Es hagelt Absagen

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Von heute an sind landesweit alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern verboten. Der Landkreis Gießen prüft auch bei kleineren Veranstaltungen, ob sie stattfinden sollten. Denn mittlerweile gibt es sieben Corona-Erkrankte im Kreis Gießen. Viele Veranstalter ziehen bereits die Konsequenzen: Es hagelt Absagen.

Nach Tagen der Unsicherheit und unklarer Vorgaben hat Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) gestern eine klare Entscheidung getroffen und vom heutigen Freitag an alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern oder Teilnehmern untersagt. Das trifft Spiele der 46ers ebenso wie den Lindener Marienmarkt.

Um 10.06 Uhr hatte es der Minister bereits getwittert; rund zwei Stunden später war es amtlich verfügt. Keine Empfehlung mehr, sondern Ansage des Sozialministeriums an die Gesundheitsämter. Zugrunde liegt das Infektionsschutzgesetz. Das gilt - und zwar ohne Spielraum. Einzige Ausnahme: Schulen und Universitäten bleiben offen; Unterricht findet statt. Die Regelung gilt vorerst bis 10. April. Gestern haben die Verantwortlichen im Kreis Gießen darüber hinaus beraten, wie mit kleineren Veranstaltungen mit weniger als 1000 Teilnehmern umzugehen ist.

Von Bedeutung für Veranstalter: Weil das Infektionsschutzgesetz greift, haben sie keinen Anspruch auf Ersatz von Kosten und Anfwendungen, besagt der Erlass des Ministeriums.

Der Landkreis empfiehlt auch in jedem Fall die Absage oder Verschiebung von Veranstaltungen unter 1000 Teilnehmern zu prüfen. Das betrifft auch alle Veranstaltungen von Schulen jenseits des normalen Unterrichts.

"Jeder, der derzeit Kultur-, Vereins- oder Sportveranstaltungen plant, sollte überprüfen, ob die vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Vorkehrungen zur Verhinderung einer Ansteckung eingehalten werden können", appelliert Landrätin Anita Schneider.

Da es dazu seitens des Landes keine detaillierten Empfehlungen gibt, werden im Gesundheitsamt des Landkreises auch für kleinere Veranstaltungen Richtlinien erstellt. Zur jeweiligen Prüfung gehört etwa die Frage, ob die Veranstaltung in geschlossenen Räumen oder unter freiem Himmel stattfindet. Weiter zu prüfen ist die Belüftung, oder wie eng Menschen sitzen. Ist es eine Tanz- oder Sportveranstaltung mit Körperkontakt?

Gespräch mit Veranstaltern

Am frühen Donnerstagabend hatten die Landrätin und Kreisgesundheitsdezernent Hans-Peter Stock Organisatoren von Großveranstaltungen zum Gespräch eingeladen, um persönlich über die Situation zu informieren - etwa die Macher des Pohlheimer Wiesnfests und des Marienmarktes in Linden, aber auch die Verantwortlichen der 46er-Basketballer.

Am Samstag wird der Umgang mit der Corona-Krise in einer Sondersitzung der Bürgermeister im Landratsamt erörtert. "Wir möchten aus erster Hand Informationen und eine konkrete Handhabe geben", sagt Gesundheitsdezernent Stock.

Derweil häufen sich die Absagen von Konzerten, Kulturabenden und Jahreshauptversammlungen. Wobei da immer von Fall zu Fall entschieden wird.

Die Ausbreitung des Coronavirus trifft auch eine Traditionsveranstaltung in Linden. Der am 29. März geplante Marienmarkt, den jedes Jahr Tausende Menschen besuchen, fällt aus. Der Magistrat der Stadt tagte am gestrigen Donnerstagabend zu dem Thema. Die Anordnung des Kreises, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern abzusagen, nahm die Entscheidung aber vorweg. Die Organisatoren des Marienmarkts hatten bereits in einer Sitzung am Mittwoch die Empfehlung beschlossen, die 31. Auflage eines der ältesten Krämermärkte im Gießener Land ausfallen zu lassen.

Eine andere Entscheidung sei ausgeschlossen, erklärte ein Mitglied des Lindener Magistrats und verglich das Coronavirus mit einem Tsunami, der ohne absehbares Ende wüte. Die Situation werde sich in den kommenden Tagen sicher nicht bessern. Da zum Marienmarkt auch viele Besucher aus den Partnerstädten wie zum Beispiel aus Purgstall (Österreich) nach Linden kommen, musste die Entscheidung nun zum jetzigen Zeitpunkt fallen.

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