Günstig und nachhaltig shoppen

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Gute Kleidung günstig und nachhaltig shoppen und dabei soziale Projekte in der Region unterstützen: Das ist das Konzept der DRK-Kleiderläden. Drei davon gibt es bereits in Gießen und Marburg. Jetzt eröffnet ein vierter in Lollar.

Die Robe für den schönsten Tag im Leben hängt gleich vorne rechts. Das Hochzeitskleid mit der bestickten Corsage und dem weit schwingenden Rock kostet 150 Euro und damit nur einen Bruchteil von dem, was man normalerweise für den Traum in Weiß hinlegen müsste. Das Kleid ist neuwertig. "Ein Restposten aus einem Brautmodengeschäft", weiß Christoph Quandel, der stellvertretende Leiter der Sachgebiets Jugend und Soziales. "Bevor sie es wegwerfen, geben sie es lieber uns."

"Uns" - das ist der DRK-Kreisverband Marburg-Gießen, der am Montag seinen vierten Kleiderladen eröffnet. Nach zwei Geschäften in Gießen und einem in Marburg zieht es das Rote Kreuz nun in die Region. Im Auweg 8 in Lollar, im Gewerbegebiet gleich neben Aldi, haben Quandel und sein Team eine geeignete Immobilie gefunden. Der graue Flachbau mit den großen Schaufenstern, der schon früher einen Modemarkt beherbergte, bietet nicht nur Platz für den 270 Quadratmeter großen Laden, sondern dahinter auch für ein etwa ebenso großes Zentrallager. "Lollar liegt günstig", erläutert Quandel die Wahl des Standorts, der aber keineswegs nur logistische Erwägungen zugrunde liegen, sondern vor allem soziale. Ein jeder soll die Möglichkeit haben, gute Kleidung zu erstehen - darum geht es bei den DRK-Kleiderläden im Kern. Und in Lollar, der alten Arbeiterstadt, gibt es genug Menschen mit kleinem Geldbeutel. Aber grundsätzlich ist der Kleiderladen für alle da. "Manche glauben, man brauche einen Berechtigungsschein", sagt Sabine Grebe von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit. "Das stimmt nicht." Denn auch der Nachhaltigkeitsaspekt spiele bei den Kleiderläden eine wichtige Rolle. Wer Secondhand-Mode kaufe, setze ein Zeichen gegen Ressourcenverschwendung.

Drei Arbeitstage vor der Eröffnung herrscht im Auweg gemäßigtes Durcheinander. Vor den drei Umkleiden fehlen noch die Vorhänge, die Ladentheke wird gerade fertig geschreinert und die Ware ist noch nicht komplett dekoriert. Viel zu tun also auch für Gerlinde Ehms. Sie hat für den DRK-Kreisverband schon den allerersten Kleiderladen in der Rodheimer Straße in Gießen aufgebaut und wird nun als Leiterin mit all ihrer Erfahrung auch dem neuen Geschäft in Lollar aus den Startblöcken helfen.

"Schreiben Sie unbedingt, dass wir gerne gut erhaltene Spenden während der Öffnungszeiten entgegennehmen", sagt sie und meint damit nicht nur Damen-, Herren- und Kinderbekleidung. Modeschmuck, Handtaschen und überhaupt Accessoires, aber auch kleineres Spielzeug sind ebenfalls gefragt. Ein Teil der Ware, die in den Kleiderläden angeboten wird, stammt aus solchen direkten Spenden. Der Rest sind gut erhaltene Stücke aus den Kleidercontainern. Alle Teile werden, bevor sie in den Verkauf kommen, sortiert, gewaschen und sorgfältig aufbereitet. Dann hängen sie zu unfassbar günstigen Preisen am Ständer: Sommerkleider für fünf oder neun Euro, Hosen für sechs. Auch Markenmode ist dabei.

Anders als die Kleiderkammern, die für Notfälle gedacht sind und ihre Sachen gratis oder für Centbeträge abgeben, sind die DRK-Kleiderläden täglich geöffnet, wie jedes andere Modegeschäft auch. Ein zentraler Unterschied allerdings ist das freiwillige Engagement. Hauptamtlich ist in Lollar neben Gerlinde Ehms nur noch eine Teilzeitkraft im Lager tätig. Die anderen Helfer arbeiten ehrenamtlich. "Alles Damen", wie Christoph Quandel betont. "Wir warten noch auf den ersten Mann." Aber das sei ja das Gute beim Roten Kreuz: Je nach Neigung gebe es ganz unterschiedliche Möglichkeiten, sich für andere einzusetzen.

Ursprünglich sollte der neue Kleiderladen in Lollar bereits am 1. Mai starten. Wegen Corona wurden die Vorbereitungen verschoben. "Alle Läden hatten geschlossen, da macht es wenig Sinn, einen neuen zu eröffnen", bemerkt Quandel. Nun, da das Projekt loslegen kann, herrschen die gleichen Abstands- und Hygieneregeln wie in anderen Geschäften auch: Mundschutz, Handdesinfektion und eine Beschränkung der Kundenzahl. Letzteres dürfte bei 270 Quadratmetern Verkaufsfläche das geringste Problem sein.

Die Verantwortlichen hoffen, dass der neue Standort in Lollar so gut angenommen wird wie die bestehenden Läden in Gießen und Marburg. Denn nicht nur die Kunden und die Umwelt profitieren von dem Angebot. Auch das Rote Kreuz hat etwas davon, wie Quandel berichtet: "Wir wollen keine Gewinne scheffeln. Die Einnahmen investieren wir in unsere sozialen Projekte in der Region."

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