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Der neue Wohnmobilstellplatz in Rodheim-Bieber am Familienbad wird von Bürgermeisterin Patricia Ortmann getestet. Das passende Fahrzeug hat der Biebertaler Wohnmobilspezialist Sven Gaidies beigesteuert.

Ein Hauch von Freiheit

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Camper schwärmen vom "Jedermannsrecht" in Skandinavien - von der Freiheit, mit dem Wohnmobil an einem idyllischen Waldrand oder mit Blick auf einen See zu rasten. In Deutschland geht das nicht so einfach. Wenigstens einen Hauch von Freiheit samt günstigem Service vermitteln Wohn- mobilstellplätze. Wie sieht es im Kreis Gießen aus?

Wohnmobilisten schätzen es sehr, neben dem häufig nicht ganz billigen Campingplatz offizielle Stellplätze nutzen zu können. Durchreisenden bieten solche Stellplätze ein, zwei Tage Quartier, sind gegebenenfalls Ausgangspunkt für Ausflüge, einen Stadtbummel oder eine spätere Wiederkehr, bestenfalls nicht nur für eine Nacht. Von daher: Das Schaffen der entsprechenden Infrastruktur liegt im Interesse der Touristiker, auch im Gießener Land.

Moderne Wohnmobile sind weitgehend autark: Heizung, Herd und Kühlschrank laufen mit Gas. Strom kommt aus der zweiten Bordbatterie oder aus eigenen Solarpanels. Doch sind damit allein die benötigten Kilowattstunden nicht zu erzeugen, auch ist ab und an der Abwassertank zu leeren.

Also braucht der Wohnmobilist Stellplätze mit der passenden Infrastruktur. Als da wären: eine 220-Volt-Ladesäule, eine Zapfstelle für Frischwasser und ein Entsorgungsschacht für Schmutzwasser. Dazu eine ebene, befestigte Fläche für den ganzjährigen Betrieb - das reicht.

Vor wenigen Tagen hat Biebertal einen Stellplatz für vier bis fünf Wohnmobile eingerichtet. Der Platz ist attraktiv, ermöglicht er doch, die Infrastruktur des Hallenbads gleich nebenan zu nutzen: Frischwasser zu holen, zu schwimmen, zu saunieren, zu duschen oder die Sanitäreinrichtungen zur Verfügung zu haben. Auch eine Gastronomie gibt es und ganz in der Nähe eine Bäckerei.

Der Stellplatz kostet nichts, für den Strom ist ein Euro für zwei Kilowattstunden zu berappen. In Bälde soll noch eine Infotafel aufgestellt werden, mit Hinweisen auf Gaststätten, Wander- und Freizeittipps oder etwa den lokalen Wohnmobilservice Gaidies.

Laubacher streiten um Standort

Der Biebertaler Stellplatz ist der jüngste im Landkreis. Die ältesten Plätze gibt es seit den 90ern in Lich. "Der Standort am Bürgerpark hat sich bewährt, ist gut besucht", sagt Bürgermeister Bernd Klein. Freilich ohne genaue Zahlen nennen zu können. In Lich besteht eine komplette Ent- und Versorgungsmöglichkeit. Einen Platz gleicher Güte gibt es in Muschenheim an der Sporthalle.

Am Parkplatz des Inheidener Sees sind sechs Stellplätze vorhanden. Ebenfalls mit den Basics Strom, Wasser/Abwasser. Auch Allendorf/Lumda bietet drei Plätze für Wohnmobile, am Rathaus, aber ohne Infrastruktur.

Dass Wohnmobilstellplätze durchaus ein Argument für Touristiker sind, zeigt auch ein Blick auf eine bundesweite Statistik. Die Zahl der Wohnmobile nimmt in Deutschland stetig zu. Im vergangenen Jahr etwa stieg sie um knapp 46 000 auf 532 687.

Auch in Grünberg hat man das Potenzial erkannt, seit 15 Jahren gibt es dort "autarke Stellplätze". In der Gerichtstraße ist dafür eine 150 Quadratmeter große Fläche ausgewiesen. "In der Saison", schätzt die städtische Tourismusbeauftragte Johanna Lang, "wird der Platz oft von zwei bis drei Durchreisenden gleichzeitig genutzt." Aber selbst im Winter, freilich in geringerer Zahl, werde das Areal von Wohnmobilsten aufgesucht.

Mit genauen Zahlen kann auch Lang nicht dienen, eine Statistik wird nicht erstellt. Wie auch? Einziger Anhaltspunkt könnte die Stromtankstelle sein, die vor vier Jahren zum Preis von rund 5000 Euro erneuert wurde. Eine Kilowattstunde kostet 50 Cent, nur sind die Verbräuche eben unterschiedlich. Der gleichen Obolus wird für den Abwasserschacht verlangt. Die Nutzung des Platzes selbst ist kostenlos, sollte sich aber auf zwei Tage beschränken. So steht es auf einer Tafel, die auf die Sehenswürdigkeiten und Freizeitangebote aufmerksam macht. Darunter der Campingplatz mit dem Freibad nebenan, wo es auch Flächen für Wohnmobile gibt - doch die sind kostenpflichtig.

Ein Wohnmobilstellplatz plus Infrastruktur ist in Laubach schon lange geplant. Erste Ausschussberatungen fanden 2018 statt, im Haushalt finden sich auch 50 000 Euro dafür. Eine Entscheidung aber lässt auf sich warten. Nächsten Monat nun ist ein Termin anberaumt, um den von der Verwaltung favorisierten Standort am Bahnhof im Bürgelweg wie auch den Betrieb durch den privaten Caravanpark Laubach festzuzurren.

Eine Voraussetzung dafür aber ist das Votum des Stadtparlaments: In der September-Sitzung steht ein SPD-Antrag auf der Tagesordnung, den Platz eben nicht an der ehemaligen Güterzugverladerampe einzurichten. Begründung: zu viel Verkehr im Bürgelweg, daher ungeeignet für ruhesuchende Touristen. Besser und zentraler sei der Festplatz auf der "Helle". Abgelehnt wird auch eine Fremdvergabe an privat, da dann eine kostenfreie Nutzung passé wäre. Für Durchreisende steht in Laubach daher bis dato nur der Caravanpark, idyllisch am Waldrand gelegen, zur Verfügung. Freilich ist auch der nicht gratis.

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