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Heißes Eisen im Feuer

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Wer ein neues Hufeisen für sein Pferd oder ein Wagenrad mit Metallreifen brauchte, der war einst auf die Dienste des Schmieds angewiesen. Hans-Gerhard Stahl zeichnet in der neuen Broschüre des Heimat- und Geschichtsvereins die Geschichte der Dorfschmiede in Oberkleen nach.

Während derzeit überall die Winterreifen auf die Autos aufgezogen werden, musste früher der Reiter mit seinem Ross regelmäßig zum Schmied, um neue Eisen zu bekommen. "Als Kinder durften wir beim Beschlagen zuschauen", erinnert sich Hans-Gerhard Stahl. "Den Geruch des verbrannten Hufes habe ich heute noch in der Nase."

Aus seinen Erinnerungen und intensiver Recherche ist die neueste Publikation des Heimat- und Geschichtsvereins Oberkleen hervorgegangen: "Die Dorfschmiede - Drei Generationen Schmiedemeister in Oberkleen".

Prägend für das Schmiedehandwerk im Dorf war die Familie Schnorr. Der Rechtenbacher Anton Schnorr heiratete im Dezember 1867 Charlotte Wilhelm aus Oberkleen. In der Marienbergstraße befand sich seine Schmiede. Die drei Söhne Carl, Wilhelm und Heinrich erlernten das Handwerk des Vaters. Carl heiratete nach Herbornseelbach, arbeitete dort als Schmied. Die beiden anderen Söhne blieben im Dorf.

Sohn Wilhelm Schnorr richtete seine Schmiede im Stammhaus in der Marienbergstraße ein. Auch Enkel Wilhelm Schnorr II. war als Schmied tätig.

Drei Generationen Schmiede

Stahl beschreibt in seinem Buch, welcher Aufwand für das Bereifen eines Wagenrades notwendig war. "Um den Eisenreifen auf das Rad aufzuziehen, benötigte es viel Erfahrung." Der Reifen wurde nur zum Teil im Feuer der Esse erhitzt. Der Schmied musste die genaue "Aufschrumpftemperatur" finden. Denn nur bei dieser ließ sich der Reifen optimal auf das Rad ziehen.

Die Schmiede von Heinrich Schnorr befand sich im heutigen Banngartenweg/Ecke Hauptstraße. Davon zeugt noch heute der Hausname "Schmiddhoinerichs". Schwiegersohn Albert Glaum und dessen Sohn Heinz führten die Handwerkstradition fort. Heinz Glaum siedelte schließlich 1969 an die Pfingstweide aus, errichtete eine Halle an der Kreisstraße nach Ebersgöns. Dort stellte die Firma Glaum Bauelemente und Metallbaufenster und -türen her.

Erwin Glaum hat die Genealogie der Familie Schnorr zu der 40-seitigen Broschüre beigetragen, Stahl die Texte geschrieben. Zudem enthält sie eine Reihe von Bildern, die Stahl Anfang der 1970er Jahre in der alten Dorfschmiede von Wilhelm Schnorr II. aufgenommen hatte.

Die neue Broschüre über die Dorfschmiede erscheint im Jubiläumsjahr des Heimat- und Geschichtsvereins Oberkleen. Vor zehn Jahren gegründet, sollte der Geburtstag eigentlich im Sommer beim Dorffest-Sonntag gefeiert werden. Aufgrund von Covid-19 fiel die Feier aus. Neben der Broschüre erschien erstmals die Vereinszeitung "Klee-Blatt", zudem wurde die Broschüre "Altes Rathaus Oberkleen" fertiggestellt.

Die neuen Schriften zur Dorfschmiede und dem Rathaus kosten jeweils 15 Euro, für Vereinsmitglieder die Hälfte. Sie können sowohl bei Dr. Kurt Hanika (Telefon 0 64 47/68 13) und Hans-Gerhard Stahl (Telefon 0 64 47/88 051), als auch über die Internetseite www.stahl-hg.de/ Publikationen/Weitere bestellt werden.

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