Windkraft: Grünberg schlägt weitere Vorrangflächen vor

Grünberg (tb). Was die vom Regierungspräsidium Geßen geforderte Meldung von Vorranggebieten für Windkraft angeht, so wartete Grünbergs Bürgermeister Ide im HFA mit einer kleinen Überraschung auf: Tags zuvor hatte der Magistrat "mit Mehrheit" beschlossen, zusätzlich zu den RP-Favoriten vier weitere Flächen vorzuschlagen.

Dass diese zumindest teilweise in städtischem Besitz seien (Pachteinnahmen), merkte Ide an. Einstimmig, bei einer Enthaltung der Freien Wähler, folgte der Ausschuss am Ende dem Vorschlag des Magistrats: Danach würde Grünberg neben den beiden laut RP einzig interessanten Flächen (Weickartshain/Reinhardshain) vier weitere zur Aufnahme in den "Teilplan Energie" melden. Dies, sofern das heute Abend tagende Stadtparlament der Empfehlung folgt.

Die vier "zusätzlichen" Standorte sind Ergebnis der Prüfung durch das Fachbüro "iTerra", das insgesamt elf prinzipiell geeignete Flächen ermittelt hatte. Für eine Aufnahme in den Regionalplan schlägt Grünberg Flächen in folgenden Gemarkungen vor: Lehnheim (nördlich der Ortslage/an Gemarkungsgrenze Mücke, östlich der L 3072 und außerhalb des 1000-m-Radius rund um Stangenrod); Weitershain (südlich Ortslage, östlich der L 3125, an Gemarkungsgrenze Mücke-Atzenhain); Lardenbach (südlich/an Gemarkungsgrenze Laubach-Freienseen); Grünberg (östlich Ortslage, nördlich der L 3166 nach Weickartshain/Richtung B 49).

Laut Beschlussvorlage von Grünberg akzeptiert werden aber auch die vom RP als einzig interessant bezeichneten Flächen: Die befinden sich in Weickartshain (südlich Ortslage/Gemarkungsgrenze Lauter) sowie westlich von Reinhardshain.

Was letztere angeht, so erklärte gestern das RP Gießen auf GAZ-Nachfrage, favorisiert würden dort die Flächen nicht nur südlich, sondern auch nördlich der Autobahn; wobei allerdings beide konfliktträchtig seien, da als FFH-Gebiet ausgewiesen. Der Sprecher: "Das ist bisher nur eine Diskussionsgrundlage." Über diese werde die Fachbehörde im September mit der Gemeinde das Gespräch aufnehmen.

Wie berichtet, haben über die eventuellen Mühlenstandorte bisher nur beraten die Ortsbeiräte von Weickartshain (Votum: Nein), Weitershain (Nein, bezog sich aber auf die nördliche Fläche zur Rabenau hin, wo ein privater Investor eine Mühle bauen will; über jetzt gemeldeten Standort ward noch nicht beraten) sowie Reinhardshain (Nein). Wie der Bürgermeister vorm HFA sagte, würden die Beiräte jetzt kurzfristig informiert.

Ewert: Vermittlung nicht gelungen

Zur Ausschussdiskussion am Dienstag: Grünen-Sprecher Reinhard Ewert kritisierte zuvörderst das Prozedere. "Es drängt sich der Eindruck auf, dass bei uns die parlamentarischen Gremien in allerletzter Minute informiert werden." Zu einem Zeitpunkt, da Vorentscheidungen bereits getroffen seien. Andernorts dagegen, so lese man in den Zeitungen, werde schon viel länger das Thema beraten. Ewert fragte sich auch, ob nicht der Ältestenrat hätte einberufen werden sollen. Sein Fazit: "Die Vermittlung ist überhaupt nicht gelungen." Der Grüne fragte sich auch, wie die Verwaltung denn jetzt den Ortsbeiräten erklären wolle, dass sie übergangen werden sollen. Dass die Stadtteilvertreter etwas allein gelassen worden seien, meinte Queckborns Ortsvorsteher Manfred Heßler deren Beratungen entnehmen zu können. Diese hätten besser von Sachverständigen begleitet werden sollen.

Grünbergs Rathauschef wies Vorwürfe einer zu zögerlichen Behandlung des Themas durch die Verwaltung zurück: Im März vom RP vorgelegte Karte sei zu wenig aussagekräftig gewesen, mangels eigenen Fachpersonals und Zeit habe man das Fachbüro beauftragt (Ide nahm hier zum Bemerkung des Regierungspräsidenten bei der Bürgerversammlung Stellung, Grünberg habe Geld für etwas ausgegeben, mit dem seine Behörde doch bereits beschäftigt war: "Ich muss hier Dr. Witteck korrigieren, das Büro hat das unentgeltlich gemacht"). Gegenstand des Auftrags sei etwa die Klärung der Besitzverhältnisse gewesen; vor allem aber sei es darum gegangen, die Standorte auf die Ausschlusskriterien (Naturschutz, Kulturdenkmäler etc.) hin zu prüfen. Dass auch das RP diese mehr ins Detail gehende Prüfung der Standorte mit ausreichender Windhöfigkeit zeitgleich unternommen habe, das sei der Stadt nicht bekannt gewesen. Die Vorlage der neuen RP-Karte am letzten Donnerstag habe denn auch alle überrascht.

Nicht zum ersten Mal appellierte der FW-Politiker dann, nicht das St.Floriansprinzip anzuwenden. Am Ende stellte er klar, dass die neuen Vorschläge erst noch mit dem RP beraten würden. Ide sinngemäß: "Wer weiß, ob die Flächen überhaupt akzeptiert werden." Und grundsätzlich: Auch hier gelte, dass die Planung der Behörde – nach erwartetem Beschluss durch die Regionale Planungsversammlung im November – zwei Monate in die Offenlage gehe, jeder Bürger seine Einwände geltend machen könne.

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