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Module einer Fotovoltaikanlage, wie sie auch auf dem Aussiedlerhof in Wetterfeld geplant ist. Zunächst ist das Vorhaben aber gescheitert, da die Anlage laut OVAG nicht "netzverträglich" und der notwendige Ausbau der Infrastruktur unwirtschaftlich sei. SYMBOLFOTO: ARCHIV

Wo Grünstrom nicht infrage kommt

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Alle reden von der Energiewende, von "grünem Strom", der aus der Steckdose kommt. Ein Wetterfelder Landwirt will seinen Beitrag leisten, eine Fotovoltaikanlage installieren. Eine Einspeisung des Stroms ins Niederspannungsnetz aber gefährdete die Sicherheit der Stromversorgung, erklärt die OVAG. Das Projekt ist gescheitert - vorerst.

Unser Betrieb ist nicht nur unsere Arbeit, zum Verdienen des Lebensunterhaltes, er ist unsere Leidenschaft", betont Florian Luckert, der einen Aussiedlerhof zwischen Wetterfeld und Lauter bewirtschaftet. Ihm wie seiner Familie liege das Wohl der Tiere, der Erhalt der Natur, die Fruchtbarkeit der Böden am Herzen. Seit 2016 betreibt man denn auch eine Biogasanlage, die allein mit dem Mist der eigenen Tiere betrieben werde. Nach Luckert ein "weiterer Grundstein für das Ökosystem", produziere sie doch Dünger für die Felder und zugleich Strom. Laut Luckert für rund 136 Familien.

Im Vorjahr habe man dieses ressourcenschonende Modell dann ausbauen, auf dem Stalldach eine Fotovoltaikanlage errichten wollen. Um so vor allem einen Großteil des im Betrieb benötigten Stroms zu erzeugen.

Dafür aber bedarf es der Zustimmung des örtlichen Energieversorgers, die dieser verweigerte. Was bei Luckert zumindest den Verdacht nährte, den Versorgern ganz allgemein sei Umwelt, Naturschutz und Ressourcenschonung egal, ihnen gehe es vor allem ums Geldverdienen. Luckert: "Wo bleibt da die Politik? Die will doch den Ausbau erneuerbarer Energie, der aber wird hier in gewisser Weise boykottiert."

Angesprochen ist mit dem "örtlichen Energieversorger" die OVAG. Wie deren Pressesprecher Andreas Matlé auf GAZ-Anfrage erklärt, habe man auch hier zunächst prüfen müssen, ob die "gesetzlichen und technischen Bedingungen" für der Anschluss dieser Anlage ans Niederspannungsnetz gegeben seien. Das Ergebnis fiel negativ aus: "keine Netzverträglichkeit".

Matlé zufolge sind jedem Netzbetreiber klare Vorschriften auferlegt, wenn es um den Anschluss jedweder "Erzeugungsanlage" geht. Zwecks Gewährleistung einer sicheren allgemeinen Stromversorgung sei eine Überschreitung von "Toleranzen der elektrischen Parameter" (Stromstärke/Spannung) auszuschließen.

Was aber bedeutet dies konkret für das Wetterfelder Projekt? Die OVAG verweist zunächst auf die bereits vorhandene Biogasanlage der Luckerts mit einer Leistung von 75 Kilowatt (kW). Zu klären sei gewesen, ob daneben der Anschluss der geplanten Fotovoltaikanlage mit 99 kW in der Spitze an die gegebene Netzinfrastruktur zulässig sei.

Anzulegen seien dabei "verpflichtende Berechnungsvorgaben" des Fachverbandes VDE. Wesentlicher Punkt: Der Anschluss der Fotovoltaikanlage dürfe eine "Spannungsanhebung von maximal drei Prozent" zur Folge haben. Diese Grenze aber werde hier überschritten.

Laut Sven Herrmann, Sachgebietsleiter Netzanschlusswesen der OVAG, hätte ein Verstoß gegen besagte Vorgabe durchaus schwerwiegende Effekte. So stiegen elektrische Geräte aus, nicht nur die auf dem Aussiedlerhof, auch jene von Nachbarn. Das Vorhaben Luckerts sei nicht zulässig. Die OVAG, bittet Matlé um Verständnis, dürfe nun mal nicht die Versorgung der Kunden gefährden. Im Weiteren verweist der Pressesprecher auf einen Passus des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG). Danach entbinde nicht nur "die Technik" einen Netzbetreiber von der Anschlusspflicht. Ebenso müsse das Vorhaben "wirtschaftlich zumutbar" sein.

Die Kosten für hier erforderlichen Ausbau der Netzinfrastruktur - eine Einspeisung am Bauernhof ist wie gesagt technisch nicht möglich - aber wären "unverhältnismäßig hoch".

Ein dehnbarer Begriff. Wie das Friedberger Unternehmen auf Nachfrage mitteilt, müsste es auf der kompletten, einige Hundert Meter langen Strecke bis zur Ortsnetz- bzw. Übergabestation Richtung Lauter (Gewerbestandort) eine Leitungsverbindung herstellen. Kosten: rund 25 000 Euro. Das aber stehe in keinem Verhältnis zu den Erträgen der Anlage.

Nur der Vollständigkeit halber: Die Leitung könnte laut OVAG natürlich auch von privat finanziert werden.

Stromspeicher als Lösung?

Soweit der Stand der Dinge im Vormonat. Zwischenzeitlich hat ein Gespräch mit allen Beteiligten stattgefunden. Dabei wurde laut Matlé auch deutlich, dass geplante Deckung des Eigenbedarfs des Landwirts - "zwischen sieben und 20 kW" (OVAG) - nur mittels eines Speichers möglich wäre. Wie Herrmann erklärt, entspricht die Stromerzeugung einer Fotovoltaikanlage - morgens ansteigend, zur Nacht hin gen Nullmodus fallend - nicht dem Verbrauch. Mit Techniker-Worten: "Die Lastkurve deckt sich nicht mit der Bezugslast." Da aber ein Einspeisen des überschüssigen Stroms nun mal nicht möglich sei, bleibe nur eine Art "Insellösung". Eben Speicherung und Verbrauch der selbst erzeugten Energie auf dem Hof. Technische Möglichkeiten, so die OVAG, gebe es.

Vereinbart wurde schließlich, dass der Landwirt bzw. sein Planer der OVAG Netz GmbH dazu ein Konzept vorlegt. Bleibt also zu hoffen, dass am Ende auf dem Aussiedlerhof doch noch grüner Strom mit der Energie der Sonne produziert wird.

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