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Bauzäune, Bagger und Container, wohin man auch schaut. Doch der Unterricht an der Wilhelm-Leuschner-Schule in Heuchelheim ist gut gestartet.

"Gut im Improvisieren"

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Bis zum Spätsommer 2020 ist die Heuchelheimer Wilhelm-Leuschner-Schule eine Baustelle. Eine der größten Grundschulen im Kreis wird energetisch saniert.

Wir sind gut im Improvisieren geworden", lacht Carolin Schleenbecker. Die gute Laune der Schulleiterin muss ansteckend sein. Ob im Ganztagsbereich, bei den Kollegen im Lehrerzimmer, die gerade noch am Stunden- und Wegeplan basteln, bei den Kindern und nicht zuletzt bei den Müttern, die die Sprösslinge nach dem Unterricht abholen: Überall sieht man nur freundliche, entspannte Gesichter.

Und das, obwohl die aus den 1960er Jahren stammende Wilhelm-Leuschner-Schule seit einem Monat Großbaustelle ist. In dieser Woche sind Schüler und Lehrer nach den Sommerferien wieder zum Unterricht gekommen - und vieles ist nicht mehr, wie es war. Denn der Landkreis Gießen als Schulträger investiert an einer seiner größten Grundschulen rund 4 Millionen Euro in die energetische Sanierung. Von der Haustechnik im Keller bis unters und aufs Dach. Da kommen nämlich Fotovoltaik-Elemente drauf.

Voraussichtlich bis in den kommenden Spätsommer wird an der von rund 300 Kindern besuchten Grundschule Ausnahmezustand sein.

So stehen auf dem hinteren Pausenhof mehrere Container, in denen Unterrichtsräume und die Ganztagsangebote zu finden sind. Der dortige Pavillonbau dient ebenfalls dem Ganztag und als Mensa. Die Gymnastikhalle ist zur Aula umfunktioniert worden; die Bücherei ist in einen Raum im Untergeschoss der Sporthalle gezogen. Vier weitere Klassen mit bald 100 Schülern sind jetzt in der umgebauten Flüchtlingsunterkunft auf dem Mühlberg beheimatet.

Dort ist alles für den Unterricht hergerichtet worden: Vier Klassenzimmer, ein kleines Lehrerzimmer, der Sozialarbeiter hat dort sein Büro; es gibt sogar eine neue frisch eingesäte Spielwiese. Für den sicheren Schulweg der Kinder ist von der Gemeinde an der Kreuzung Brauhausstraße/Mühlstraße/Studentenweg eine Fußgängerampel aufgebaut worden; der Landkreis trägt dafür die Kosten. Die ersten Tage nach den Ferien zeigen: Es klappt prima.

Gut, dass für einige der Klassen das neue Schuljahr sogleich mit Klassenfahrten begonnen hat. "Das hat geholfen und den Start etwas entspannt", schildert Carolin Schleenbecker die ersten Tage in geänderten Strukturen. Doch in der kommenden Woche sind dann alle wieder am Start. Bis dahin, ist sich die Schulleiterin sicher, wird auch das Allermeiste rundlaufen. Auch wenn es hier und da noch mit dem WLAN klemmt oder Bänkchen für die Hausschuhe fehlen.

Stolz ist sie auf ihr Team: 25 Lehrkräfte plus 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Ganztag. Sie alle waren bei Bedarf in den Sommerferien gekommen und haben mit angepackt, um Umzug und Neustart gelingen zu lassen. "Die Stimmung ist gut", sagt die Schulleiterin. Insofern sieht sie die angelaufenen Veränderungen als Chance, nicht als Last. "Wir wachsen noch weiter zusammen".

Ein paar Zahlen, die die Dimension unterstreichen: Von den knapp 300 Schülern mussten rund 140 in neue Räume umziehen. Rund 200 der Kinder nutzen die Ganztagsangebote: Die provisorische Mensa muss bis zu 120 Essen in einer Schicht rausgeben können.

Eigentlich war die Planung eine andere: Alles sollte mit anzumietenden Containern auf dem Schulhof gelöst werden. Doch dies wurde im Mai nach Monaten der Vorplanung aus Kostengründen verworfen. Alternativen wie ein Teilumzug in die leerstehende Grundschule Krofdorf kam für die Heuchelheimer Schulgemeinde nicht infrage: Der Platz hätte nicht gereicht, und man wollte unbedingt an einem Standort, wenigstens möglichst nahe, zusammenbleiben. Dann wurde eben fix "Plan B" entwickelt. Und mit Elternbriefen sowie auf Infoabenden ganz klar kommuniziert: "Wir kümmern uns!"

Dazu gehört zudem Unterstützung aus dem Dorf: Die Turn- und Sportfreunde verzichten auf etliche Übungsstunden in der Schulturnhalle, der Deutsch-Vorlaufkurs findet jetzt in Räumen der evangelischen Martinsgemeinde statt - Carolin Schleenbecker, erst seit einem Jahr Schulleiterin, ist voll des Lobes angesichts dieses guten Miteinanders. Auch wenn es bei Lichte betrachtet schon eine Belastung für die meisten Beteiligten ist. Wichtig aber: Die Kinder bekommen davon am wenigsten mit. Für sie ist es eher ein großes Abenteuer.

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