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Lothar »Black« Lechleiter und Kai Engelke (r.) präsentieren bitterböse, aber auch herzerwärmende Geschichten.

»Vermeiden sie es, ihrem Mörder zu begegnen«

  • VonHans-Joachim Losert
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Grünberg (fp). Als bitterbös, aber auch herzerwärmend bezeichneten die beiden Protagonisten ihre Geschichten, Lieder oder Limericks, in deren Genuss am Sonntagvormittag das Publikum im Grünberger Kino kam. »Sarg die Wahrheit« lautet der Titel des Buches, das Kai Engelke während des Lockdowns geschrieben hatte - nun las er daraus im Rahmen des Krimifestivals Gießen.

Begleitet wurde er von Liedermacher Lothar »Black« Lechleiter (ehem. Duo Schobert & Black).

Im Wechsel zwischen Musik und Lesung sang Lechleiter zum Auftakt das Lied über die Freiheit. Anfangs klang es bedrohlich, als er die Freiheit als »schönstes Gut auf der Erde« bezeichnete: Sie müsse »verteidigt werden, dazu braucht es viele Panzer und Kanonen«.

Beim Song über die Jagd nahm er die Waidmänner auf’s Korn: »Ein Pilzsammler verließ zu früh das Unterholz, ein Männchen war es, ein Rammler«. Mit »Reiher fliegt’s higher« leitete Lechleiter zu Billigflügen über und meinte: »Da greift schon mal ein Atheist zum Rosenkranz«. »Black« gab auch einige ostpreußische Geschichten im passenden Dialekt zu Gehör.

Vom Leid des Siegbert Klotzmann erzählte Autor Engelke in der ersten Kriminalgeschichte. Klotzmann regt sich ständig über die Baustellen auf der Autobahn auf, an denen augenscheinlich niemand arbeitet. Als er an einer Raststätte auf einen Tiefbauingenieur trifft, der für Fernstraßen zuständig ist, nimmt die Begegnung ein schreckliches Ende.

Limericks und Lieder

In einer weiteren Episode erhält ein Reporter von seinem Chefredakteur die Aufgabe, einen Artikel über weibliche Gewalt und Mordlust zu verfassen. In »Tee mit tödlicher Doris« trifft er auf eine 78-Jährige. Ihr Mann Lübbert hatte sie angeblich wegen einer jüngeren Frau verlassen. Doch sie geht in ersten Begegnungen nicht auf die Fragen des Journalisten ein. Dann wird sie von Wespen geplagt; der Berichterstatter will ihr behilflich sein und das Nest finden. Davon ist die alte Dame nicht begeistert. Bei der Suche stößt der Mann auf eine Stelle hinter dem Herd. Nachdem er Steine entfernte, klafft ein Loch in der Mauer. Dahinter entdeckt er das Skelett des Mannes. »Das ist Lübbert, wollen sie noch einen Tee?«, sagt die Dame.

Mit weiteren Limericks und Liedern unterhielt Lechleiter das Publikum. Mit dem Ratschlag »Vermeiden Sie es, ihrem Mörder zu begegnen« leitete Kai Engelke zur Abschlussgeschichte eines abendlichen Gesprächs mit einem Mörder über. Lechleiter beendete den Vormittag mit dem Lied vom »Affenzirkus«.

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