Gut für Klima und Geldbeutel

  • Rüdiger Soßdorf
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Die Bevölkerung des Kreises Gießen ist zwischen 2010 und 2018 um rund fünf Prozent gewachsen. Und damit auch der Bedarf an Energie - für Verkehr, Heizung, Elektrogeräte… Dennoch ist der Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid im Kreis um gut zehn Prozent gesunken. Ein erster, wichtiger Schritt.

Schafe grasen friedlich auf dem Attenberg bei Großen-Buseck. Im Sommersonnenlicht gleißen Hunderte Panels der Fotovoltaikanlage. Den Schafen spendet sie Schatten - und rund tausend Haushalten den nötigen Strom. Etwa 3,2 Millionen Kilowattstunden werden hier im Jahr erzeugt - nur weil die Sonne scheint. Hier wird die Energiewende im Kreis Gießen gemacht; jedenfalls zu einem klitzekleinen Teil. Die 2014 gebaute Anlage auf dem Attenberg ist einen von vieren, die in der Gemeinde Buseck zusammen mit der »Sonnenland«-eG entstanden sind und betrieben werden. Hinzukommen noch sechs Fotovoltaikanlagen auf kommunalen Gebäuden. Allein die sorgen dafür, dass beim Stromerzeugern 100 Tonnen Kohlendioxid im Jahr erst gar nicht entstehen, rechnet Bürgermeister Dirk Haas vor.

»Der Landkreis Gießen braucht solche Vorbilder wie Buseck, die in Solarparks investieren, die Ladesäulen aufstellen, die privaten Haushalten Batteriespeicher fördern, wenn auf dem Dach mehr Strom erzeugt wird, als das Netz aufnimmt und das eigenen E-Auto verbraucht«, sagt Landrätin Anita Schneider. Sie hat zum Lokaltermin auf dem Attenberg einige Zahlen mitgebracht: Die CO2-Emissionen im Kreis sind zwischen 2010 und 2018 um 10,4 Prozent gesunken - damit liegt der Landkreis leicht besser als der bundesdeutsche Schnitt. Jener Wert ist das Ergebnis der ersten Treibhausgasbilanz für den Kreis. Diese berücksichtigt alle im Kreisgebiet verursachten Kohlendioxid-Emissionen beim Verbrauch von Strom, Gas und anderen fossilen Energieträgern durch Wohnen, Gewerbe, Industrie, Verkehr etc. Aktuellere Daten gibt es noch nicht, da beispielsweise die Netzbetreiber ihrer Statistik erst mit zwei Jahren Verzug vorlegen. Gleichwohl sind die Zahlen belastbar. Zugrunde liegt eine bundesweit einheitliche Systematik, die eine Vergleichbarkeit sicherstellt.

Die Treibhausgasbilanz bestätige, dass »wir auf dem richtigen Weg sind«, sagt die Landrätin. Der Rückgang um zehn Prozent ist aber umso beachtlicher, wenn man bedenkt, dass in der gleichen Zeit die Bevölkerung im Kreis um etwa fünf Prozent zugenommen hat. Die größten Einsparungen beim Energieverbrauch, nämlich fast 19 Prozent, wurden bei den privaten Wohngebäuden ermittelt. Aber auch Industrie und Handel verzeichnen ein Minus von 14,5 Prozent beim Energieverbrauch.

Noch eine spannende Zahl: Rein statistisch verbrauchen die Menschen im Kreis Gießen 19 Prozent weniger Energie als der Bundesdurchschnitt. Eine Erklärung dafür ist, dass es hier weniger Industrie gibt.

Aber die Zahlen machen auch deutlich, welches Potenzial im Dämmen von Häusern und Modernisieren von Heiztechnik liegt. Da soll weiter auf das kostenlose und niedrigschwellige Angebot des unabhängigen Energieberatungs-Netzwerks gesetzt werden. Um den Menschen zu zeigen, dass eine Wärmedämmung vor dem neuen Anstrich der Fassade nicht nur Geld kostet, sondern hinterher auch Geld spart und damit gut für den Geldbeutel und das Klima ist. Gleiches gilt für den Strom vom Dach.

Eine letzte Zahl noch: Die Menge an Strom, die im Kreis Gießen aus erneuerbaren Energien kommt, ist zwischen 2010 und 2018 um 144,5 Prozent gestiegen. Dieser Strom wird vor Ort produziert - auch auf dem Attenberg.

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