Auch die einstige Post in Stangenrod ist Bestandteil der umfangreichen Chronik zum 800-Jährigen. FOTO: PM
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Auch die einstige Post in Stangenrod ist Bestandteil der umfangreichen Chronik zum 800-Jährigen. FOTO: PM

Stangenrod muss warten

  • vonHans-Joachim Losert
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Grünberg(fp). "Die Menschen leben gerne hier", bescheinigt Ministerpräsident Volker Bouffier den Stangenrödern. Mit Herausgabe einer Ortschronik werde ein wichtiger Beitrag geleistet, Überliefertes bekannt zu machen und für nachfolgende Generationen zu erhalten, lobt der Ministerpräsident in seinem Grußwort. Zum 800-jährigen Jubiläum des Grünberger Stadtteils - 1220 ist in dem Weiler eine Kapelle geweiht worden - ist eine Chronik in einem 166-seitigen Buch erschienen.

Viele Stunden hat der Ausschuss mit Carola Aff, Bettina Gill, Alfred Hupfeld, Nadine Krombein, Eugen Löchel und Beate Sauerwein für Recherche und Layout aufgewendet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Nach den Grußworten beschäftigt sich das Werk mit der Entstehung des Dorfes und dem Mittelalter. Wie in den meisten Orten ist die Beleglage aus den Anfängen gering. Ortsgründungen mit den Namensendungen -rod lassen auf eine Entstehung zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert schließen.

Der Ort liegt auf einem Höhenrücken in Nestlage. An seiner höchsten Stelle stehen keine Wohnhäuser, einzig die Kirche ist dort angesiedelt. Diese, im romanischen Stil erbaut, ist wohl im 11. Jahrhundert entstanden, so wird auch die erste Ansiedlung in dieser Zeit vermutet. Chronist Carl Glaser setzt die Siedlung dem Alter der Stadt Grünberg gleich. 1320 wird Stangenrod dann zum ersten Mal in einer noch existierenden Urkunde erwähnt.

Bergbau und Landwirtschaft

1502 sind in Stangenrod 15 "Mannspersonen" verzeichnet. Die Bewohner leben von Ackerbau und Weidewirtschaft. Von Juni bis September 1635 wütet die Pest, ihr fallen zahlreiche Stangenröder zum Opfer. Kriege und Feldzüge werden beschrieben, bevor zur neueren Geschichte übergeleitet wird. 1804 hat Stangenrod 260 Einwohner. In den Jahren von 1839 bis 1864 wanderten 468 Bewohner aus. Die Zahl der Auswanderer ist so hoch, dass der Geburtenüberschuss jener Zeit durch Auswanderungen ausgeglichen wurde und die Einwohnerzahl abnahm.

Ein weiteres Kapitel ist dem Bergbau gewidmet. Um Stangenrod wurden verschiedene Erze zutage gefördert. Im Adressbuch von 1904 sind 13 Bergleute genannt, die ihren Lebensunterhalt damit verdienten. Anteil im Druckwerk hat zudem das örtliche Postwesen. Breiteren Raum nehmen die Landwirtschaft, der Handel und die Gastwirtschaften ein. Im landwirtschaftlich strukturierten Dorfkern waren in der Nachkriegszeit etwa 35 kleine und mittlere sowie mutmaßlich fünf größere Bauernhöfe in Betrieb. Heute sind nur noch vier landwirtschaftliche Betriebe ansässig.

Ursprünglich prägten drei Schmieden das wohl älteste Handwerk im Dorf. Schreiner, Metzger, Schuster oder Maler hatten ebenfalls ihr Auskommen, hinzu kommen Lebensmittelhändler und Gastwirtschaften.

Umfangreich wird das Geschehen der beiden Weltkriege geschildert, damit verbunden die Zuwanderung der Heimatvertriebenen. Alte Dorfnamen werden mit einer Auflistung erklärt.

Schule nur in den Wintermonaten

Bis zu einer zentralen Wasserversorgung wurde in Stangenrod der Bedarf durch vorhandene Brunnen und Tränken sichergestellt, die in der Chronik aufgezählt werden. Zu den weiteren Themen gehören der Dorfplatz und die Stromversorgung. Mehrere Seiten haben die Verfasser den Fluren gewidmet.

Bevor in Stangenrod das erste Schulhaus erbaut wurde, fand der Unterricht reihum in Bauernstuben oder anderen Notbehelfen statt. Meist trafen sich die Schüler nur in den Wintermonaten. 1709 soll eine Neuordnung des Schulwesens begonnen haben. Mit dem sehr kleinen Gemeinde-Hirtenhäuschen, welches der damalige Lehrer Schmidt mit seiner Familie bewohnte, stand zum ersten Mal ein permanentes Gebäude für Unterrichtszwecke zur Verfügung. 1719 ging man an den Bau eines eigenen Schulhauses, während von 1791 bis 1792 das zweite entstand. Die dritte Schule wurde 1900 errichtet. Die Grundschule blieb bis 1969 in Stangenrod, dann wurden alle Schüler in Grünberg eingeschult. Die Schule am Diebsturm wurde Ende der 1980er-Jahre ebenfalls zu klein. Es entstand in der Heidestraße ein neues Gebäude für Kinder aus Stangenrod, Lehnheim, Lumda, Beltershain und Reinhardshain, die Grundschule Sonnenberg.

Im Kapitel "Stangenrod heute" befassen sich die Autoren unter anderem mit den Vereinen. Zum Ende gibt es nochmals Namen, Daten und Fakten. Dabei werden die Bürgermeister, Pfarrer oder Hebammen aufgezählt. Eingegangen wird zudem auf die Entwicklung der Einwohnerzahlen.

Dank einer Zuwendung der Stiftung der Sparkasse Grünberg ist die Chronik zum Preis von 15 Euro bei Stadtverwaltung, Sparkasse, Buchhandlung Reinhardt und Gill IT-Service in Grünberg erhältlich.

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