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Baustelle ehemalige AWO-Freizeitstätte: Wegen der Hitze sind die Dachdecker schon in aller Herrgottsfrühe am Werk.

Umbau wird zur Hitzeschlacht

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Grünberg (tb). "Wir fangen um 5 Uhr an, sonst ist es ja nicht zum Aushalten". Der Zimmermann und seine Kollegen sind nicht zu beneiden: Auf dem Dach der ehemaligen AWO-Freizeitstätte Grünberg dürfte die Quecksilbersäule zuletzt mehrfach die 40-Grad-Marke überschritten haben. Besser dran sind Maurer, Elektriker und Installateure, die im Gebäudeinneren ihren Arbeitsplatz haben.

Nach einiger Verzögerung, etwa wegen erforderlicher neuer Ausschreibung, war es im Frühjahr losgegangen mit den Arbeiten. Dazu zählten auch der Abriss oder die Entkernung jener Nurdachhäuser, die nach einer Sanierung für die Kita wiederverwendet werden. Stand jetzt soll Mitte 2020 alles fertig, die Freizeitanlage - für 400 000 Euro von der Stadt erworben - zur Kita geworden sein. Mit mittlerweile vier "festen" Gruppen und einer Waldgruppe, was - nach Auflösung der Übergangskita "Grisu" im alten THW-Gebäude - unterm Strich ein Plus von zwei Gruppen bedeutet.

Wie von den Fachausschüssen einmütig empfohlen, hat das Stadtparlament in seiner jüngsten Sitzung rund 770 000 Euro für das Projekt nachbewilligt. 51 000 Euro entfallen auf den Bau einer "Pflegezufahrt" zur Grünschnittabfuhr, 70 000 Euro für die komplette Neupflasterung des Innenhofs (die Alternative wäre eine Art Flickenteppich). Der Löwenanteil von 550 000 Euro entfällt auf die Umnutzung der früheren Küche zu einem Multifunktionsbereich, wodurch im Hauptgebäude Platz für eine vierte Gruppe entsteht. Die Gesamtkosten der neuen Kita "Zauberwald" belaufen sich damit auf 2,6 Millionen Euro.

Alle drei Unterpunkte segnete das Plenum einstimmig ab. Leichter gefallen ist das durch die erhöhte Förderung, die der Bund gewährt ("Gute Kita-Gesetz"): Statt 160 000 überweist Berlin 250 000 Euro je Gruppe.

Ärger über ständiges "Gemecker"

Die erneute Kostensteigerung griff in der Parlamentsdebatte CDU-Sprecherin Birgit Otto auf: Der Bedarf an weiteren Plätzen sei unumstritten, zu kritisieren aber sei das Verfahren. Otto sprach von mangelhafter Planung, zu später Einbindung des Bauhofs. Auch von "Salamitaktik", d.h. immer neuen Nachschlägen. Mit Hinweis auf den per se bei Altbauten einzukalkulierenden Mehraufwand komme man am Ende wahrscheinlich auf drei Millionen, statt zunächst genannte eine Million, mithin an die Kosten eines Neubaus heran. Vorwürfe, die Verwaltungschef Frank Ide (FW) zurückwies. Viele im Plenum seien von Anfang an involviert gewesen. "Wenn die Mehrheit das alte Pflaster behalten will, dann lassen wir es." Recht habe die CDU damit, dass die Verwaltung die Pflegezufahrt nicht auf dem Schirm hatte, der Bauhofleiter erst auf den Pflegeaufwand und auch darauf aufmerksam gemacht habe, dass die bestehende Zufahrt unzureichend sei. Auch diese Mehrausgabe sei zu streichen. Aber: "Macht es Sinn, den Grünschnitt mit dem Schubkarren abzufahren?"

Und zur Küche: Zu Beginn sei diese nicht in die Planung einbezogen gewesen, jeder habe gewusst, "da kommt noch was." Dass erwogene Nutzung, von hier aus alle Kitas mit Essen zu versorgen, auf 850 000 Euro kommen würde, die Abstimmung mit den Behörden so lange dauern würde, damit habe man nicht rechnen können. Ide zeigte sich sichtlich genervt über solch wiederkehrendes und "unberechtigtes Gemecker.".

Dass ein viergruppiger Neubau heute tatsächlich auf vier Millionen käme, hier sogar eine fünfte Waldgruppe entstehe, bei Altbauten immer etwas Unvorhergesehenes passiere, sprang SPD-Fraktionschefin Claudia Wolf dem FW-Politiker bei. Daher ihr Appell an Kollegin Otto: "Bälle flachhalten!"

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