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Das alte Singalumnat in Laubach: Gemäß Beschluss der Stadtverordneten wird ein Bebauungsplan aufgestellt, der die Errichtung von Mehrfamilienhäusern ermöglicht - sofern nicht ein erneutes Bürgerbegehren oder ein Bürgerentscheid das Projekt stoppen sollte.

Grünes Licht für neuen Anlauf

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Laubach (tb). Austausch (meist) bekannter Argumente, Spekulationen, Änderungsanträge, namentliche Abstimmung - erwartet schwer hat sich Laubachs Stadtparlament mit der Beschlussfassung zum "Sing-alumnat" getan. Am Ende stand aber die ebenso erwartete Entscheidung: Mit 13 Stimmen der Mehrheit aus CDU und Freien Wählern - bei zehn Neinstimmen der Opposition aus SPD, Grünen, FDP, BfL und FBLL - beschloss das Plenum die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans. Zum Missfallen der zahlreichen Anwohner auf den Zuschauerbänken.

In deren Sinne beklagte Hartmut Roeschen (SPD), wie der erste Anlauf aus 2017/2018 vertrage sich auch der neue nicht mit dem Wohnquartier. Sein Antrag, die Wohnungszahl in den geplanten drei Mehrfamilienhäusern von 50 auf 35 zu reduzieren, um so auch den Grundstückspreis zu drücken, lehnte die "Bürgermeistermehrheit" jedoch ab: "Blödsinn, dann werden die Wohnungen halt größer." Ebenso Hans-Georg Frank (BfL) teilte die Kritik der im Verein "Lebenswertes Laubach" versammelten Anwohner: "Zwei bis drei Nummern zu groß." Wohnungen von im Schnitt 80 qm seien zudem zu klein für Familien, entsprächen damit nicht dem Bedarf. Auch mutmaßte er, im Hintergrund wirkten hier "seltsame Kräfte", womöglich seien es sogar dieselben Kapitalgeber. "Die Finanzierung wird geschickt ausgeblendet".

Jochen Schröder, Geschäftsführer des Bauträgers Gade, dementierte dies späterhin: "Das grenzt ja an Verschwörungstheorie." Im Übrigen nannte er es illusorisch, mit Einschränkung der baulichen Ausnutzung den Grundstückswert bzw. -preis drücken zu wollen und so eine verträglichere Bauweise zu erreichen. Dagegen stünden schon die Forderungen der Gläubiger/Banken.

Schadstoffgutachten verlangt

Als "gute Fügung des Schicksals" würdigte Dirk Oßwald (FW) zunächst das Bürgerbegehren. Zwar am Anfang für das Konzept von Constans Capital, habe man doch zunehmend "Bauchschmerzen, am Ende gar Gallenkoliken" bekommen. Der jetzige Bauträger aber erfreue sich eines exzellenten Rufs, die Planung sei "optisch ansprechend", die Innenverdichtung entspreche den Zielen der Dorferneuerung (IKEK). In Laubach fehle es sehr wohl an modernen, barrierefreien Wohnungen für Singles und Senioren. Oßwald: "Als Stadtverordnete haben wir eine Verantwortung für alle Laubacher."

Für die "Bürgermeistermehrheit" ergänzte Axel Düringer (CDU) noch den Demografie-Aspekt: "Unsere gute Infrastruktur, wozu auch das Freibad gehört, ist nur mit neuen Einwohnern zu erhalten." Ebenso ließ sich Bürgermeister Klug ein und fügte an, eventuelle Probleme (Abwasserentsorgung und Verkehr) seien zu regeln. Klug rechnet im Übrigen mit einer Mehrheit der Bevölkerung für das Projekt, sofern es zum Bürgerentscheid komme.

Ein Beschluss der Magistratsvorlage ist für Grünen-Sprecher Michael Köhler aus "demokratischen Gesichtspunkten fragwürdig". Schließlich werde das Bürgerbegehren, dem das Parlament vor Jahresfrist beigetreten sei, konterkariert, da auch die neue Planung mit vier Geschossen, 50 Wohnungen und einem nur geringen Abstand zu Straße zu massiv sei. Man sei für Innenverdichtung, aber im Einvernehmen mit den Anwohnern, wofür man zunächst den Kompromiss suchen sollte. In diesem Sinne äußerte sich auch Dirk-Michael Hofmann (FBLL). Er forderte mit Hinweis auf die schlechte ÖPNV-Versorgung, im Bebauungsplan einen erhöhten Stellplatzschlüssel von 1,75 festzusetzen, so die Zahl der Wohnungen zu reduzieren. "Der ruhende Verkehr wird sonst zum Dauerärgernis." Da aber die Mehrheit dem nicht folge, komme es wohl zum Bürgerentscheid.

Die Änderungsanträge der Opposition - höherer Stellplatzschüssel (FBLL), niedrigere bauliche Ausnutzung (GRZ 0,3/Firsthöhe maximal 10,50 m) und Umweltverträglichkeitsprüfung (Grüne), nur 35 Wohnungen (SPD) - wurden sämtlich von der Mehrheit abgelehnt. Einzige Ausnahme: Verpflichtung zu einem Schadstoffgutachten (Grüne).

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