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Zum Abschluss des Abends spielen M.O.R.Z.E. aus Allendorf/Lumda auf.

Harter Rock und eine Feuertonne

  • VonVolker Heller
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Nach zwei Jahren Zwangspause haben die Papalala-Organisatoren am Wochenende einen Ableger des Festivals auf die Beine gestellt. Bestes Open-Air-Wetter belohnte das Risiko der Macher.

Die Durststrecke war lang: Zuletzt lief im September 2019 ein reguläres Papalala-Benefiz-Festival in der Treiser Sport- und Kulturhalle. Monate später kam die Kulturszene zum Erliegen. Die Gründe sind bekannt. Nun, nach zwei Jahren, stieg wieder zumindest ein Ableger des Festivals am vergangenen Wochenende.

Für ambitionierte Konzertmacher wie Dirk Wallenfels und sein Team bedeutete die Zwangspause Stillstand. Sie litten mit, hauten dieses Frühjahr dann ungeduldig auf den Tisch und organisierten das Festival »Treis Open Air«. Auf dem Festplatz vor der Sport- und Kulturhalle spielten nun Toccata, die Band des Treiser Schlagzeugers Niklas Gans, M.O.R.Z.E. aus Allendorf/Lumda, die Sängerin Emily und Rockzone aus Staufenberg und Lollar.

Bestes Open-Air Sommerwetter belohnte das Risiko der Macher. Eingelassen wurden nur Geimpfte, Genesene und Getestete.

Gleichzeitig kam selbst der Benefiz-Charakter nicht zu kurz. Am Eingang sowie an der Theke standen je eine Spendenbox, deren Inhalte den Flutopfern in der Eifel zugeführt werden soll.

Hinzu kam außerdem ein dreistelliger Geldbetrag mit ungewöhnlicher Vorgeschichte. Die leicht verzwickte Episode um eine dunkelblaue Feuertonne spielte sich Samstagabend gegen 22 Uhr ab. Dazu aber später.

Auslöser war jedenfalls Papalala-Fan und Dirk Wallenfels’ »Wacken«-Kumpel Timo Seum aus Hungen-Villingen. Auch RockZone war darin verwickelt. Überhaupt: Drei Jungs im Teenager-Alter bringen, addiert man deren Lebensalter, zusammen gerade so viele Jahre auf die Bühne wie ein einziger gestandener Rockstar im besten Alter. Und doch sind Oskar, Ruben und Arian aus dem westlichen Lumdatal momentan schon richtige Rampensäue.

Erlös geht an Flutoper in der Eifel

Ihre Band nennen sie »RockZone«. Im April hatten sie es beim Talent-Wettbewerb »Voice Kids« des TV-Senders Sat.1 bis ins Finale geschafft. Die Papalala-Macher kündigten RockZone als »die jungen Helden« an. Auf jeden Fall war zahlreiches Publikum erschienen. Die alten und oft noch jüngeren Fans hatten natürlich auch viele Mamas und Papas mitgeschleift.

Zu den Eltern zählte auch Julia Bornbaum aus Treis, die Mutter von Oskar, dem RockZone-Sänger. Diese wurde am späten Abend gegen 22 Uhr hellhörig. Da wurde nämlich Seums blaue Feuertonne für den guten Zweck versteigert.

Wallenfels’ Kumpel hatte in die Außenhülle der Tonne die Namen der drei Bands und den Schriftzug »Papalala« mitsamt Logo und einer stilisierten E-Gitarre eingebrannt. Ein passender Aufsatz mit runder weißer Platte macht die Tonne stehtischtauglich.

Bei 222 Euro fiel der Versteigerungshammer und machte Christine Martin aus dem unterfränkischen Münnerstadt glücklich. Die Strafverteidigerin und Mitinhaberin einer Weinstube wollte die Tonne unbedingt haben - aufgrund eines Benefizkonzerts, das die Musiker von RockZone im Juli dieses Jahres gegeben hatten. Bei einem Brand im Tierheim Münnerstadt waren kürzlich 49 Katzen gestorben. Der Wiederaufbau kostet Geld. Oskar, Ruben und Arian rockten für den guten Zwecke daher am 24. Juli im Münnerstädter Schlosshof ab. Weil Martin, die Höchstbietende, nun glücklich, Bornbaum hingegen etwas traurig zurück blieb, einigten sich beide Frauen auf originelle Art und Weise; Seums dunkelblaue Feuertonne soll künftig immer dort vor Ort verbleiben, wo Rockzone gerade gastiert.

Apropos Flutopfer: Der Papalala-Vorstand will sich in der Eifel nach einer besonders bedürftigen Familie erkundigen und den Gesamtbetrag aus Spenden und Versteigerung persönlich dort vorbei bringen.

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