Nicht in diesen Zeiten: Wurzelbürgerbürsten beim Gallusmarkt in einem proppenvollen Festzelt. Das Foto aus dem Jahr 2018 zeigt (v. r.) Bürstmeister Gerd Lippert, Joachim Breckow, Thomas Siek, Märtfraa Andrea Strauch und Armin Schäfer. ARCHIVFOTO: SCHEPP
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Nicht in diesen Zeiten: Wurzelbürgerbürsten beim Gallusmarkt in einem proppenvollen Festzelt. Das Foto aus dem Jahr 2018 zeigt (v. r.) Bürstmeister Gerd Lippert, Joachim Breckow, Thomas Siek, Märtfraa Andrea Strauch und Armin Schäfer. ARCHIVFOTO: SCHEPP

Gallusmarkt abgesagt

Volksfeste ohne Volk? - Grünberg sagt "Nein"

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Groß feiern in Zeiten von Corona? Geht. Ab 250 Gästen bedarf es dafür "nur" eines Hygienekonzepts. Das aber heißt: Zugangsbeschränkungen. Volksfeste ohne Volk? "Nein", sagen diie Macher des Grünberger Gallusmarkts.

So schade es ist, aber es hat keinen Wert" - Gerd Lippert spricht aus, was seit Wochen schon zu befürchten stand: 2020 wird es in Grünberg keinen Gallusmarkt geben. Als Bürstmeister befördert Lippert alljährlich Zugezogene zu "originären Grimmichern" - zur Freude eines mit über 2500 Menschen prall gefüllten Frühschoppenzeltes.

So sollte es auch dieses Jahr wieder sein, wie seit 540 Jahren wollte Grünberg vom 10. bis 18. Oktober das Volksfest feiern. Die Übereinkunft von Bundesregierung und Länderchefs vom 17. Juni 2020 aber bedeutete schon mal das Aus für die publikumsträchtigen Programmpunkte: Laut besagter Übereinkunft sind mindestens bis Ende Oktober 2020 Großveranstaltungen verboten, bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung der Hygienevorschriften nicht möglich sind (siehe auch Zusatzelement). Bei einem Krämermarkt mit Zehntausenden Besuchern, einem gerappelt vollen Zelt beim Bockbierabend oder Frühschoppen Abstand halten, Kontakte verfolgen? Die Frage erübrigt sich.

Klare Linie: Alles absagen, was für den Gallusmarkt Grünberg steht

Sollte man aber nicht wenigstens einen "Gallmärt im Kleinformat" feiern? Gerd Lippert wie auch Thomas Siek als Vorsitzender der ehrenamtlichen Gallusmarktkommission - gemeinsam mit dem Magistrat Veranstalter - lehnen dies ab. Beide stehen für eine klare Linie: Programmpunkte, die mit dem Traditionsfest verbunden sind, soll es nicht geben.

Womit sie Überlegungen eine Absage erteilen, kleinere Events wie die Teckelschau oder die Kunstausstellung doch durchzuziehen.

Das Votum für eine Komplettabsage wurde soeben bei einer Lagebesprechung der Gallusmarktkommission abgegeben: "Ein Markt mit Bauchschmerzen ob der gesundheitlichen Risiken? Eine lauwarme Veranstaltung mit begrenztem Zugang und Kontrollen? Auf keinen Fall", fasst Siek das Ergebnis zusammen.

In Hessen grundsätzlich schon erlaubt nämlich wären Veranstaltungen mit über 250 Gästen. Allerdings bei Vorlage und behördlicher Genehmigung eines aufwendigen, teuren Hygienekonzepts, was harte Einschnitte zur Folge hätte. Siek: "Ein Frühschoppen mit nur 300 Gästen im großen Zelt - am nächsten Tag wären wir bei YouTube. Zu Recht."

Johanna Lang kümmert sich als Marktmeisterin der Stadt Grünberg hauptamtlich um den Jahrmarkt. Wozu auch Vertragsabschlüsse mit den rund 250 Krämermarktbeschickern und den Schaustellern zählen. Wie sie versichert, stelle sich aufgrund des behördlichen Verbots die Frage einer Regresspflicht nicht. "Wir erwägen nun, die Verträge ins nächste Jahr zu verschieben. Sofern es denn bei den Vertragspartnern ein Interesse besteht - oder sie nicht bereits wegen Corona ihr Geschäft aufgegeben haben."

Schon einmal Absage wegen Epidemie

Wahrscheinlich werden Anfang Oktober einzig die Fahnen in Grünbergs Gassen daran erinnern, dass ohne die Pandemie wieder die Tage des fröhlichen Feierns anstünden und ganz Grünberg "e Griewe" wäre. Und vielleicht, so wieder Siek, treffe sich die Gallusmarktkommission am Dienstagabend - dann wird traditionell der Gallmärt offiziell eröffnet - auf ein Bier im Rathaus. Dies als einziger kleiner Programmpunkt des Traditionsfestes.

"Das gab es schon mal", erzählt am Ende der Grünberger: 1932, als der damals noch reine Vieh- und Krammarkt hatte abgesagt werden müssen. Der Grund war ebenfalls eine Epidemie: Spinale Kinderlähmung, eine von Polioviren hervorgerufene Infektionskrankheit.

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