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Grünbergs Stadtbus beim Halt am Schloss: Ob die geringen Einnahmen aus dem Ticketverkauf zu vernachlässigen wären, beschäftigt aktuell die Politik.

Wohl kein Stadtbus zum Nulltarif

  • Thomas Brückner
    VonThomas Brückner
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Grünberg (tb). Ginge es nach Luisa Dechert, würde Grünberg einen zusätzlichen Beitrag zur Verkehrswende leisten. Würde der Stadtbus, in der Ostkreis-Gemeinde bereits vor rund 20 Jahren an den Start gebracht, zum Nulltarif fahren - zumindest was den Ticketpreis angeht. Die Stadtverordnete der Freien Wähler verwies in der HFA-Sitzung am Dienstag auf die Bemühungen vieler Kommunen, attraktive Alternativen zum Autoverkehr zu schaffen.

Warum also nicht auch in Grünberg? Nur war Dechert am Ende die Einzige, die entsprechenden SPD-Antrag unterstützte.

Begründet hatte den Ulrich Ebenhöh. Die Einnahmen aus Fahrkartenverkäufen von gerade mal 4000 Euro (RMV-Kunden zahlen nichts, die Red.) seien bei einem Etatvolumen von 33 Millionen Euro zu vernachlässigen, meinte der Co-Fraktionschef der SPD.

Warnung vor einer »Rolle rückwärts«

Weiter: Werde der Fahrer vom Ticketverkauf »befreit«, spare das an vielen Haltepunkten einige Minuten, würden die Kunden weniger den Anschlusszug am Bahnhof verpassen. Zudem entfiele der Verwaltungsaufwand. Ihm gehe es zuvörderst um einen Test, um zu sehen, welche Effekte dies hätte. Der auch nicht schädlich sei, müsse das Stadtbuskonzept bzw. der Fahrplan wegen neuer Anforderungen geändert werden.

Darauf hatte Bürgermeister Frank Ide abgehoben. Sofern künftig der jüngste Abschnitt des »Baumgartenfeldes« angebunden werden sollte, sei der aktuelle, auf die Vogelsbergbahn abgestimmte Fahrplan nicht mehr einzuhalten. Alternative sei dann der Wegfall weiterer Haltepunkte oder ein zweiter Bus.

Entscheide sich das Stadtparlament für Letzteres, werde es »richtig teuer«, fiele der Zuschussbedarf sechs- statt bisher fünfstellig aus. Nach einem Fahrpreis von jetzt einem Euro und dem Nulltarif müsste man dann vermutlich beim Ticketpreis ordentlich draufschlagen. Wie wohl diese »Rolle rückwärts« ankäme? Und wie der Nulltarif auf den Stadtteilen gesehen werde? »Mir kann es ja egal sein, doch ich warne davor«, meinte Grünbergs scheidender Bürgermeister. Für besser hielte der es, noch ein Jahr zu warten, um dann richtig zu planen.

In diesem Sinne äußerte sich auch Ides »Parteifreund« Jens Müll (FW). Auch, was eine erwartbare weitere Frage der Bürger aus seinem Heimatdorf Göbelnrod wie auch aus Ebenhöhs Weickartshain angeht: »Warum müssen wir für den Zug oder Bus nach Grünberg zahlen, und die Kernstädter fahren jetzt umsonst?«

Am Ende gab Ausschussvorsitzender Müll eine Ja-, drei Neinstimmen sowie sechs Enthaltungen zu Protokoll. Zu den sechs »Unschlüssigen« zählten auch die im Haupt- und Finanzausschuss stimmberechtigten beiden Genossen.

Also verbleiben wohl die 4000 Euro im Haushalt, dessen Entwurf vom Fachausschuss einstimmig, bei Enthaltung der Grünen, gutgeheißen wurde. Inklusive der am Dienstag von der CDU mit Erfolg beantragten zwei neuen Stellen im Bauamt (die Kollegen hatten jüngst eine Überlastungsanzeige formuliert, die Red.). Ide verwies hier auf die schwierige Bewerberlage wie auch den Platzmangel im Rathaus: »Gibt kein freies Büro«. Dazu Birgit Otto (CDU): »Das wird nicht mehr Ihr Problem sein.« Darauf Ide trocken: »Stimmt.«

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