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Ein Virus, der "Giro" und kein Gallmärt

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Klaus Chomann - besser und selbst über die Grünberger Stadtgrenzen hinaus als "Giro" bekannt - hat wieder mal das Zeitgeschehen karikiert. Diesmal hat es ihm das Virus SARS-CoV-2 - gewissermaßen - angetan. Anzunehmen ist: Da Chomann in diesem Jahr sein Jubiläum als Gallmärts-Löffelmaler hätte feiern können, dürfte er auf die neue Plage besonders sauer sein. Auch das "Oktoberfest der Oberhessen" fällt bekanntlich flach, zu hoch ist die Ansteckungsgefahr.

Vor rund 50 Jahren hatte der heute 78-Jährige (oben rechts mit den Löffelverkäuferinnen Kathrin Kampl und Mareike Büst) mit der Löffelmalerei begonnen. Zunächst nur für einen kleineren Kreis und unregelmäßig, bannt er seit 1970 alljährlich typische Marktszenen filigran auf die nur wenige Quadratzentimeter großen Kochlöffel. Zum 30-Jährigen anno 2010 ernannte ihn dafür die Stadt zum "Gallmärtsdäppeler".

Wegen Corona also wird es nichts mit dem neuerlichen Löffelmalerjubiläum. Sei’s drum, es ist nun mal wie es ist, denkt sich wohl der Karikaturist.

Dass der trotz der Zwangspause Pinsel und Feder nicht hat ruhen lassen, davon können sich Besucher Grünbergs nun ein Bild machen. Im Schaufenster des Eisenwarenladens Wenzel sind seine jüngsten Arbeiten ausgestellt. Darunter auch jene, mit denen er die Pandemie und dessen Folgen für den Gallusmarkt aufs Korn nimmt. Wie immer sehr humorvoll: "Dieses Jahr bleibt de Gaul im Stall", ruft da das Coronavirus dem Grünberger Reiter entgegen. Oder es zeigt Bürgermeister Frank Ide die Rote Karte. Der freilich weiß längst, was Sache ist: "Es hätt keen Wert, saat de Gerd." Mit Letzterem ist übrigens Bürstmeister Gerd Lippert gemeint.

Wie angedeutet, ist dies nicht das erste Mal, dass Giro seine Sicht der Zeitläufte zur Diskussion stellt. Erinnert sei nur an die Zeichnungen zum 500-Jährigen der Reformation 2017, als durchs Schaufenster des besagten Eisenwarenladens ein feister Kerl "spazierte". Eben "Maddin", wie die Grimmicher - auch sie mit binnendeutscher Konsonantenschwäche gesegnet - Luther genannt haben dürften. Damals, als er über die Kurzen Hessen reiste und im Gasthaus am Marktplatz nächtigte. 2017 hatte sich der Zeichner seinen eignen Reim darauf gemacht und "Maddin" sagen lassen: "In Grünberg war ich angekommen/Heuchlern und Christen auch willkommen. (...) Morgen geht’s nach Alsfeld weiter/und verlasse euch hier leider/hier wo Freude, Lebenslust/hab ich Luder hin gemusst/und wenn die Stadt voll Teufel wär/käm ich gerne wieder her."

PS: Auf Initiative von Alfred Hammerschick sind Werke von Klaus Chomann auf der Homepage des Vereins für interkulturelle Bildungen und Begegnung zu sehen: http:zipp-gi.de/home/coronakunst.tb/FOTOS: PM/ARCHIV

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