Ambitioniert, aber 170 000 Euro teurer als veranschlagt: Entwurf für die Anlage an der Stadtmühle. SKIZZE: PM
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Ambitioniert, aber 170 000 Euro teurer als veranschlagt: Entwurf für die Anlage an der Stadtmühle. SKIZZE: PM

Teure Wasserspiele in Grünberg

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Grünberg(tb). Von wegen: "Das Beste kommt am Schluss". Am Ende der Sitzung am Montagabend musste Bürgermeister Frank Ide dem Haupt- und Finanzausschuss von einer weiteren Kostenexplosion zulasten der Stadt berichten. Betroffen ist diesmal das ambitionierte Projekt "Grünberger Wasserkunst". Die mit veranschlagten 200 000 Euro aufwendigste Teilmaßnahme, eine Mehrgenerationenanlage mit Spielplatz und Kneippbecken, verteuert sich um 170 000 Euro.

Entscheidung über Nachschlag vertagt

So das günstigste Angebot eines Unternehmens. Abspecken oder akzeptieren also lautet hier die Frage.

Veranschlagt mit 404 000 Euro aus EU-Mitteln mit der Maximalförderung in Höhe von 200 000 Euro bedacht, soll im Brunnental ein "Bildungs- und Erlebnisort" entstehen. Besucher werden an die ins Jahr 1419 zurückreichende Historie der Wasserförderung herangeführt. Neben Ausstellungen in Stadtmühle und Maschinenhaus sind u. a. auch die naturkundlichen und geologischen Spazierwege fertig.

Verzögert hat sich einzig der Wasserspielplatz, der dank des Kneippbeckens als ein Ort für Jung und Alt konzipiert worden ist: Auf eine erste Ausschreibung hatte sich nicht eine einzige Firma gemeldet.

Im zweiten Anlauf schien es endlich zu klappen: gleich vier Angebote gingen im Rathaus ein. Die Submission am Montagmorgen freilich sollte für "mittleres Entsetzen" sorgen. "Das günstigste Angebot lag bei 370 000 Euro, die höchste bei 470 000", informierte Ide unter Mitteilungen den Ausschuss. Gut, Planung und Kostenschätzung seien anderthalb Jahre alt, die Entwicklung der Preise in der weiterhin boomenden Baubranche bekannt. "Gerade in diesen Zeiten reißt sich keiner um Projekte, die viel Handarbeit verlangen. Und wenn doch, dann will er auch richtig verdienen."

Die Vergabe der EU-Mittel zur Förderung ländlicher Räume (Programm LEADER) organisiert die Fachabteilung beim Lahn-Dill-Kreis. Noch am Montag hatte die Stadt dort vorgefühlt, ob etwa bei anderen Teilmaßnahmen eingesparte Gelder umgeleitet oder am Spielplatz selbst etwas abgeknapst werden könnten. Das bliebe abzuwarten, fest aber steht: Mehr als die 200 000 Euro gibt es nicht, auch pressiert es so langsam, ist doch bis August 2021 die Endabrechnung vorzulegen.

Laut Bürgermeister gibt es drei Alternativen: 170 000 Euro nachbewilligen und als Darlehen aufnehmen, per Verzicht auf die Kneippanlage 50 000 Euro sparen oder - was zeitlich gerade noch so hinkommmen dürfte - eine dritte Ausschreibung veranlassen.

Siegbert Damaschke (CDU) sprach sich fürs Abspecken aus, zumal das alte Kneippbecken ja noch intakt sei. Auch Grünen-Sprecher Reinhard Ewert sah das so, mahnte zu sparen. Und mit einem vermutlichen Schmunzeln (Maskenpflicht jetzt auch am Platz): "Wenns heiß ist, können ja auch Erwachsene am Spielplatz ihre Füße ins Wasser stellen." Ohne Kneippanlage wäre das Mehrgenerationen-Konzept perdu, widersprach SPD-Fraktionschefin Claudia Wolf. Da auch die Altanlage schwer zugänglich sei, empfahl sie, in den sauren Apfel zu beißen. Am Ende folgten aber alle dem Vorschlag Birgit Ottos (CDU), wird zuerst in den Fraktionen beraten.

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