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Wo aus Licht Kinoträume werden

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Von: Patrick Dehnhardt

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Edith Weber mit dem digitalen Filmprojektor. © Patrick Dehnhardt

Grünberg (pad). Noch vor 30 Jahren hätte dieser Bericht so begonnen: Der Projektor rattert. Eine starke Lampe sorgt für helles Licht. Vor ihr laufen mindestens 24 Bilder pro Sekunde vorbei. Das Licht fällt weiter durch eine Linse, durchquert eine kleine Luke, schießt über den Köpfen von zig Menschen hinweg auf die Leinwand des Grünberger Kinos »Apollo«.

Dort erscheint das Filmbild von »James Bond jagt Dr. No«.

Der Vorführer kann den Film allerdings nicht ungestört genießen. Das Problem: Auf eine Filmrolle passen nur rund 20 Minuten Film. Das Gesamtwerk verteilt sich darum auf mehrere Rollen. Damit die Zuschauer nicht warten müssen, bis die jeweils nächste Rolle im Projektor eingespannt ist, gibt es einen Trick. Direkt nebenan steht ein zweiter Projektor mit dem nächsten Filmteil.

Auf ein Zeichen im Film - ein weißes Dreieck oder auch »Brandloch« hin - startet der Vorführer den zweiten Projektor. Das Bild wird überblendet, die neue Filmrolle knüpft nahtlos an, ohne dass die Zuschauer etwas merken.

2021 sieht das Ganze anders aus. Einen analogen Filmprojektor gibt es zwar noch im Kino Grünberg - er steht jedoch nur Dekoration im Kinosaal. Kinobetreiberin Edith Weber hat längst auf digitales Kino umgerüstet.

Festplatten statt Filmrollen

Entsprechend hat sich das Bild verändert, wenn man die Tür zum Projektorraum öffnet. Filmrollen sucht man vergebens. In der Mitte des Raums steht eine kühlschrankgroße Apparatur, der Projektor. Er arbeitet genauso wie ein Beamer, nur mit einer wesentlich höheren Bildqualität und Genauigkeit. Damit die Maschine ihr Potenzial komplett zeigen kann, braucht sie allerdings den passenden Input. Während der Film fürs Heimkino auf eine DVD passt, nimm die Kinoversion eines Blockbusters mehrere Gigabyte Speicherplatz ein.

Bislang bringt ein Bote die Festplatten zum Kino. Dort schließt Chefin Weber sie an den Projektor an. Doch es ist absehbar, dass die Filme irgendwann nur noch vom Verleih heruntergeladen werden. Mit Trailern und Werbung ist dies bereits heute der Fall. Damit sich kein Unberechtigter diese einfach abgreift kann, ist das alles hochverschlüsselt.

Zum Kinoerlebnis gehört allerdings auch die besondere Tonqualität dazu. Die Tontechnik füllt einen weiteren Schrank. Auf den Film-Festplatten sind mehrere Tonspuren gespeichert, sodass Weber erst einmal die deutsche Variante auswählen muss. Tippt sie daneben, würde man den aktuellen Weihnachtsfilm »Weihnachten im Zaubereulenwald« etwa auf Estnisch statt auf Deutsch hören. Dennoch: Mittlerweile kann auch der Vorführer die Filme in Ruhe genießen.

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