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Klaus-Peter Schäfer (2. v. r.) und Dieter Bock (3. v. r.) vermitteln beim Feldrundgang den rund 80 Interessierten Wissenswertes über Flure, deren Namen und die Geologie von Stangenrod.

Vulkanismus, Bauxit und ein Verbot aus Kindheitstagen

  • VonHans-Joachim Losert
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Grünberg (fp). »Es git nit ins Bauxit«: So erinnert sich der 82-jährige Eugen Löchel aus Stangenrod an ein Verbot seiner Eltern aus Kindheitstagen. Welche Bedeutung die Bauxitgruben hatten, erfuhren rund 80 Interessierte am Samstag beim Feldrundgang anlässlich des 800-jährigen Jubiläums des Stadtteils. Dieter Bock vermittelte bei der dreistündigen Tour zudem Wissenswertes über die Flure und deren namentliche Bedeutung.

Start war an der Grillhütte im Gemarkungsteil »Alte Warte«. Bei einem der letzten genutzten Steinbrüche des Ortes befand sich einst ein Aussichtspunkt, der den Namen erklärte.

Hier ging Klaus-Peter Schäfer außerdem auf Geologie oder Bodenbeschaffenheit der Gegend ein. Mit einer Ausdehnung von etwa 2500 Quadratkilometern handele es sich beim Vogelsberg um das größte zusammenhängende Basaltgebiet Europas. In der naturräumlichen Gliederung gehöre Stangenrod zum Vorderen Vogelsberg. Als Effekte des Vulkanismus erklärte Schäfer das Vorkommen von Brauneisenstein und Bauxit sowie von Mineralwässern, die von Brunnenbetrieben in Bad Vilbel oder Bad Nauheim genutzt werden. In sieben Flure sei Stangenrod eingeteilt, verdeutlichte Bock. Diese seien bei einem Ordnungsverfahren 1926/27 aus zwölf Fluren entstanden. »Am Hintertor« sei früher ein Eingang zum Dorf gewesen, so Bock weiter.

Am Ortsrand ging es zunächst weiter in Richtung Lumda. Die Bedeutung »Auf der Beune« bedeute einfach eingezäunte Grundstücke. Die »Hainäcker« seien mit Dornen eingefriedete Äcker gewesen. Im weiteren Verlauf legte Bock die Vorgehensweise der Einteilung dar. Vom Ortskern habe man Richtung Norden nummeriert und dann weiter gegen den Uhrzeigersinn.

Bauxittageabbau wurde in der Flur »Auf den Rödern« (Bedeutung: hier war eine Rodung) bis in die Fünfzigerjahre betrieben. Oberhalb von Lumda sei Bauxit im Untertagebau gefördert worden. Das Gebiet wird heute landwirtschaftlich genutzt. Man habe mehrere Bodeneinbrüche registriert, den letzten vor rund 20 Jahren, wusste Klaus-Peter Schäfer. Weiter führte der Rundgang zum Radweg Lumda-Atzenhain und zurück zur Grillhütte Stangenrod. Thema war auch hier der Eisenerzabbau. Bock erklärte den Wanderern, viele Bezeichnungen seien einfach von den Namen der Besitzer abzuleiten. Den Ausklang des Tages bildete ein Zusammensein auf dem Außengelände der Grillhütte.

Zurück zur Erinnerung von Eugen Löchel. »Die Tracht Prügel war uns Kindern sicher«, so der 82-Jährige. Denn das Spielen »im Bauxit« ließ sich nicht verbergen. Rote Schuhe und Kleidung waren die Folge des Kontaktes mit dem rötlichen Aluminiumerz. Stephan Hahn hatte eingangs die Besucher als zweiter Vorsitzender des Vereins »800 Jahre Stangenrod« begrüßt und seine Freude über die gute Resonanz zum Ausdruck gebracht.

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