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Grüne kritisieren Logistikzentren: "Fortgeschrittener Irrsinn"

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Die Grünen haben sich vehement gegen den Bau großer Logistikzentren ausgesprochen. Die derzeitige Situation sei eine "massive Fehlentwicklung", die insbesondere den Kreis Gießen belaste.

Die Fraktionsvorsitzenden der Grünen in den Landkreisen Gießen und Wetterau haben vehement den Bau und die Planung von großen Logistikzentren kritisiert. "Sie schießen aktuell wie Pilze aus dem Boden", sagt Christian Zuckermann, Fraktionsvorsitzender der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen in Gießen. Er nennt die derzeitige Situation eine "massive Fehlentwicklung", die insbesondere den Kreis Gießen und die Region Mittelhessen belaste. Konkret beziehen sich die Grünen in ihrer Kritik auf die Planungen in Buseck, Lich, Gießen, Wölfersheim und Mücke.

"Geworben wird immer mit entstehenden Arbeitsplätzen und möglichen Gewerbesteuereinnahmen", sagt Michael Rückl, Fraktionsvorsitzender in der Wetterau. "Oft aber sind es bloß Arbeitsplatzverlagerungen und somit auch nur eine Neuverteilung von Gewerbesteuer. Immer aber sind es reine Prozessoptimierungsmaßnahmen, bei denen es um niedrigere Kosten und Marktanteile geht."

Dr. Christiane Schmahl, Erste Kreisbeigeordnete und Vorsitzende der grünen Fraktion in der Regionalversammlung Mittelhessen, betont zudem, dass durch den Bau "riesige Flächen versiegelt und der Landwirtschaft entzogen werden". Oft handle es sich um die besten Böden, sagt Schmahl. Bedrohten Tieren wie dem Rebhuhn oder dem Feldhamster fehle so wertvoller Lebensraum.

Neben der Versiegelung von Flächen prangern die Grünen in ihrer Presseerklärung auch das erhöhte Verkehrsaufkommen an. Zusätzliche Emissionen würden die umliegenden Wohngebiete belasten. Aus Sicht der Grünen passt das Konzept des logistisch gesteuerten Versands nicht zum aktuell notwendigen Entgegensteuern beim Klimawandel.

Der Gedanke der Regionalität und das Fördern heimischer Produzenten spiele in den Konzepten der Logistikzentren keine Rolle, kritisieren die Grünen. "Statt regional Lebensmittel zu erzeugen, werden diese Flächen mit Logistikzentren zugebaut. In die werden dann Lebensmittel aus aller Herren Länder gekarrt, um sie in der Region zu verteilen. Es ist ein fortgeschrittener Irrsinn, der zwar wie ein Konzept von heute wirkt. Angesichts der Herausforderungen durch den Klimawandel aber erweist er sich als Konzept von gestern", sagt Gießens Fraktionschef Zuckermann.

Weiteren Ansiedlungen großer Logistikzentren erteilen die Grünen daher eine Absage. "Wie beim Verbrauch von fossiler Energie müssen wir auch beim Verbrauch von Boden das Netto-Null-Ziel anstreben. Gegenwärtig werden pro Tag in Hessen noch immer ca. 2,5 Hektar versiegelt. Das muss sich schleunigst ändern. Wer Klimaneutralität will, muss auch den Flächenfraß stoppen", sagt Zuckermann.

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