Jörg Keller
+
Jörg Keller

"Es hat spürbare Konsequenzen gegeben"

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
    schließen

Grünberg(tb). Die Aufarbeitung des antisemitischen Zwischenfalls an der Theo-Koch-Schule (TKS) Grünberg, der sich Mitte Oktober ausgerechnet auf dem Heimweg von einer Studienfahrt zum ehemaligen KZ Buchenwald ereignet hat, dauert an. In der Schulgemeinde, aber auch bei der Polizei: Laut Pressesprecher Jörg Reinemer sind die Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung noch nicht abgeschlossen, der Vorgang wurde noch nicht an die Staatsanwaltschaft abgegeben. Zu klären sei etwa, ob die drei 14-Jährigen, die nazistische Lieder abgespielt haben sollen, diese auch mitgegrölt haben. Und ob eine 15-Jährige das Geschehen gefilmt und weiterverbreitet habe. Sollte sich der Verdacht der Volksverhetzung erhärten, sei mit einem Strafverfahren zu rechnen.

Seitens der TKS war das Geschehen sehr ernst genommen worden. Die Schule "hat gezeigt, dass es für Antisemitismus keine Toleranz, kein Weghören und kein Wegschauen geben darf", lobte Hessens Antisemitismusbeauftragter Uwe Becker die Grünberger. Doch auch in den Schulen gelte es, die Anstrengungen noch mal zu verstärken und junge Menschen emotional stärker zu erreichen, "damit sie begreifen, welch bösartiges Gedankengut sie da nachplappern", sagte Becker. Unter anderem auf diesen Appell geht TKS-Direktor Jörg Keller im Interview mit der Gießener Allgemeinen Zeitung ein.

Herr Keller, nach dem Bekanntwerden des antisemitischen Vorfalls haben Sie eine umfangreiche Aufarbeitung angekündigt. In welcher Form ist das inzwischen geschehen?

Tief beschämt und erschüttert von den antisemitischen Vorfällen hat die Schule diese intensiv bearbeitet. Gegen vier Neuntklässler sind schulische Maßnahmen verhängt worden. Außerdem wurde und wird mit diesen und allen anderen Schülerinnen und Schülern intensiv pädagogisch gearbeitet. Nach den Weihnachtsferien stehen für die Jahrgangsstufe 9 Projekttage auf dem Programm, die vom "Netzwerk Demokratie und Courage" durchgeführt werden. Fest im Jahresplan verankert, bieten diese eine weitere Gelegenheit, sich produktiv mit dem zentralen Leitmotiv der "Schule ohne Rassismus" auseinanderzusetzen.

Gibt es Hinweise, wonach die Theo-Koch-Schule einem Imageschaden erlitten hat, etwa von Elternseite?

Dadurch, dass wir von Anbeginn an transparent waren und den Vorfall nicht unter den Tisch haben fallen lassen, waren die Rückmeldungen sogar insgesamt positiv. Zudem ist das Engagement der TKS allgemein bekannt, im Sinne unserer Auszeichnung "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Seit Jahren setzen wir uns für Demokratie- und Wertevermittlung ein, zum Beispiel auch in Form von Autorenlesungen, Theaterstücken, Ausstellungen und mancherlei Projekten. Auch aus der Region haben wir viel Zuspruch erfahren. Unser Tag der offenen Tür Ende November hätte sicherlich Gelegenheit geboten, Kritik unmittelbar zu äußern. Hierzu ist es aber in keinem mir bekannten Fall gekommen.

Hat der Vorfall Konsequenzen - sowohl für die Kinder als auch für die Organisation der Studienfahrten?

Es hat spürbare Konsequenzen gegeben, die wir aber nicht öffentlich ausbreiten. Die Beteiligten sind 14 Jahre alt. Trotz ihres Tuns haben sie auch ein Anrecht auf Schutz. Wichtiger waren und sind daher Überlegungen, mit welchen pädagogischen Maßnahmen sich anschließen lässt und wie man die Teenager auf ihrem weiteren Weg begleiten und unterstützen kann. Das haben wir getan beziehungsweise tun wir - uneingeschränkt. FOTO: ARCHIV

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare