgegeben. Das liege weniger an Helene Fischer, sondern vielmehr an einem dreieinhalbjährigen Jungen. "Mein Sohn will ja auch etwas von seiner Mama haben."

Und das ist auch ein Grund, warum Trunt mit der ursprünglichen Notlösung Hochzeitssingen so glücklich geworden ist. "Ich muss nicht jede Anfrage annehmen, kann mir die Termine aussuchen. Dadurch habe ich mehr Zeit für mich und meinen Sohn." Und für eigene Pläne. Ob sie schon weiß, wie ihre eigene Hochzeit mal aussehen wird? Trunt muss grinsen. "Ja. An einer Klippe in Irland mit weißem Kleid und Bändern im Haar, die im Wind wehen. Es soll etwas ganz besonderes werden." Oder um es mit einem Klassiker aus Trunts Hochzeitsrepertoire zu sagen: "One Moment in Time." (Foto. pm)

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