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Probebestuhlung im Busecker Schlosspark: Trauungen in einer solchen Naturkulisse sind eine sinnvolle Alternative in dieser Zeit.

Heiraten in der Pandemie

  • vonSiglinde Wagner
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Die Zurückhaltung ist groß: In Buseck haben in diesem Jahr erst neun Paare den Bund fürs Leben geschlossen - allerdings liegen 66 Reservierungen vor. Das besondere Ambiente übt magnetische Wirkung aus.

Heiraten in der Pandemie. Wer traut sich das? Vielmehr, wer lässt sich noch trauen in einer Zeit, in der weder eine große Feier, noch ein Junggesellenabschied und eine Hochzeitsreise möglich ist? Nicht ohne Grund hat sich diese Zeitung nach den neuesten Zahlen beim Standesamt in Buseck erkundigt.

Dort werden seit 2014 Trauungen im romantischen Ambiente des Schlossparks zwischen prachtvollen Bäumen und historischem Gemäuer zelebriert. Ein Angebot unter freiem Himmel, das unter Einhaltung aller Abstands- und Hygieneregeln eine Trauung mit weit mehr Gästen ermöglicht, als dies zum Beispiel in der Traukapelle des Schlosses erlaubt wäre. Heiraten in Buseck ist schon seit vielen Jahren sehr beliebt - und das auch bei Paaren, die nicht in der Gemeinde wohnen. Die stilvolle Traukapelle und die einmalige Kulisse, die der Park mit den Mammutbäumen zum Fotografieren bietet, locken die Trauwilligen an ihrem großen Tag hierher.

Spitzenjahre waren 2018 und 2019 mit 141 bzw. 146 Eheschließungen. Noch 2020 gaben sich 116 Paare vor einem der vier Busecker Standesbeamten oder -beamtinnen das Jawort. “Nur wenige haben den vorgemerkten Termin im ersten Pandemiejahr abgesagt oder das Aufgebot zurückgezogen„, berichtet Alexander Rigelhof. Durchaus verständlich, wenn die Vorfreude groß und die Planungen schon weit fortgeschritten sind. Dann wollen die Paare lieber eingeschränkt als überhaupt nicht heiraten. Dies natürlich auch im Hinblick auf die bereits schon erworbene festliche Kleidung.

Im laufenden Jahr ist die Zurückhaltung groß. Erst neun Paare haben bislang den Bund fürs Leben geschlossen, 66 Reservierungen liegen vor.

Die erste Parktrauung fand im Juni 2014 statt. Seitdem wünschten sich 82 Paare eine Trauung im Grünen. Nur vier davon wechselten wetterbedingt in die Traukapelle. Das sind nicht einmal fünf Prozent. Eine Zahl, die Mut macht, dieses gegen eine Gebühr für das Bereitstellen des notwendigen Equipments unterbreitete Angebot gerade jetzt in Erwägung zu ziehen.

Rückblende: Die Trauung im Schlosspark wurde erst durch einen Beschluss des Gemeindevorstandes vom 31. März 2014 offiziell möglich. Dies hielt Ernst-Ludwig Müller (ehemals Leiter der Haupt- und Finanzabteilung, seit 2009 Pensionär) jedoch nicht davon ab, bereits im Frühjahr 1990 dem Wunsch des damaligen Revierförsters Paul Esch und seiner Frau Andrea nach einer Trauung im Park zu entsprechen. “Dies brachte mir einen deftigen Rüffel ein„, erinnert sich Müller. Der Sachgebietsleiter der Standesamtsaufsicht im Landratsamt Gießen hatte aus der Zeitung von der Eheschließung an einem Samstag unter freiem Himmel erfahren. Berichtet wurde über die große Festgesellschaft im Sattel, den geschmückten Pferdewagen und die Foxhound-Hessenmeute. Die Trauung von “ELu„ Müller in Frack und Zylinder, an einem schwarzen Lesepult vollzogen, musikalisch umrahmt vom Jagdhornbläsercorps Hessen-Kassel - das war ein prächtiges Schauspiel, das allen gefiel. Nur allerdings dem Sachgebietsleiter nicht.

Dieser wies die Gemeinde darauf hin, dass Eheschließungen gemäß den Bestimmungen grundsätzlich während der Dienstzeiten und in den Räumen des Standesamtes vorzunehmen seien (in Ausnahmen beispielsweise am Krankenbett). Die Ehe solle “in würdiger Form geschlossen und nicht als Eheschließungsschau umfunktioniert„ werden, hieß es in dem Schreiben. Ein “derartiger Schaueffekt unter freiem Himmel„ wurde untersagt und überdies angemerkt: “… oder soll vielleicht die nächste Eheschließung in einem Festzelt stattfinden?„

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