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Baustellenbesichtigung mit Geschäftsführer Thomas Schmitt: Der Hessische Fußballverband modernisiert derzeit das Stadion der Sportschule Grünberg. Es entsteht ein rund 13 000 Quadratmeter großes Spielfeld mit Tribüne. Fitmachen für Bundesligaklubs und nicht zuletzt für die Fußball-EM 2024, lautet die Devise. Foto: tb

Basiscamp für EM 2024?

Sportschule Grünberg macht sich fit für die Zukunft

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Die Sportschule Grünberg macht sich fit für die Zukunft. Gut eine Million fließen in die Modernisierung des Stadions. Für den Nachwuchs, für die Bundesliga und bestenfalls für die EM 2024.

Die ersten Anzeichen einer der größten Investitionen in der 65-jährigen Geschichte der Sportschule Grünberg sind seit gestern unübersehbar: Bagger rollen über den Rasen des Stadions, wie der Platz linker Hand der Zufahrt genannt wird, schaffen zunächst eine Zufahrt zur Baustelle. "Mehr als ein Milliönchen ist das schon", bleibt Sportschulchef Thomas Schmitt im Ungefähren, als beim Lokaltermin mit dieser Zeitung die Kostenfrage aufploppt.

Bis zum Sommer soll die umfassende Modernisierung des Spielfeldes fertig sein. Zur Einweihung des neuen Stadions am 23. August ist DFB-Präsident Fritz Keller geladen, auch wird ein sportliches Schmankerl versprochen. Eingebunden ist das Event in ein etwas merkwürdiges Jubiläum: Der Hessische Fußballverband feiert sozusagen 50 Jahre "legaler Frauenfußball". 1970 hatte der DFB endlich Damenteams zum regulären Spielbetrieb zugelassen.

Die Zeit für die Investition ins Stadion - 1954 als erstes von heute vier Spielfeldern angelegt - war schon länger reif. Zum ersten liegt die letzte "Runderneuerung" bereits 35 Jahre zurück. Zum zweiten spürt längst auch "Grünberg", erste und einzige Sportschule des HFV, die gestiegenen Erwartungen der Proficlubs. Die aber würde man gerne wieder willkommen heißen, möchte anknüpfen an die Zeiten, da Köln, Leverkusen oder Frankfurt am "Tannenköppel" trainierten. Nicht zu vergessen die Nationalmannschaft, die letztmals Anfang der 1990er unter Berti Vogts hier Quartier nahm.

Eignung für EM-Quartier

Läuft alles wunschgemäß, würde zur Fußball-EM 2024 in Deutschland ein Team in Grünberg sein Basiscamp aufschlagen. Hat sich doch die Sportschule mit Erfolg beworben, hat der DFB die Eignungsbestätigung als "Team Base Camp" erteilt. Ob am Ende aber tatsächlich eine Mannschaft einzieht, dürfte sich erst Ende 2023/Anfang 2024 entscheiden, wenn die Endrundenteilnehmer feststehen. Dann erst werden die "Quartiermacher" aus dem zugegeben großen Portfolio mit starker Konkurrenz ein Trainingslager aussuchen. Ob Grünberg dabei sein wird oder wie bei der WM 2006 am Ende scheitern wird, weil die Interessenten Luxuswünsche hegen oder gar ein sechsstelliges Bakschisch verlangen?

Bis zur EM ist noch lange hin, zuvor aber könnten bereits Bundesligateams nach Grünberg kommen. Thomas Schmitt zeigt sich da optimistisch: "Ist erst mal alles fertig, kommen die an uns gar nicht mehr vorbei", meint er mit einem Schmunzeln.

Zum Stadionbau: Aus bisher einem werden künftig zwei Fußballfelder, mit Naturrasen und rund 90 mal 70 Meter groß. Parallel angeordnet, können sie zu einem Feld "kombiniert" werden. Das habe dann "Bundesliga-Größe", wie Schmitt betont. Dafür freilich muss die Aschenbahn weichen; an deren Stelle entsteht eine 125-Meter-Laufbahn, auf der auch Profis ihre Sprintqualitäten erproben sollen.

Erneuert und erweitert wird zudem die Flutlichtanlage, dann mit energiesparender LED-Technik. Nicht zu vergessen: Das Stadion bekommt erstmals eine Tribüne mit 400 Plätzen; jene im Gießener Waldstadion fasst übrigens 600 Menschen.

Notwendige Zufahrt für Baufahrzeuge ist nur einer der Gründe dafür, dass mehrere Hundert Fichten gefällt werden. Vor allem liegt das am Borkenkäfer. Für Ersatz jedoch werde gesorgt, Laub- und auch Apfelbäume sollen gepflanzt werden.

"Bekenntnis des HFV zu Grünberg"

Wie der Sportschule-Chef unterstreicht, dürfe der Stadionumbau durchaus als "starkes Bekenntnis" des HFV zum Standort Grünberg mit seinem Vier-Sterne-Hotel, Wellness-Bereich, den Trainingsunterkünften, zwei Sporthallen und vier Fußballplätzen verstanden werden. Was sich in weiteren Investitionen abzeichne. So werde im Frühjahr der Wintergarten des Sporthotels abgerissen und samt Zugang ins Freie neu gebaut. Zudem ist bereits der Bauantrag für einen Neubau für Tagungen und weitere Unterkünfte im Obergeschoss unweit des Wandelgangs und Parkplatzes eingereicht.

Dort, so hoffen Schmitt und sicher viele Fußballfreunde, wird nach Bundesligaklubs 2024 der große Mannschaftsbus eines EM-Teams stehen - vielleicht aber auch nur ein Kleinbus mit Schiris, sucht die UEFA doch auch sogenannte "Referee Base Camps".

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