Badespaß im Hallenbad Lich - ein Archivbild aus Zeiten, als Corona nur der Name eines Bieres war. ARCHIVFOTO: PAD
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Badespaß im Hallenbad Lich - ein Archivbild aus Zeiten, als Corona nur der Name eines Bieres war. ARCHIVFOTO: PAD

Hallenbäder in gutem Zustand

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Mit dem Herbst beginnt die Zeit der Hallenbäder. Das Hüttenberger Bad bleibt allerdings wegen Einsturzgefahr gesperrt. Wie ist der Zustand der Hallenbäder im Landkreis Gießen? Und was müssen die Kommunen pro Jahr in den Badespaß investieren?

Durch warmes Wasser dahingleiten, während draußen die Schneeflocken tanzen - dieses wunderschöne Gefühl ermöglichen Hallenbäder. Wenn sie nicht gerade aufgrund einer Pandemie geschlossen sind. Doch nicht nur Erholungssuchende, sondern auch viele Sportgruppen nutzen die Badeeinrichtungen für ihre Angebote - vom Schwimmunterricht über den Rettungsschwimmerkurs bis zur Aquafitness.

Die Hüttenberger werden in diesem Jahr auf die Möglichkeit verzichten müssen, im eigenen Ort schwimmen zu gehen: Das aus Brettschichtholzbindern bestehende Dach des Hallenbades ist einsturzgefährdet. Im Bürgerentscheid am 1. November sollen die Weichen gestellt werden, ob es einen Neubau geben wird. Doch wie sieht die Lage bei den Hallenbädern im Landkreis Gießen aus? Eine Übersicht.

?Welche Dachkonstruktionen sind vorhanden?

Von den Hallenbädern im Landkreis verfügt lediglich das in Lollar mit sichtbaren Holzleimbindern über eine hölzerne Dachkonstruktion. In Pohlheim besteht das Dach aus Stahlbetonträgern und einer Konstruktion aus Trapezblechen, in Laubach und Lich aus Stahlbeton und in Biebertal aus Stahlbetonbindern sowie einer Eindeckung mit Dämmung und Bitumenschweißbahnen. Das Biebertaler Dach kann laut Statiker problemlos noch eine Fotovoltaikanlage tragen.

?Wie ist der Zustand der Dächer und der Bäder?

Kurzfristige Schließungen drohen nirgends. Das Laubacher Hallenbad wurde in der Vergangenheit umfangreich saniert, das Dach zuletzt vor zwölf Jahren. In Pohlheim sind derzeit keine kritischen Mängel bekannt. Sollten Schäden auftauchen, etwa bei den turnusgemäßen Prüfungen, werden diese sofort behoben, sagt Bürgermeister Udo Schöffmann. Ähnlich hält man es in Lich, sagt Bürgermeister Julien Neubert: Notwendige Investitionen seien umgesetzt worden. Daher sei das Bad in einem sehr guten Zustand, selbst Nässe und Feuchtigkeit kein Problemthema.

Das Lollarer Hallenbad wird von Staufenberg und Lollar via Zweckverband betrieben, beide haben zusammen mit dem "Verein der Förderer des Hallenbads Lollar-Staufenberg" in den Erhalt das Bades investiert, sodass der Zustand derzeit gut ist.

?Wo wird derzeit in ein Hallenbad investiert?

In Biebertal wird derzeit umfangreich in den Erhalt des Hallenbades investiert: Das neue Blockheizkraftwerk ist bereits in Betrieb, nun sollen der Boden in der Schwimmhalle, die Toiletten und Duschen folgen. Auf 600 000 Euro belaufen sich die Investitionen, davon erhält die Gemeinde 148 000 Euro über das SWIM-Programm des Landes Hessen. Mit der Förderung ist die Verpflichtung verbunden, das Bad für mindestens 25 Jahre zu erhalten, sagt Bürgermeisterin Patricia Ortmann.

?Was kosten die Hallenbäder die Kommunen pro Jahr?

Für das Lollarer Hallenbad zahlen die Trägerkommunen Lollar 24 000 Euro und Staufenberg 16 000 Euro pro Jahr. Den größten Batzen trägt der Förderverein. "Hinzu kommen die Beiträge des Landkreises für das Schulschwimmen sowie Eintrittsgelder, Mieten für Vereinsnutzung und Gebühren für Schwimmkurse", sagt der Staufenberger Bürgermeister Peter Gefeller.

Auch das Pohlheimer Hallenbad wird von einem Zweckverband geführt, von dem Fernwald ein Fünftel und Pohlheim die restlichen vier Fünftel tragen. "Der Zuschussbedarf für beide Kommunen beträgt insgesamt pro Jahr zwischen 500 000 und 600 000 Euro", sagt Pohlheims Bürgermeister Schöffmann.

In Laubach ist die Gemeinnützigen Laubacher Kultur- und Bäder GmbH Trägerin, die Stadt zahlt pro Jahr rund 400 000 Euro für das Frei- und Hallenbad.

In Lich wurden 2019 rund 223 000 Euro Aufwendungen für das Hallenbad veranschlagt. Dem standen Einnahmen und Kostenerstattungen in Höhe von 80 000 Euro gegenüber. Pro Jahr sind 25 000 Euro Investitionskostenzuschuss vorgesehen. Zudem sorgt der Hallenbadverein für niedrige Betriebskosten.

Die Gemeinde Biebertal muss pro Jahr rund 350 000 Euro für die Personal- und Unterhaltungskosten ihres Hallenbades zuschießen. Das Schulschwimmen sei dabei finanziell betrachtet keine Entlastung, sagt Bürgermeisterin Ortmann: "Wir erhalten 100 Euro für 60 Minuten und haben - Stand 2019 - Kosten von zirka 297 Euro."

?Wenn das Hallenbad in einem so maroden Zustand wie das in Hüttenberg wäre - welche Kommune könnte sich einen Neubau leisten?

Ebenso wie Biebertal könnte sich auch Staufenberg den kurzfristigen Neubau eines Hallenbades nicht leisten. "Die Kosten für einen Neubau würden unsere finanziellen Möglichkeiten übersteigen", sagt Gefeller. Daher investieren beide Kommunen in den Erhalt des vorhandenen Bades.

In Laubach ist man ebenso wie in Lich froh, dass sich diese Frage derzeit nicht stellt. "Wir haben ein Hallenbad, was gut in Schuss ist und einen Hallenbad-Verein, der wirklich hervorragende Arbeit leistet", sagt Neubert. Pohlheims Bürgermeister Schöffmann macht die Antwort von den Kosten abhängig, die zunächst ermittelt werden müssten. Klar sei, dass der Zweckverband keinen Neubau stemmen könnte, sondern die Trägerkommunen gefragt wären.

Anfragen an die Gemeinde Buseck zum Zustand des Bades blieben unbeantwortet.

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