Wenn vermeintliche Handwerker klingeln

  • Vonred Redaktion
    schließen

Grünberg/Gießen (pm). Die jüngsten Vorfälle dieser Art im Landkreis Gießen sind noch gar nicht allzu lange her. Vor knapp vier und vor zwei Wochen schlugen falsche Handwerker zu, gelangten jeweils in die Wohnungen ihrer Opfer. In einem Fall entwendeten sie gar Wertsachen aus dem Haus. Aus diesem Anlass warnt die Polizei nun erneut vor falschen Handwerkern und Trickdieben.

Die Masche der Betrüger ist immer ähnlich.

Es war der 14. Oktober, ein Donnerstag, als gegen 12.30 Uhr ein Unbekannter an der Haustür einer 87 Jahre alten Frau in der Londorfer Straße in Grünberg klingelte. Der Mann gab sich als Handwerker aus. Unter dem Vorwand, aufgrund eines Wasserschadens in der Nachbarschaft und daraus resultierender Störungen in den Leitungen ins Haus zu müssen, gewährte ihm die Seniorin Einlass.

Während die Frau den Betrüger in den Keller führen wollte, ließ er die Haustür offen. Daraufhin kam offenbar ein Komplize unbemerkt ins Haus und konnte die Räumlichkeiten im Obergeschoss durchsuchen. Im Keller erklärte der Trickdieb etwa 15 Minuten lang die Waschmaschinen- und Trocknerbenutzung. In dieser Zeit steckte sein Kompagnon Bargeld und hochwertige Colliers sowie Ringe ein.

Damit die Bestohlene offenbar Angehörige oder Polizei nicht verständigen konnte, entwendete er ebenso das Haustelefon. Anschließend rief er laut, dass er fertig sei und verließ zusammen mit dem Dieb aus dem Keller schlagartig das Haus. Der Polizei liegt lediglich die Beschreibung des Diebes vor, der mit der Seniorin in den Keller ging. Der Mann ist zwischen 1,65 und 1,70 Meter groß, etwa 30 Jahre alt und hat eine schlanke Statur. Er sprach Deutsch und hatte ein deutsches Erscheinungsbild. Er trug ein graues Basecap, ein graues Sakko und eine graue Hose.

Knapp 14 Tage später, am 27. Oktober, ereignete sich in der Löberstraße in Gießen ein ähnlicher Fall. Gegen 16.45 gab sich ein Unbekannter bei einem über 80-jährigen Mann als Stadtwerke-Mitarbeiter aus. Er müsse Wasserleitungen überprüfen und spülen und gaukelte dem Bewohner vor, dass die Rohre sonst platzen würden. Er zeigte dem Senior ein rotes Funkgerät und bat ihn, mit einem Mitarbeiter namens Schmidt zu sprechen. Dem Bewohner kam die Situation komisch vor, er ließ den Unbekannten in der Wohnung nicht aus den Augen, sodass dieser offenbar ohne Diebesgut die Wohnung verließ.

Die Polizei beschreibt den Verdächtigen we folgt: Er ist etwa 1,70 Meter groß, hat einen gebräunten Hautteint und sprach akzentfreies Deutsch. Er trug ein schwarzes Basecap, eine schwarze Jacke, beigefarbene Hose und Handschuhe.

Hinweise in beiden Fällen an die Kriminalpolizei in Gießen unter der Telefonnummer 06 41/70 06-25 55.

Tipps der Polizei

Für Trickdiebe, die in Wohnungen aktiv werden wollen, gibt es nur ein einziges ernsthaftes Hindernis, das sie überwinden müssen: die gesperrte oder geschlossene Wohnungstür. Daher sollten Sie zum Schutz vor solchen Betrügern folgende Ratschläge der Polizei beherzigen:

Lassen Sie keine Fremden in die Wohnung!

Sehen Sie sich Besucher vor dem Öffnen durch den Türspion oder mit einem Blick aus dem Fenster an und machen Sie von Ihrer Türsprechanlage Gebrauch.

Öffnen Sie die Wohnungstür niemals sofort - legen Sie immer Sperrbügel oder Sicherheitskette an.

Ziehen Sie telefonisch eine Nachbarin oder einen Nachbarn hinzu, wenn unbekannte Besucher vor der Tür stehen, oder bestellen Sie die Besucher zu einem späteren Termin, wenn eine Vertrauensperson anwesend ist.

Überlegen Sie bei angeblicher hilfebedürftiger Lage von Fremden an der Tür (Beispiel: Bitte um Schreibzeug oder um ein Glas Wasser): Woher sollte der Nachbar die Besucher wirklich kennen? Warum wenden sich die Besucher im Notfall nicht an eine Apotheke, eine Gaststätte oder ein Geschäft, sondern an eine (abgelegene) Privatwohnung?

Machen Sie bei hilfebedürftiger Lage von Fremden an der Tür das Angebot, selbst nach Hilfe zu telefonieren oder das Gewünschte (Schreibzeug, Glas Wasser etc.) hinauszureichen, und halten Sie dabei die Tür gesperrt.

Fordern Sie von Amtspersonen immer den Dienstausweis und prüfen Sie ihn sorgfältig (nach Druck, Foto und Stempel). Sorgen Sie dazu für gute Beleuchtung und benutzen Sie, wenn nötig, eine Sehhilfe.

Rufen Sie beim geringsten Zweifel bei der Behörde an. Suchen Sie dazu die Telefonnummer selbst heraus und ziehen Sie telefonisch eine Nachbarin oder einen Nachbarn hinzu.

Lassen Sie Handwerker nur dann herein, wenn Sie sie selbst bestellt haben oder wenn sie von der Hausverwaltung angekündigt worden sind. Nehmen Sie nichts für Nachbarn ohne deren Ankündigung oder Auftrag entgegen.

Wehren Sie sich gegen zudringliche Besucher notfalls auch energisch. Sprechen Sie sie laut an und rufen Sie um Hilfe.

Pflegen Sie Kontakt zu älteren Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern. Machen Sie ihnen das Angebot, bei fremden Besuchern an der Wohnungstür zur Sicherheit hinzuzukommen, und übergeben Sie für solche Fälle die eigene Telefonnummer.

Weitere Informationen zum Schutz vor derartigen Betrügereien finden Interessierte im Internet unter www.polizei. hessen.de (Prävention) und unter www.polizei-beratung.de. »

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare