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Von Hamsterkäufen, Vollkornnudeln und Pinguinfütterungen

  • vonred Redaktion
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Es ist DAS Thema dieser Tage - Corona wirft nach wie vor viele Fragen auf und beflügelt die Fantasie. Was kommt denn noch alles? Desperados? Und was ist mit chinesiscbem Bier? Oder italienischem? Sind Tsingtao oder Moretti noch sicher? Es soll den einen oder anderen gegeben haben, der Sixpacks von Licher gehamstert hat…

Überhaupt die Hamsterkäufe. Sie machen eigentlich Sinn: Wenn du 14 Tage in häuslicher Quarantäne bleiben musst, dann hast du wenigstens ein Tierchen, mit dem du dir die Langeweile vertreiben kannst... Dieser Joke kursiert seit wenigstens einer Woche in den sozialen Medien. Ein weiterer Blick in Facebook fördert eine Perle der Dichtkunst zutage:

Von drauß vom Aldi komm ich her, ich muss euch sagen, die Regale sind leer! Überall auf den Kanten und Spitzen, da sah ich kleine Coronaviren sitzen. Und droben aus dem Himmelstor, sah mit großen Augen Jens Spahn hervor. Und wie ich so strolcht durch den finstern Gang, da rief’s mich mit heller Stimme an: "Gesunder Mensch", rief es, "alter Gesell, hebe die Beine und spute dich schnell! Die Viren fangen zu wirken an, das Himmelstor ist aufgetan…".

Herrlich, nicht wahr? Dazu passt die frustrierte Kundin in der Apotheke, die angesichts des ausverkauften Mundschutzes voller Entsetzen die arme Verkäufern anschnauzte: "Sie sind schuld, wenn ich sterbe!"

Da könnte geistlicher Beistand vonnöten sein. Ein Seelsorger thematisierte es dieser Tage im Gottesdienst. Die erste Corona-Erkrankung habe ihn beschäftigt, bekannte der junge Geistliche. Er habe sich "nackt" gefühlt, so wie Adam und Eva nach dem Sündenfall, hilflos und unvorbereitet. Sein Rat: Auf Gott zu vertrauen.

Noch mehr Menschen scheinen derweil auf Aldi, Lidl, Edeka, Rewe und Co. zu bauen. Es erstaunt schon, nach was sie zuerst greifen: Nudeln, H-Milch, Kartoffeln, Dosen-Ravioli, Mehl, Zucker - und Klopapier.

Warum aber, und diese Frage hat ein Kollege völlig zu Recht aufgeworfen, warum sind bei den Hamsterkäufen die Dinkel-Vollkorn-Nudeln im Regal liegen geblieben? Ist die Not doch nicht so groß, als dass man sich in der heimischen Quarantäne gesund ernähren möchte?!

Zu schaffen macht Corona derweil der Gastronomie und Freizeiteinrichtungen, wie ein anderer Kollege beobachten konnte: In seinem Stammlokal sind mittwochabends normalerweise alle Tische besetzt. Doch diese Woche sind um 19.30 Uhr nur rund 20 Gäste gekommen, bis um 21 Uhr werden es vielleicht zehn mehr. Etliche Tische bleiben frei.

Ortswechsel: Wer einmal den Frankfurter Zoo für sich allein haben will, der hat derzeit gute Karten. Am Donnerstag sind dort kaum Besucher unterwegs. Selbst bei der Pinguinfütterung - ein Zuschauermagnet - sind deutlich mehr Pinguine als Besucher anwesend. Die größte Menschenansammlung ist ein Junggesellenabschied, der in Tierkostümen gewandet an einer Führung teilnimmt. Vielleicht 15 Leute. Ansonsten sieht man beim Gang über das Gelände teils eine halbe Stunde lang außer Tierpflegern keine Menschenseele. Virus-Phobiker aufgemerkt: Es gibt überall auf dem Gelände Toiletten mit Waschbecken und Seife.

Übrigens: Dass den Menschen einmal mehr geraten werden muss, sich nach dem Toilettengang die Hände zu waschen, das lässt schon tief blicken.

Mehr zu Corona auf Seite 35.

so/pad/FOTOS: LUN, DPA

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