Das Handwerk, hier ein Zimmermannsgeselle bei der Arbeit, beklagt hohe Umsatzverluste aufgrund der Corona-Krise und hofft auf Hilfspakete der Regierung. SYMBOLFOTO: DPA
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Das Handwerk, hier ein Zimmermannsgeselle bei der Arbeit, beklagt hohe Umsatzverluste aufgrund der Corona-Krise und hofft auf Hilfspakete der Regierung. SYMBOLFOTO: DPA

Handwerk fest im Griff der Epidemie

  • vonred Redaktion
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Gießen(pm). Die Corona-Epidemie hat auch das Handwerk im Kreis Gießen fest im Griff. Viele Betriebe verzeichneten nie dagewesene Umsatzeinbußen mit teilweise schwerwiegenden Folgen für die Liquidität der Unternehmen und deren Beschäftigten, beklagt der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Gießen, Björn Hendrischke.

Vielfach keine Kundenkontakt

Zwar dürfen Handwerker weiter ihre Leistungen erbringen, doch müssen auch sie öffentlich zugängliche Laden- und Ausstellungsräume fürs Publikum schließen. Besonders hart betroffen sind Autohäuser: Zwar dürfen Werkstätten geöffnet bleiben, der stationäre Kfz-Handel aber wurde für den üblichen Kundenverkehr untersagt. Obermeister Carsten Müller: "Die Auswirkungen sind katastrophal. Fahrzeuge, die auf den Höfen stehen, binden extrem viel Kapital und begrenzen natürlich erheblich die Liquidität."

Aber auch in anderen Gewerken verschieben Auftraggeber aus Angst vor Ansteckung bereits erteilte Aufträge oder nehmen von Bau- und Umbaumaßnahmen Abstand. Natürlich habe man wir für die Sorgen der Kunden Verständnis, nehme die Empfehlungen der Bundesregierung sehr ernst, heißt es weiter in der Mitteilung. Doch habe das Handwerk in vielen Gewerken den Vorteil, nicht zwingend mit dem Kunden in Kontakt treten zu müssen. Zudem könne man viele Arbeiten im Freien oder in geschlossenen Räumen ausführen, die nicht zum unmittelbaren Wohnbereich gehören, appelliert Kreishandwerksmeister Kay Achim Becker an die Bevölkerung. Umgekehrt seien die Betriebe zum Schutz ihrer Mitarbeiter auf entsprechende Informationen angewiesen, sofern in den Haushalten der Auftraggeber der Verdacht oder gar eine bestätigte Infizierung besteht. Bei unaufschiebbaren Noteinsätzen bzw. Reparaturen könnten in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt besondere Schutz- und Hygienemaßnahmen getroffen werden.

Um die über 10 000 Kollegen in den Mitgliedsbetrieben vor betriebsbedingten Kündigungen zu schützen, fordert wiederum Hendrischke fürs Kurzarbeitergeld ein unbürokratisches Antragsverfahren, damit die dringend benötigten Mittel möglichst schnell bei notleidenden Betrieben ankommen. Mit der Agentur für Arbeit in Gießen versuche man interessengerechte Lösungen für die zu finden. Die seien zeitnah auch für die selbstständigen Inhaber der Handwerksbetriebe zu finden. Viele seien bereits in ihrer Existenz bedroht, hätten nur noch finanzielle Rücklagen für ein bis zwei Monate.

Hilfe dringend nötig

"Möchten wir verhindern, dass an sich gesunde Unternehmen durch krisenbedingte Liquiditäts- und Kapazitätsprobleme in die Insolvenz geraten und Arbeitsplätze gefährdet werden, benötigen wir ein umfassendes Hilfspaket mit Liquiditätshilfen, Bürgschaften und Steuerstundungen", weist Kreishandwerksmeister Becker auf die prekäre Lage seiner Betriebe hin. Doch zeigt er sich auch optimistisch: "Wir müssen Anfang dieser Woche schauen, welche konkreten Hilfsmaßnahmen Bund und Land verabschieden. Die Ankündigungen der Politik lassen einiges erwarten. Sie sind zwingend erforderlich, um die drohenden existenziellen Folgen für Klein- und Kleinstunternehmen abzufedern, damit ihr Fortbestand gesichert werden kann."

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