"Betreten verboten": Das gilt nun für das gesamte Schwimmbad. Die Träger des Daches sind so marode, dass ein Badebetrieb nicht mehr möglich ist. ARCHIVFOTO: PAD
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"Betreten verboten": Das gilt nun für das gesamte Schwimmbad. Die Träger des Daches sind so marode, dass ein Badebetrieb nicht mehr möglich ist. ARCHIVFOTO: PAD

Hallenbad komplett marode

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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73 Seiten dick ist das Gutachten zum Dach des Hüttenberger Hallenbades. Die darin aufgeführten Schäden sind so gravierend, dass das Bad nicht mehr öffnen wird.

Meterlange Risse in den Deckenträgern, verbogene Stahlplatten, morsches Holz: Bei der Untersuchung der Dachkonstruktion des Hüttenberger Hallenbades fand Sachverständiger Lennert Schultz gravierende Schäden. Nach der Präsentation des Gutachtens am Mittwoch sind sich sowohl Trägerverein als auch Gemeinde einig: Das Risiko, in diesem Bad jemanden schwimmen gehen zu lassen, will niemand eingehen.

Wie ernst die Gefahr ist, zeigt der Blick zurück: 2006 brach in Bad Reichenhall das Dach einer Eissporthalle aufgrund schadhafter Deckenträger zusammen. 15 Menschen starben dabei. Seitdem ist es Standard geworden, dass Dächer öffentlicher Gebäude regelmäßig untersucht werden.

Auch das Hüttenberger Hallenbad wurde seitdem regelmäßig von unabhängigen Gutachtern überprüft. Zahlreiche Reparaturen fanden in den letzten Jahrzehnten stand, kaputte Abschnitte wurden quasi geschient, zusätzliche Balken eingezogen, um für mehr Stabilität zu sorgen. Doch nach mehr als einem halben Jahrhundert ist die Konstruktion einfach am Ende.

Das Dach besteht auch sogenannten Brettschichtholzbindern. Diese bestehen aus zusammengeleimten Brettern. Das Material hat einen Nachteil, verdeutlichte Schultz: "Diese Binder brechen ohne Vorwarnung. Das macht ›Peng‹ und die liegen unten."

Die Binder im Hallenbad sind 14 Zentimeter breit, 108 Zentimeter hoch und überspannen 16,50 Meter. Auf der einen Seite liegen sie auf der Wand zur angrenzenden Sporthalle, auf der anderen Seite auf Stahlträgern in sogenannten Laschen auf. Diese Laschen bestehen aus zentimeterdickem Stahl.

Die Deckenträger haben sich teils extrem verzogen und dabei die Laschen in den Seitenwänden verformt, sogar für Risse im Stahl gesorgt. Teilweise ist das Holz gesplittert, an anderen Stellen morsch geworden.

Schultz zeigte Bilder von jedem der Deckenträger, die sowohl bei Bürgermeister Christof Heller als auch Walter Krack vom Trägerverein des Hallenbades für tiefe Sorgenfalten sorgen. Tiefer waren nur die Risse in den Trägern selbst: Bis zu vier Zentimeter gehen sie in die 14 Zentimeter dicken Binder hinein, ziehen sich über teils mehrere Meter Länge.

Einige Träger waren bereits mehrfach ausgebessert worden. Bei diesen reihte sich Reparaturstelle an Reparaturstelle. Teilweise waren die Reparaturen Segen und Fluch zugleich: Durch das Anbringen zusätzlicher Bretter und Balken wurde zwar ein Schaden behoben. Jedoch stieg damit auch das Gewicht, das die Träger abfangen müssen.

Die statischen Probleme konnte Gutachter Schultz nicht nur sehen, sondern auch hören, als er Proben für eine Laboruntersuchung entnahm. "Als wir die Bohrkerne gezogen haben, haben die Binder geächzt", sagte er. "Wir sind an der Auslastungsgrenze." Die Untersuchung der Bohrkerne ergab, dass bei zwei von zehn Proben die Leimverbindung zwischen den Brettern nicht mehr stabil genug ist.

Die Probleme kennt der Sachverständige von gleichaltrigen Gebäuden. "Die Sorgfaltspflicht ist hier eingehalten worden", erklärte er mit Blick auf die Reparaturen.

Trägerverein und Verwaltung sind sich einig, dass eine Dachsanierung keinen Sinn ergibt, da das gesamte Gebäude marode ist. "Das wäre gutes Geld schlechtem hinterhergeworfen", sagte Krack. Er macht sich Sorgen um die Zukunft der beiden Bademeister, der Reinigungskraft und nicht zuletzt des Trägervereins selbst.

Eine schnelle Lösung wird es nicht geben. Selbst wenn beim Bürgerentscheid am 1. November die Pläne für den Hallenbadneubau nicht gestoppt und später das Parlament den endgültigen Neubauauftrag erteilen würde, würde frühestens in drei Jahren ein neues Bad öffnen können.

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