Weg frei für »Windpark Grünberg II«

  • Thomas Brückner
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17 Ja-, zehn Neinstimmen - vor allem von CDU und FDP - sowie drei Enthaltungen: Mit unerwartet deutlicher Mehrheit hat Grünbergs Stadtparlament den neuen Vertrag mit dem Betreiber Trianel für den Windpark »Grünberg II« gebilligt.

Die Debatte eröffnet hatte FW-Sprecher Sebastian Finck. Der zeigte zunächst Verständnis für die Sorgen der Bürger. Wie diese aber müsse sich auch die Stadt an Verträge halten. Zwei 210 Meter hohe Anlagen kämen also ohnedies.

Ob der Mehreinnahmen von 3,0 bis 3,5 Millionen Euro - »etwa so viel wie eine Kita« - sei es ökonomisch sinnvoll, die Vertragsänderung zu gewähren und 40 Meter draufzusatteln. Die CDU fragte Finck, wie es denn zusammenpasse, einerseits niedrige Steuern zu fordern, andererseits auf diese Einnahmen zu verzichten.

»Nein zur Windkraft«, so Reinhard Ewerts Eröffnung, bedeute ein Nein zur Energiewende. Mithin fortgesetzte Nutzung fossiler Brennstoffe und Belastung der Umwelt. »Windkraft nicht bei uns« bedeute, die gesellschaftliche Verantwortung anderen zuzutragen. Doch helfe Wegschauen nicht aus der (Klima-)Krise. Erneuerbare Energien seien eine Chance vor allem für kommende Generationen.

Als Ergebnis eines transparenten Verfahrens seien Fragen beantwortet, Bedenken ausgeräumt worden. »Danach befanden sich die Kritiker auf ideologischem Gebiet, jenseits jeglicher Sachlichkeit. (…) Man kann nicht im Fortschritt leben und zugleich neue Technologien völlig blockieren.« - Für die SPD erinnerte die scheidende Fraktionschef Claudia Wolf an jüngste Verbesserung des Vertrags: Für den Rückbau werden nicht nur 500 000 Euro gesichert, überdies kann die Stadt zum Ende der Laufzeit (25 bis 30 Jahre) ein somit aktuelles Kostengutachten einfordern.

CDU: Zu nah an Wohnhäusern

»Grünberg II«, so Wolf, sei gewiss mit Nachteilen verbunden, für Mensch und Natur, die Erholungsfunktion des Waldes, und das bei steigenden Strompreisen. Dennoch steige nun mal auch der Bedarf (Stichwort E-Autos), benötigten auch Grünberger saubere Energie. Und die Stadt Einnahmen, koste doch allein die Wiederaufforstung des klimageschädigten Waldes Unsummen. Wolf: »Dies ist kein Grundsatzentscheid, es geht nur um die Höhe der Räder.« - Dass auch Grünbergs CDU zu Energiewende stehe, Windkraft nicht generell ablehne und kein »Wahlkampfspektakel« veranstalte, schickte Fraktionsvorsitzende Birgit Otto voraus. Die »Mühlen« neuer Generation wirkten vielversprechend, fuhr sie fort, sofern denn der Standort richtig sei. Ob der Nähe zu Rotmilanhorst und sensiblen Naturräumen, ob der gerade mal 1000 Meter zu Wohnhäusern sei dieser aber falsch. »Wären es 2000 Meter, wären wir dafür.«

Das Argument, wonach sowieso Anlagen gebaut würden, es daher auch die großen, profitablen sein könnten, hat für Otto »fatalistische Züge.« Durchaus liege ein attraktives Angebot auf dem Tisch, doch werde das neue Gewerbegebiet ja auch Einnahmen generieren. Der CDU gehe es nicht zuvörderst ums Geld, sondern um die Menschen, die zu nah an den Windrädern wohnten. Von daher stimme man mehrheitlich mit Nein. Einwände, die Bürgermeister Frank Ide zu entkräften suchte. Zwar sei der Rotmilan als Offenlandjäger auf der aktuellen Windwurffläche unterwegs, doch werde die nach dem Bau ja aufgeforstet. »Dann fliegt er da nicht mehr.« Und was den Lärm angeht, so würden die Immissionen ob der größeren Höhe eher abnehmen. Tatsächlich gehe es heute allein um »optischen Unterschied«.

Ide: Milan jagt dann dort nicht mehr

Dass die modernen Anlagen im Vergleich zu jenen aus 2017 einen doppelt so hohen Ertrag erbrächten, sollte man nicht vergessen. Schließlich: Da Trianel von gut 50 Stadtwerken getragen werde, seien reklamierte Insolvenzängste unbegründet.

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