Der Bau- und Verkehrsausschuss tagte am Montag in den "Hüttenberger Bürgerstuben". Die Baumängel des Gebäudes waren ein zentrales Thema des Abends. FOTO:PAD
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Der Bau- und Verkehrsausschuss tagte am Montag in den "Hüttenberger Bürgerstuben". Die Baumängel des Gebäudes waren ein zentrales Thema des Abends. FOTO:PAD

Fusch am Bau

"Hätte so nie gebaut werden dürfen" - Massive Brandschutzmängel bei "Bürgerstuben"

  • vonPatrick Dehnhardt
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Beim Bau der Hüttenberger Bürgerstuben vor 50 Jahren wurde teilweise gepfuscht. Die Behebung der Mängel wird die Gemeinde wohl einiges an Geld kosten.

Hüttenberg/Langgöns(pad). Die Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses am Montag war einmal mehr kein vergnügungssteuerpflichtiger Abend für die Hüttenberger Kommunalpolitiker. Carsten Swoboda vom Ingenieurbüro Hundt und Swoboda stellte die Ergebnisse einer "groben Sichtung" der Mängel an den "Hüttenberger Bürgerstuben" vor. Dass diese rund 300 Seiten dick ist, spricht Bände.

Es kann nur als Pfusch bezeichnet werden, was vor rund 50 Jahren an einigen Stellen beim Bau der Bürgerstuben passierte. Swoboda nutzte zwar nicht diese drastische Wortwahl, schilderte aber mehrere gravierende Mängel. So war es beispielsweise schon damals nicht legal, die Lüftungs- und die Heizungsanlage im selben Raum anzusiedeln. Doch auf eine trennende Wand wurde verzichtet. "Das hätte so nie gebaut werden dürfen, das war auch so nie in der Baugenehmigung. Das ist brandschutztechnisch nicht möglich und nach hessischer Bauordnung nicht zulässig", sagte Swoboda.

Nachträglich eine neue Wand einziehen geht nicht - dazu fehlt der Platz. "Wenn das Bürgerhaus weiter genutzt werden soll, muss die Heizungsanlage dringend ausgelagert werden", sagte der Experte. Diese rücke zudem jedem Tag dem Totalausfall näher.

Brandschutzklappen nicht zu finden

Der Zustand der Lüftungsanlage ist nicht viel besser - und auch diese weißt Brandschutzmängel auf. So sucht etwa die Wartungsfirma seit Jahren nach Brandschutzklappen, die laut Plan existieren müssten, aber nicht aufzufinden sind. Einige Klappen wurden falsch eingebaut, an anderer Stelle unzulässige Teile verwendet, sagte Swoboda.

Dass die Lüftungsanlage für die Gaststätte in der Decke des Treppenhauses versteckt ist, sei unzulässig. Beim Treppenhaus fehlen vorgeschriebene Fluchtwege ins Freie. Da wirken die Probleme mit dem Dach schon fast bescheiden: Aufgrund fehlender Dampfssperre wölbt sich die Dachhaut, wodurch das Wasser nicht richtig abfließt.

Grundsatzentscheidung zur Zukunft notwendig

Die Sanierungskosten der "Bürgerstuben" wurden vorerst auf grob 2,17 Millionen Euro geschätzt. Da jedoch noch keine Schadstoffuntersuchung stattgefunden hat, sei dies nur ein grober Richtwert, sagte der Experte. Er riet zu einer Schadstoffuntersuchung, "um zu wissen, wie sich die Kosten entwickeln".

Bürgermeister Christof Heller sagte, dass ein Teil der Mängel bereits vor 50 Jahren bekannt gewesen war, doch damals nichts geschah. Mittlerweile habe man die Kegelbahn und die Bierschwemme aus Sicherheitsgründen sperren müssen. Für den gesamten Gebäudekomplex habe die Bauaufsicht keine Sperre verhängt.

Ivonne Vogt (SPD) sagte, dass man ein Gesamtkonzept entwickeln müsse, wie es mit den Bürgerstuben weitergehen soll und ob man die Gaststätte erhalten will. Nach dieser Grundsatzentscheidung könne man die weiteren Planungen ausrichten.

Der Ausschuss verwies diese Grundsatzentscheidung an die Gemeindevertretung.

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