An der Grundschule in Rechtenbach wurde ein freier Raum an die "Vorschulgruppe" der Kindertagesstätte vermietet. Wenige Tage nach der Zusage, dass der Raum weiter genutzt werden könnte, wurde der Mietvertrag gekündigt. FOTO: PAD
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An der Grundschule in Rechtenbach wurde ein freier Raum an die "Vorschulgruppe" der Kindertagesstätte vermietet. Wenige Tage nach der Zusage, dass der Raum weiter genutzt werden könnte, wurde der Mietvertrag gekündigt. FOTO: PAD

Grundschule setzt Kinder vor die Tür

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Hüttenberg(pad). Es klang nach einem Projekt, das Vorzeigecharakter hätte haben können: Die Kindergartenkinder sollten im letzten Jahr an ihre Grundschulzeit herangeführt werden, wurden darum in Räumen der Grundschule Rechtenbach betreut. Doch nun kündigte der Landkreis den Mietvertrag.

Es war 2018, als sich die Kindergartenkommission der Gemeinde Hüttenberg mit einem sanften Übergang der Kinder von der Kita in die Grundschule beschäftigte. Die Idee für eine Art "Vorschulgruppe" wurde geboren. Im Ortsteil Hüttenberg war schnell klar, dass die notwendigen Räumlichkeiten an der Grundschule fehlten.

Anders in Rechtenbach: Dort gab es genug Platz. Die "Vorschulgruppe" bezog einen Raum, für das Mittagessen ging es in die Mensa der Gesamtschule. "Alle waren zufrieden", sagt Bürgermeister Christof Heller. Erst im November habe es Gespräche zu dem Projekt gegeben. Dabei habe die Grundschulleiterin Doris Fischer versichert, dass der Raum in den kommenden drei Jahren weiter genutzt werden könnte.

Mit Einsetzen von Covid-19 wurde im März die Grundschule gesperrt: Der Lahn-Dill-Kreis entzog allen Drittnutzern die Nutzungsgenehmigung - auch der Gemeinde Hüttenberg. Da die Kinderbetreuung komplett eingestellt war, fiel dies zunächst nicht weiter ins Gewicht.

Kreis bietet nun leere Wohnung an

Als sich abzeichnete, dass die Kindergärten wieder öffnen dürften, führte die Gemeinde Gespräche mit dem Landkreis und der stellvertretenden Schulleitung, berichtet Bürgermeister Heller. Die Nutzungsmöglichkeit wurde wieder zugesagt. "Uns war klar, dass die Räume geräumt würden, falls es wegen Corona wieder Probleme gebe", sagt der Bürgermeister. Am 6. Juli startete die Betreuung der "Vorschulgruppe" wieder. Gleichzeitig erhielt die Gemeinde Post: die Kündigung.

Am Freitag teilte Fischer mit: "Es war im November nicht absehbar, dass in zwei Klassen der Unterstützungs- bedarf für einzelne Kinder sich dahingehend verändern würde, dass eine regelmäßige Kleingruppenarbeit in zusätzlichen Räumen eingeplant werden musste." Daher würden die Räume nun gebraucht. Warum dies bei der Wiedereröffnung Anfang Juli nicht angesprochen wurde, bleibt rätselhaft.

Bei der Gemeinde herrschte Verwunderung über diesen plötzlichen Sinneswandel. Denn damit stand die "Vorschulgruppe" auf der Straße, die Platzkapazitäten in den Kindertagesstätten sind ausgereizt. Zudem habe es vorher nicht einmal Gespräche gegeben. Landrat Wolfgang Schuster teilte am Donnerstag mit, dass die Landkreise für die Schulen zuständig seien, die Kita-Betreuung hingegen das Problem der Kommunen sei. Der Vermietung des Raums sei nur ein Entgegenkommen gewesen, welches nun mit dem Eigenbedarf der Schule ende.

Dann rudert der Kreis zurück: Der Raum wird nun doch noch für das Schuljahr 2020/2021 der Gemeinde für die Kinderbetreuung überlassen. Danach könne Hüttenberg die leerstehende Hausmeisterwohnung anmieten und auf eigene Kosten zu Betreuungsräumen umbauen.

Warum dieser Lösungsweg nicht sofort angeboten wurde, warum der Kreis vor der Kündigung keinen Kontakt mit der Gemeinde aufnahm, bleibt rätselhaft. An die Kita-Kinder wurde so stattdessen ein fatales Signal gesendet: Ihr seid uns erst als Schüler wichtig.

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