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Reifenschäden als Beweis einer unzulässigen Fahrwerkmanipulation, eine nicht eingetragene, um 40 PS stärkere Maschine, ein durchs Handschuhfach "fliegendes" Steuerelement - nur drei Gründe, warum dieser BMW 316i aus dem Verkehr gezogen wurde. Oberkommissar Schindele (Foto) gehört der AG an, mit der die Polizei Grünberg die illegale Tuning- und Drifterszene ins Visier nimmt.

Verkehr

Tuningszene im Ostkreis Gießen: Taskforce "Drifter" ermittelt

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Beschwerden von Bürgern und die immer häufiger zu beobachtenden Abriebspuren auf den Straßen sind der Beweis: Eine illegale Raser-, Drifter- und Tuningszene weiß die Vorzüge des ländlichen Ostkreises zu schätzen. Vor allem nachts sind die jungen Männer unterwegs. Die neue Arbeitsgruppe "Drifter" der Polizeistation Grünberg nimmt sie nun ins Visier.

Da spielte "Kommissar Zufall" den Kollegen in die Hände: Dienstagabend kontrollierte eine Streife nahe Ober-Bessingen ein Auto. Zu recht, erwies sich doch der BMW 316i, Baujahr 1994, als Paradebeispiel illegalen Tunings. Erwähnt sei nur die zu tief gelegte Karosserie, wie Schäden am Vorderreifen belegen. Gefährlich, nicht nur für den Fahrer, kann doch bei einem Unfall auch der Gegenverkehr betroffen sein.

Der Zufallstreffer gelang just am Vorabend einer Pressekonferenz, bei der die noch recht junge Arbeitsgruppe "Drifter" der Polizeistation Grünberg präsentiert wurde. Seit einigen Monaten bereits nimmt diese die illegale Raser-, Drifter- und Tuningszene ins Visier. Ersten Schätzungen zufolge gehören der zehn bis 15 junge Erwachsene aus dem Raum Grünberg, Laubach und Hungen an, oft Mechatroniker, immer männlichen Geschlechts. Bislang haben die Beamten sieben Kfz, meist BMW oder andere Marken mit Heckantrieb (erleichtert das Driften) stillgelegt. Ursächlich waren verbotene Veränderungen an der Fahrzeugtechnik und eine damit verbundene Erlöschung der Betriebserlaubnis.

Beim Pressetermin in Grünberg machten Stationsleiter Frank Demper, der stellvertretende Leiter der Polizeidirektion Gießen, Stefan Jilg, wie auch die Mitglieder der neuen "Taskforce" eines klar: Solange die Schrauber sich an die Vorschriften halten, die eben zur Vermeidung der Eigen- wie Fremdgefährdung erlassen wurden, solange sei Tuning okay. Priorität habe Prävention, Verkehrssicherheit - keineswegs gehe es um Bußgelder. Dass die Strafen gerade den jüngeren Autofahren sehr wehtun können, das wurde an einem anderen Fall veranschaulicht: Wiederum hatten die Grünberger einen BMW aus dem Verkehr gezogen, dessen Besitzer in Sachen illegale Veränderungen den "Ober-Bessinger" weit übertraf.

Autofahrer zahlt über 1000 Euro

So wurde das Lenkrad durch ein abnehmbares Teil ersetzt, das nur im Motorsport Verwendung findet - der junge Mann war somit ohne Airbag unterwegs. Alles in allem - doppeltes Bußgeld wegen Vorsatzes, TÜV-Gebühren, Nachzahlung von KfZ-Steuer (der Katalysator war ausgebaut worden) und vieles mehr - kommen auf ihn weit über 1000 Euro zu.

Nicht das Schlimmste, was aus einem illegalen Techniktuning folgen kann. Gleiches gilt fürs Driften, bei dem die Fahrer mit Vollgas losbrettern, über die gerade Strecken schlingern oder in Schrägstellung die Kurve nehmen. Frank Demper: "Driftübungen und Veränderungen an den Pkw sind kein Kavaliersdelikt. In Verbindung mit zum Teil veränderten Bauteilen kann es zu schweren Unfällen kommen." Woher die Szene Zulauf erfährt, nicht nur im Ostkreis, sondern bundesweit? "Mediale Aufmerksamkeit ist einer der Gründe", hieß es gestern. Womit vor allem Videos von gefährlichen Fahrmanövern in sozialen Netzwerken gemeint sind.

"Unser Zuständigkeitsbereich umfasst 440 Quadratkilometer", erklärte im Weiteren der Grünbergs Polizeichef. Er veranschaulichte damit, was für den Erfolg der Ermittler entscheidend ist: Hinweise aus der Bevölkerung. Namens der AG "Drifter" verwiesen die Polizeioberkommissare Schindele und Jaroschenko auch auf erste anonyme Hinweise aus der Szene selbst. Tenor: "Lasst uns Schrauber in Ruhe, kümmert Euch um die Schwarzen Schafe in unseren Reihen".

Die Grünberger behalten weiter die bei Driftern beliebten "Hotspots", etwa die Kreisel in Hungen und Wetterfeld oder die Landstraße nahe Villingen, im Auge, nehmen Kontrollen vor. Aber sie suchen auch den Kontakt zur Szene, gehen dafür zu den bekannten abendlichen Treffs auf Parkplätzen vor Lebensmittelmärkten, um zu warnen. "Oft sind das Gefahren , von denen die meist jungen Autofahrer nicht mal was ahnten."

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