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Blick ins Grünberger Waldstadion: Das rechte Sportlerheim hat der Vorstand des TSV verkauft, ebenso einen Teil des Außengeländes. Das Anwesen links davon, darin die Mannschaftsduschen, ist weiter Eigentum des Vereins.

Streit um Sportheimverkauf

  • VonHans-Joachim Losert
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Grünberg (fp). Die allgemeine und die sportliche Bilanz rückten bei der Hauptversammlung des TSV Grünberg am Freitag in den Hintergrund. Grund war nicht nur Corona, sondern der Verkauf des Sportheims durch den Vorstand. Mitglieder warfen dem Leitungsgremium fehlende Informationen vor, die Rede war zudem von einem Verstoß gegen die Satzung.

Der Vorstand dagegen war der Meinung, mit Einbeziehung der Abteilungsleiter seiner Pflicht genüge getan zu haben und mit dem Verkauf des sanierungsbedürftigen Gebäudes das Wohl des Vereins im Blick gehabt zu haben.

Zum Ablauf des Verkaufs machte Kreuder folgende Ausführungen: Geplant war danach zunächst ein Umbau des Sportlerheims - seit Jahren in keinem guten Zustand - mit Vereinsmitteln. Auf der Agenda standen v.a. der Einbau sanitärer Anlagen für Heim- und Gastmannschaften, männliche und weibliche Schiedsrichter. Eine erste Ingenieurschätzung sei auf Kosten von rund 180 000 Euro gekommen.

Schnell war dann klar geworden, dass Zuschüsse von Stadt und LSB nicht üppig ausfallen würden. Man bemühte sich um eine Finanzierung auch bei der Sparkasse Grünberg. Klar sei ferner gewesen, dass sich die Abteilungen daran beteiligen sollten. Auch eine Beitragserhöhung habe man erörtert.

Kreuder stellte nochmals klar, das Sportlerheim gehöre dem Gesamt-TSV und nicht allein den Fußballern. In mehreren Hauptversammlungen sei der Sachverhalt dargestellt worden, am Ende habe der Beschluss gestanden: »Umbau nicht finanzierbar«.

Eine weitere Zuspitzung ergab sich laut dem Bericht im Februar, als ein Wasserschaden festgestellt wurde. Die Beseitigung wurde mit 50 000 Euro beziffert. Die Versicherung habe sich wegen Kontrollmängeln geweigert, den Schaden zu übernehmen. Des Weiteren sei der Befall mit Schwarzschimmel festgestellt worden, habe das Heim sofort geschlossen werden müssen.

Legitimation durch Ja der Abteilungen

Als man Kenntnis vom Verkauf des Hartplatzes durch die Stadt für den Wohnmobilstellplatz erhielt, habe man den Kontakt gesucht, sei es zum Verkauf gekommen.

Eingangs der Versammlung hatten die Investoren Siegfried Schreiner und Christina Ziech ihre Pläne vorgestellt. Die sehen eine Gaststätte und im Bereich der jetzigen Grillhütte eine Außenbewirtung vor. Ob das Sportlerheim zusätzlich als Sanitärgebäude für die Reisetouristen genutzt wird, stehe noch nicht fest.

Im Verlauf der Diskussion sah sich nun der Vorstand durch die Zustimmung aller Abteilungen legitimiert. Wegen Corona habe man auf eine Mitgliederversammlung verzichtet und nur die Spartenleiter informiert, die ihrerseits die Informationen an die Mitglieder transportieren sollten.

Dies dürfte wohl nicht überall vorbildlich funktioniert haben: Aus der Versammlung heraus wurde der Vorwurf laut, der Vorstand habe mit Vorsatz gehandelt und gegen die Satzung verstoßen. Ob der Verkauf nach den gültigen Bodenrichtwerten erfolgte, wurde ebenfalls angefragt. Vorsitzender Kreuder betonte, man habe stets das Wohl des Gesamtvereins im Auge gehabt: »Wir waren froh, diesen Klotz am Bein, der seit Jahren Kosten erzeugt, los zu sein«.

Einzelne Abteilungsleiter machten deutlich, dass ihre Sparten froh seien, dass ihr Budget durch eine Sanierung des Gebäudes nicht belastet werde. Einige Mitglieder gaben sich damit nicht zufrieden. Den Antrag für einen Untersuchungsausschuss - dieser sollte feststellen, ob dem TSV ein finanzieller Schaden entstanden ist - lehnte die Versammlung aber mehrheitlich ab.

Bei der nächsten zeitnahen Verwaltungsratssitzung sollen Verkauf und Fakten durch den Vorstand offengelegt werden. Den Vorsatz-Vorwurf wies Kreuder entschieden zurück. Einzelne Versäumnisse räumten die Vorstände ein und entschuldigten sich dafür.

Gemäß Tagesordnung vorgesehene Wahlen wurden auf die nächste Hauptversammlung vertagt. Ob der Vorwürfe zogen Klaus-Peter Kreuder und der dritte Vorsitzende Armin Schäfer in Erwägung, nicht mehr zu kandidieren.

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