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Häuschen im Grünen 2.0

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Ein Wohngebiet, das klimaschonend, ökologisch und nachhaltig ist. Das dem demographischen Wandel und den Bedürfnissen aller Generationen Rechnung trägt. Das ganz unterschiedliche Wohnformen vorsieht und damit soziales Miteinander möglich macht. Ein solches Quartier soll diesseits der Umgehung am westlichen Stadtrand von Hungen (Foto) entstehen.

Der Haupt- und Finanzausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung die Aufstellung des erforderlichen Bebauungsplanes bei einer Enthaltung befürwortet. Er basiert auf einem städtebaulichen Entwurf, den Planer Folkert Rüttinger (Planungsgruppe ROB) zuvor erläutert hatte.

"Es ist neu. Es ist zukunftsgerichtet." So beschreibt Bürgermeister Rainer Wengorsch das ambitionierte Projekt, das vom hessischen Förderprogramm "Nachhaltiges Wohnumfeld" profitieren kann. Zwischen der Firma Mühl, der Umgehungssstraße und dem Hehlingsgrund steht dafür ein gut 19 Hektar großes Areal zur Verfügung. Allein aber kann die Stadt das Vorhaben nicht stemmen. Man sei mit Investoren im Gespräch, sagte Wengorsch.

Laut Rüttinger gliedert sich das Areal in eine Kernzone, in der sich um einen zentralen Platz Mehrfamilienhäuser, eine Kita, Seniorenwohnungen und auch ein Nahversorger gruppieren. Daran grenzen, getrennt durch Freiflächen, drei Zonen für Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser an. Wie der Planer erläuterte, wurde parallel zum städtebaulichen Entwurf unter anderem ein Lärmschutzgutachten in Auftrag gegeben. Resultat: Nicht nur zur Umgehung, sondern auch zum angrenzenden Gewerbegebiet muss ein Lärmschutzwall errichtet werden. Daran angrenzend darf kein reines Wohngebiet, sondern nur ein Mischgebiet ausgewiesen werden. Die benachbarten Unternehmen genießen Bestandsschutz, ihre betriebliche Weiterentwicklung muss gewährleistet bleiben.

"Ganz werden wir den motorisierten Verkehr nicht aus dem Gebiet raushalten können", sagte Rüttinger. Aber die Planung richtet den Fokus auf andere Verkehrsformen. So sind Geh- und Radwege durch einen Grünstreifen von der Fahrbahn getrennt, und es soll entlang der Straßen keine Stellflächen geben. Die künftigen Bewohner der Mehrfamilienhäuser sollen ihre Autos in zentralen Tiefgaragen abstellen. Auch für Radler sind Abstellanlagen vorgesehen, zudem Ladestationen für E-Bikes und Car-Sharing-Stationen. Für die Energieversorgung schlagen die Planer kalte Nahwärme vor, eventuell kombiniert mit dezentralen Lösungen. Aus dem Ausschuss wurde der Wunsch laut, den lokalen Energiebeirat einzubinden.

Der Anteil der Grünflächen beträgt nach Aussagen des Planers 22 Prozent. Bei bis zu 550 Wohneinheiten, die in den drei Bauabschnitten vorgesehen sind, sei die Bebauung aber immer noch ziemlich dicht. Der Richtwert für den ländlichen Raum - 25 Wohneinheiten je Hektar - werde jedenfalls überschritten. Die Anbindung des neuen Quartiers ist über die Gießener Straße, die Robert-Koch-Straße und den Hehlingsgrund vorge- sehen, führt also durch bestehende Wohnviertel. Sie basiert laut Rüttinger auf einem Verkehrsgutachten. Die Erschließung von der Umgehungsstraße her werde nicht für sinnvoll erachtet.

Als die Stadtverordnetenversammlung im vergangenen Herbst die Planung auf den Weg brachte, war an eine weltweite Pandemie noch nicht zu denken. Jetzt sieht die Welt anders aus. CDU-Sprecher Norbert Marsfelde stellte die Grundsatzfrage: "Brauchen wir das nach Corona noch?" Der Bürgermeister verwies auf die zeitliche Dimension des Projekts. "Das wird sich über zehn oder 15 Jahre hinziehen", sagte Wengorsch. Man müsse beobachten, ob die Planung marktgerecht ist und ob Nachfrage besteht. Verkleinern könne man das Quartier immer noch.

Laut Bürgermeister Wengorsch ist für die Umsetzung eine Frage von Bedeutung: "Gibt es Investoren?" FOTO: US

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